Rezensionen

Schnees Bewertung 02 05 Sterne.png

Es ist schwer das Buch zu beurteilen. Die positiven Eigenschaften werden einfach zu stark von den negativen Seiten zur Seite gedrängt.
Doch ich beginne zunächst mit den positiven Seiten.

Ann Lawrence hat eine sehr interessante Geschichte geschaffen, weicht mit einer "nichtjungfraulichen" Heldin etwas von der Norm ab und besitzt einen ansprechenden Schreibstil.

Das Buch weist auch definitiv Spannungsmomente auf und mit der Heldin kann man sehr gut mitleiden.

Das größte Problem hatte ich mit dem Helden. Er ist doppelt so alt wie Emma und hat damit anscheinend echte Probleme. Anstatt sich ein größeres Selbstbewusstsein anzueignen, bekommt er Hirngespinste darüber wie Emma es mit jüngeren Männern treibt, und lässt seine schlechte Laune an ihr aus.

Ich habe nichts gegen dominante Helden, aber seine Geliebte als "Hure" zu bezeichnen finde ich einfach nur zum Würgen schlecht. Er ist oft unsensibel wie ein Holzklotz und denkt die meiste Zeit nur mit seinem Unterkörper.

Emma hingegen hat mir ganz gut gefallen. Ich hatte sehr viel Mitleid mit ihr. Eine Sache hat mich trotzdem sehr stark an ihr gestört. Sie glaubt an ein Eheversprechen mit einem Mann der sie nur benutzt hat und sie schwanger sitzen gelassen hat! Anstatt ihn aus tiefsten Herzen zu hassen, hat es anfangs den Eindruck sie trauere ihm immer noch hinterher und möchte am liebsten, dass er zu den heimlichen Ehegelöbnis steht.
Später wandeln sich ihre Gefühle zwar, aber der erste Eindruck bleibt eben doch länger hängen.

Ich hatte mir den nächsten Band von Ann Lawrence schon vorbestellt. Der Inhalt klingt auch nach einer ungewöhnlichen Liebesgeschichte. Allerdings habe ich meine Vorbestellung nun wieder storniert und warte auf die ersten Rezensionen bevor ich wieder einen Helden erwische den ich am liebsten den Hals umdrehen würde.

Nicoles Bewertung 03 05 Sterne.png

Giles und Emma begegnen sich das erste Mal, als sie während eines „Gerichtstages“ vom eigenen Onkel, dem Lord und obersten Richter vorgeführt wird. Ihr Vergehen- sie hat angeblich ohne ein Eheversprechen mit einem Mann geschlafen und ist nun nicht mehr an einen möglichen Heiratskandidaten zu vermitteln. Doch als Lord Gilles Emma befragt, gibt sie zu seiner Überraschung das ihr zur Last gelegte Vergehen zu; weigert sich jedoch den Namen des Mannes, der sie entehrte, zu nennen.

Zwei Jahre später: Als Lord Gilles eines Tages auf der Jagd ist, kann er in letzter Minute eine Frau und ihr Kleinkind vor wilden Wölfen retten, die im Begriff sind, sich über die Beiden herzumachen. Gilles bringt beide schließlich auf seine Burg und lässt sie dort gesund pflegen. Die gerettete Frau entpuppt sich als Emma und das Kind mit Namen Angelique, ist die Frucht ihres damaligen Fehltrittes.
Emma erzählt Gilles, dass sie vor zwei Jahren vom Onkel verstoßen wurde, seitdem im Dorf lebt und den Beruf der Weberin ausübt. Gilles ist immer noch mehr als fasziniert von ihr und erhofft sich eine Liebelei zwischen ihm und Emma. Doch er ist zu unschlüssig und traut sich nicht recht, Emma zu bitten, seine Mätresse zu werden.

Nach ihrer Genesung geht sie zusammen mit ihrer kleinen Tochter zurück ins Dorf und webt ihrem Lebensretter zum Dank einen wunderschön und aufwendig gearbeiteten Gürtel. Als sie den Gürtel zu Lord Gilles bringt, ist er sehr angetan von ihrer Arbeit und bittet sie, von nun an nur noch ausschließlich für seine Burgweberei zu arbeiten. Obwohl Emma einige berechtigte Skrupel hat; der Vater ihres Kindes lebt ebenfalls als Ritter auf Gilles Burg, willigt sie dann doch recht bald ein, denn der Winter steht vor der Tür und für eine alleinstehende Frau ist es nicht einfach, ein Kleinkind durch den harten Winter zu bringen.

Zunächst bereitet Emma ihre neue Arbeit viel Freude, doch eines Tages holt sie ihre Vergangenheit wieder ein, als der Vater ihres Kindes auf sie aufmerksam wird und versucht sie zu vergewaltigen. Emma kann zwar fliehen, ist jedoch mehr als verängstigt. Ihre Lage verschlimmert sich noch, als noch weitere Männer versuchen sie zu bedrängen. Schweren Herzens beschließt sie, der Burg und Gilles den Rücken zu kehren. Doch Gilles lässt nicht so schnell locker und bietet ihr seinen persönlichen Schutz an. Ganz uneigennützig ist sein Verhalten nicht- denn auch er würde Emma gerne als Bettgespielin für sich gewinnen. Auch Emma findet den älteren Lord sehr anziehend und männlich, doch zunächst weigert sie sich, Gilles Mätresse zu werden, weil sie ihrem damaligen Liebhaber damals eine Art Eheversprechen gab und sich seitdem als verheiratete Frau sieht.

Doch je öfter die Beiden aufeinandertreffen umso stärker wird die gegenseitige sexuelle Anziehungskraft und es kommt, wie es kommen muss- Emma wird Gilles Geliebte. Das Glück der Liebenden wird jedoch bald getrübt. Zum einen reagiert Gilles betont eifersüchtig, als er sie und den Vater ihres Kindes öfters bei Unterredungen erwischt und zum anderen gerät Emma eines Tages in Lebensgefahr, als ihr ehemaliger Geliebter erschlagen aufgefunden wird und sie als Hauptverdächtige hingerichtet werden soll. Kann sie dem Henker noch in letzter Sekunde entkommen?

Zunächst bietet dieses Buch eine etwas andere Lesekost, als gewohnt. Der Roman wartet mit einer vom Schicksal arg gebeutelten Heldin auf, die sich einst leichtfertig einem Mann hingab, der ihr die Ehe versprach, doch dieses Versprechen nie einlöste und sie schwanger und verarmt zurückließ. Von der Autorin zur Seite gestellt wurde ihr ein Romanheld, der doppelt so alt ist, wie sie und der mit seinen vierzig Jahren nicht mehr viel vom Leben erwartet.

Der Schreibstil wird für den einen oder anderen Leser etwas gewöhnungsbedürftig sein, denn er ist der Zeit, in der dieses Buch spielt, angepasst. So wirkt dieser Roman auf den ersten Blick auch eher wie ein reiner historischer Roman, als ein historischer Liebesroman. Für mich gehört der etwas andere Schreibstil jedoch eindeutig zu den Pluspunkten dieses Buches.

Leider hatte ich jedoch arge Probleme mit dem Helden dieses Romans. Auch wenn immer wieder betont wird, was für ein weiches Herz er doch hat, empfand ich ihn im Nachhinein eher als unsensiblen Klotz und er wirkte stellenweise sehr verletzend der Buchheldin gegenüber. In negativer Erinnerung geblieben ist mir da vor allem die „Eifersuchtsszene“ zwischen Gilles und Emma, als er sie nach dem Streit dazu nötigt, mit ihm zu schlafen. Und das, nachdem er ihr an den Kopf geworfen hat, sie wäre eh nichts besseres als eine Hure. Dieser Beischlaf ist schon fast eine Vergewaltigung und ich war zunächst versucht, das Buch zur Seite zu legen. Ich kann nicht nachvollziehen, wieso amerikanische Leserinnen Gilles für einen der interessantesten Helden aller Zeiten in Liebesromanen, halten. Auch wenn er nach diesem „Zwischenfall“ in sich geht und sein Verhalten bereut, wurde er mir dadurch keinen Deut sympathischer.

Was mich auch sehr an dem Buch gestört hat und sich wie ein roter Faden durch diesen Roman zog, war, dass die Heldin vor fast keinem Mann sicher war und sich ständig ihrer Haut wehren musste. Ihr Schicksal an sich berührte mich schon ein wenig, doch ich fand es sehr unlogisch und naiv, dass eine Frau aus behüteter Familie sich nur aus reiner Verliebtheit einem Mann hingibt, der ihr vorher ein rein „internes“ Eheversprechen gegeben hat. In dieser Zeit war die Jungfräulichkeit das höchste Gut der Edelfrauen und ich kann mir kaum vorstellen, dass man so leichtfertig damit umging.

Und zu guter Letzt gab es wieder einmal einige äußerst hölzern und gestelzt wirkende Liebeszenen in dem Buch, (bei denen jegliche Romantik verloren geht) die aber wohl eher der Übersetzerin zu verdanken sind, als der Autorin, vermute ich, da ich dieses Problem schon öfters bei Romanen dieser Übersetzerin hatte.

Kurz gefasst: Wenn man diese Kritikpunkte außer acht lässt, bekommt man einen historischen Liebesroman, der durch seinen ungewöhnlichen Plot aus der breiten Masse des Liebesromanmarktes heraussticht und niemals langweilt. Für Liebesromanleserinnen, die 80er Jahre Helden eher nicht mehr mögen, ist dieses Buch meiner Meinung nach jedoch nicht zu empfehlen.