Rezensionen

Nicoles Bewertung 04 Sterne.png

Als eines Tages ein britischer Anwalt an Genevieve herantritt und ihr mitteilt, dass sie als letzte ihrer Familie nun Anspruch auf eine Burg in England hat und zudem auch noch eine immense Geldsumme erben könnte, wenn sie sich dazu entscheidet zukünftig auf Seakirk zu leben, fällt die junge Frau aus allen Wolken.
Nach einer kleinen Bedenkzeit lehnt sie das Erbe zunächst ab, denn eigentlich ist das Leben, das sie führt, ganz nach ihrem Geschmack. Sie leitet eine erfolgreiche Firma in der Restaurationen an Antiquitäten durchgeführt werden und hat sich ihren Lebenstraum eigentlich schon erfüllt. Doch nur wenige Wochen später liegt ihre Karriere in Trümmern. Nachdem einige Klienten abgesprungen sind und auch ihre Arbeitskollegen fristlos kündigten, steht Genevieve plötzlich allein und ohne Geld dar.

Einzige Möglichkeit: sie muss das abgeschlagene Erbe doch annehmen und fortan in England leben. Kaum dort angekommen, hat sie eine Begegnung der dritten Art. Ein blutüberströmter, bewaffneter und äußerst mürrischer Ritter mit Mordgedanken versetzt sie in Angst und Schrecken. Kendrick de Piaget ist jedoch kein gewöhnlicher Ritter. Seit er im 13.Jahrhundert von seiner verräterischen Verlobten verflucht und von deren Geliebten getötet wurde, spukt er nun schon seit sieben Jahrhunderten auf Seakirk herum und hofft nun, dass er, wenn er Genevieve tötet, den Fluch endlich zu brechen vermag und in Ruhe sterben kann.

Aber Genevieve erweist sich, nachdem sie sich von ihrem ersten Schrecken darüber dass ein Geist in ihrem neuen Anwesen umherspukt, überwunden hat, als störrisch und uneinsichtig. Sie will bleiben, koste es was es wolle. Kendrick ist zunächst verärgert darüber, dass er die junge Frau nicht töten kann, dennoch kann er es nicht verhindern, dass Genevieve ihn mehr und mehr fasziniert…

„Das Erbe in den Highlands“ ist ein weiterer Teil einer mehrbändig umfassende Serie in denen Liebesgeschichten zwischen Geistern und Lebendigen erzählt werden. Trotz der geisterhaften Komponente würde ich diesen Roman jedoch ohne Einschränkung allen Lesern ans Herz legen, die gerne humorvolle und romantische Liebesromane lesen, denn die paranormalen Elemente in diesen Stories sind eher Stilmittel um die Schwierigkeiten zwischen Lebendigen und Geistern, die sich ineinander verliebt haben, zu verdeutlichen.

Zu Lynn Kurlands Stärken gehören ihr köstlicher Humor, der immer dann aufblitzt, wenn Kendrick und Genevieve in einem gemeinsamen Gespräch vertieft sind, ihre Fähigkeit die Gefühle ihrer (männlichen) Protagonisten so wunderbar zu beschreiben, dass man nicht anders kann als selbst von ihnen fasziniert zu sein und vor allem, dass sie eine romantische Grundstimmung schafft, ohne dass es zu endlos langen Missverständnissen zwischen Held und Heldin kommt. Ein wenig erinnert Lynn Kurlands munterer, leichter Schreibstil mich an den von Teresa Medeiros oder Kinley MacGregor. Wobei ich es jedoch bei Lynn Kurlands Romances sehr schätze, wie stark sie die Romantik und die Liebesgeschichte zwischen ihrem Heldenpaar in den Vordergrund stellt, was auch hier nicht anders ist. Allerdings sollte man sich als Leser vorher im Klaren darüber sein, dass es in den Romanen der Autorin stets recht züchtig zugeht. Außer Küssen und romantischen Gefühlen überlässt die Autorin alles andere der Phantasie des Lesers und so darf man hier keine Sexszenen erwarten. Dementsprechend ist dieser Roman auch durchaus etwas für jüngere Leser.

Mir hat „Das Erbe in den Highlands“ sehr gut gefallen, wenn ich auch diesmal ein paar Kritikpunkte anbringen möchte, die eine fünf Punkte Bewertung verhinderten.

Während ich von Kendrick völlig „begeistert“ war und er schnell zu einem meiner Lieblingshauptakteure in Romances wurde, denn er hat alles was „frau“ sich nur wünschen kann: Humor, Ehrenhaftigkeit, Stärke, Intelligenz und Sensibilität (und ein attraktives Äußeres versteht sich), fand ich die Heldin dieses Romans, Genevieve, leider zum Abgewöhnen.

Während sie zunächst Kendrick die Stirn bietet, als er sie in Angst und Schrecken versetzen will, mutiert sie leider dann mehr und mehr zu einer recht langweiligen Hauptfigur. Und auch wenn ich mich mittlerweile daran gewöhnt habe, dass amerikanische Liebesromanautorinnen gerne Heldinnen kreieren, die mit 30 noch jungfräulich sind, Genevieve schoss in dieser Beziehung leider den Vogel ab. Sie ist nicht nur jungfräulich, sondern hat auch keinerlei Ahnung wie man küsst- also bei aller Liebe… das war mir dann doch etwas zu sehr an den Haaren herbeigezogen.

Besonders arg wurde es dann, als Kendrick plötzlich, nachdem die beiden längst ineinander verliebt sind und sich nach einander verzehren, wieder zum Mensch aus Fleisch und Blut wird- statt dass beide nun übereinander herfallen, entwickelt Genevieve seltsamerweise eine übertriebene Schüchternheit und Angst vor dem ersten Mal und zieht sich völlig zurück.
Und Kendrick? Er entwickelt auch noch Verständnis für Genevieves Verhalten. An diesem Punkt war ich dann doch etwas genervt.

Des Weiteren hat sich Kendrick im Laufe der Jahrhunderte ein großes Interesse an American Football angewöhnt, was ich als Europäerin ebenfalls ziemlich unglaubwürdig fand. „Soccer“ wäre da viel nahe liegender und verständlicher gewesen. Und warum sich der deutsche Verlag Weltbild sich dazu entschieden hat einen „Highlander“ im Romantitel einzubauen, erschloss sich mir auch nicht, denn Kendrick ist ein englischer Ritter mir normannischen Wurzeln und auch seine Burg steht in England.

Abgesehen davon hatte ich jedoch viel Lesespaß, denn auch die Nebenfiguren, wie zum Beispiel der typisch englische Butler des Hauses oder auch Kendricks geisterhafte Mitstreiter sorgen für allerhand vergnügliche Romanpassagen.

Kurz gefasst: Romantische Liebesgeschichte zwischen einem sexy Geist und einer Sterblichen.