Rezensionen

Nicoles Bewertung 04 Sterne.png

Es ist so eine Sache mit Klappentexten. Auch in diesem Fall scheint der Verfasser dieses Textes den Roman scheinbar nur sporadisch, wenn überhaupt gelesen zu haben, den selbst wenn Lynn Kurland durchaus einige Geister in ihren Romanen spuken lässt, Montgomery de Piaget ist jedenfalls ein Mensch aus Fleisch und Blut und kein Geist!
Ich mag die Liebesromane dieser Autorin sehr; selbst wenn sie keine heißen Liebeszenen zu bieten haben, weil in ihren Büchern Paare aus Vorgängerbänden immer wieder einmal Erwähnung finden.
Man spürt ganz deutlich als Leser die raue Herzlichkeit zwischen den Familienmitgliedern der de Piagets, die zu den vielen positiven Aspekten gehört, die diese Bücher so besonders machen. Leider gibt es durchaus auch ein „aber“! Lynn Kurlands Art zu schreiben, bzw. ihr Einfallsreichtum ähnelt ein wenig dem der Autorin Sandra Hill. Man muss schon einen natürlichen Sinn für schräge Stories haben. Genauso wenig darf man viel Wert auf Authentizität in Sachen „Historisches Kolorit“, legen, denn diese Punkte sind hier völlig zweitrangig. Man bekommt zumeist einen schönen, romantischen Liebesroman geboten, in dem zwar leichte Para- Einflüsse mitschwingen, welche sich allerdings nur auf die Zeitreise oder harmlose geisterhafte Erscheinungen beschränken.

In Lynn Kurlands Serie sind gleich mehrere de Piaget Familienmitglieder in der Lage durch die Zeit zu reisen, was daran liegt, dass auf ihrem Land und auch in der weiteren Umgebung einige „Zeit-Tore“ existieren. Das Familienoberhaupt weiß von diesen Dingen, genauso wie auch Montgomerys Brüder, doch die Zeitreisen werden niemals öffentlich erwähnt und selbst Montgomery ahnt viele Jahre nicht, von welchen seltsamen Vorkommnissen seine Familie immer wieder heimgesucht wird, bzw. dass ein paar seiner Familienmitglieder mit Menschen die aus der Zukunft kamen, verheiratet sind.
Als eines Tages zwei Frauen mit Elfenflügeln vor ihm erscheinen, von denen er eine aus der Sickergrube befreien muss, in die sie zuvor hineingefallen war, meint er seinen Augen nicht zu trauen, denn Montgomery glaubt seit seiner Jugend nicht mehr an Übersinnliches. Und tatsächlich entpuppen sich die Flügel am Ende als Teil eines Kostüms, das die Frauen tragen.

Während Cindi eine wahre Schönheit ist, die aber seltsamerweise glaubt sie wäre die Feenkönigin und mürrisch und zeternd Montgomerys Männer in die Flucht schlägt, scheint deren Schwester Pippa aus einem ganz andern Holz geschnitzt zu sein. Sie ist von eher stiller Schönheit, doch ihr ruhiges, ausgeglichenes Wesen und ihr Humor ziehen Montgomery wie magisch an. Nach einer Weile bemerkt er jedoch, dass sich die Frauen sehr merkwürdig verhalten und auch ein seltsames Englisch sprechen; genau wie ein paar seiner durch die Zeit gereisten Verwandte und so beschließt er insgeheim schweren Herzens alles dafür zu tun, dass Pippa und Cindi wieder in ihre Zeitepoche zurückgelangen. Doch mittlerweile hat er sich bereits bis über beide Ohren ins Pippa verliebt und der jungen Frau aus dem Jahre 2010 scheint es nicht anders zu gehen. Was tun? Die Lage spitzt sich zu, als die völlig verrückte und Valium abhängige Cindi plötzlich eine Hochzeit anberaumt. Sie will Montgomery um jeden Preis heiraten und dann rebellieren auch noch ein paar von Montgomerys entfernten Cousins, die sich seine Burgruine lieber selbst einverleiben möchten...

Mehr zum Inhalt möchte ich an dieser Stelle nicht verraten. Das Heldenpaar Pippa und Montgomery ist sehr sympathisch, beide verbindet ihre Liebe zur Familie und dass sie ungern jemanden verletzen. So kann man sich als Leser zumindest auf eine schöne Liebesgeschichte zwischen diesem Paar freuen, wenn ich auch diesmal ab der Mitte des Buches bis zum Ende hin hier und da meine Probleme mit der Story hatte, bei der ich, selbst obwohl ich bereits ein paar Teile dieser Serie kenne, oftmals den Faden verlor ob der vielen Andeutungen, die andere de Piagets machten und den vielen Zeitsprüngen, die Pippa und Montgomery absolvierten.

Besonders gegen Ende des Buches wird dieser angesprochene Punkt deutlich und so kann ich nur allen Lesern, die bislang noch kein Buch der Autorin gelesen haben nur dringend davon abraten, „Mein zauberhafter Ritter“, zuerst zu lesen. Gerade die de Piaget Reihe sollte man sich in der richtigen Reihenfolge zu Gemüte führen, weil man ansonsten einfach durch die vielen Nebenfiguren und ihre persönlichen Beziehungen zueinander verwirrt wird.
Leider hat sich der Weltbild Verlag hier den sechsten Teil der bislang fünfzehnbändig umfassenden Serie herausgepickt, was vielleicht nicht unbedingt ein geschickter Schachzug war, wie ich finde. Gerade diesmal wirkt sich diese seltsame Übersetzungspolitik nachteilig aus und schreckt eventuell gar einige Leser ab, wenn sie sich auf die vielen, sich in diesem Buch tummelnden Akteure und deren Familiengeheimnisse keinen Reim machen können, denn die Autorin vermeidet es geflissentlich ihre Leser aufzuklären wie andere Paare aus den Vorgängerbänden einst zusammenkamen und umschreibt diese Ereignisse einfach, ohne dass man sich als Außenstehender einen Reim darauf machen kann.

Zwar ist es der Autorin nicht anzukreiden, das Weltbild ihre Bücher nicht in der richtigen Reihenfolge übersetzt, doch da ich diesen Knackpunkt bei vielen anderen Serien von Romanceautoren besser gelöst fand, sorgte das bei mir am Ende dennoch für einen kleinen Punktabzug. Und auch wenn ich die Abneigung der Autorin gegenüber allzu ausgeprägter Liebesbekundungen in ihren Büchern ein wenig nachvollziehen kann; so züchtig wie es in diesem Roman zugeht, hätte es dennoch meiner Meinung nicht sein brauchen. Wer Liebesromane oder allgemein Zeitreiseromane für jüngere Leser sucht, wird den angesprochenen Punkt dagegen sicherlich positiv finden, denn gerade Lynn Kurlands Bücher stellen die perfekte Lektüre für romantische Mädchen dar und zudem hat man hier auch keine mittelalterlichen Foltermethoden oder Brutalität zu fürchten. "Mein zauberhafter Ritter" ist zwar ein schöner Wohlfühlzeitreiseroman, doch am Ende hat es mich ein wenig gestört, dass viele Geschehnisse in diesem Buch; vor allem in der zweiten Hälfte des Romanes, einfach aus dem "Off" erzählt werden, so dass sie leider nur wie nacherzählt und ein wenig emotionslos vorgetragen wirken.

Kurz gefasst: Ein sympathisches Heldenpaar & eine süße Zeitreiseromance- sehr züchtig, ein wenig disneylike, aber für unkundige Leser der de Piaget Reihe auch ein wenig verwirrend!