Rezensionen

Nicoles Bewertung 03 05 Sterne.png

Lady Jennas Erbe, ein prachtvolles Herrenhaus nebst Ländereien und Adelstitel, würden nach ihrer Heirat dem glücklichen Ehemann gehören, doch leider weigerte sich ihr Onkel und Treuhänder der Liegenschaft ihres verstorbenen Vaters bislang, für seine Nichte eine Saison in London möglich zu machen. Doch aus Braemuir erreichen Lady Jenna eines Tages besorgniserregende Neuigkeiten. Das Land liegt fast brach und die Dörfler ersehnen verzweifelt ihre Heimkehr. Ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, als sie sich ohne Aufsicht ins Dorf stehlen will um einen neuen Lagebericht aus Braemuir zu bekommen, welcher wie immer heimlich an Lady Jennas Onkel vorbeigeschleust wurde, wird sie auf dem Weg dorthin von drei Wegelagerern überfallen. Nur dem Eingreifen eines ihr unbekannten Mannes ist es zu verdanken, dass ihr nichts geschieht. Der Mann, dem sie bei der Rettung einen Kuss gestohlen hat, entpuppt sich jedoch zu ihrem Entsetzen als neuer Verwalter bzw. Stellvertreter ihres Onkels.

Niall Gilvry, ist anders als seine übrigen Brüder eher ein Kopfmensch, als ein Kämpfer, doch wenn es darauf ankommt, hat auch er es gelernt ordentlich auszuteilen, so dass die Wegelagerer schließlich kopflos fliehen.
Da er ein entfernter Verwandter von Jennas Onkel ist, hat er die Anstellung bekommen, doch diese soll lediglich als Übergangsstation dienen, bis Jennas Onkel ihn an eine Rechtsanwaltskanzlei weiterempfiehlt.
Die Stelle bedeutet für die Gilvrys allerdings auch zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen, denn immer noch nicht ist genau bekannt, welche Rolle Jennas Onkel damals wirklich spielte, als Nialls Bruder Ian und seine jetzige Frau Serena direkt in eine Schmugglergeschichte gerieten und vor Ort soll Niall heimlich Erkundigungen diesbezüglich anstellen.

Doch Lady Jenna ist es, die ihn völlig aus dem Konzept bringt, denn sie imponiert ihm nicht nur durch ihre Selbstlosigkeit, sondern betört ihn zudem mit ihrer Schönheit. Als Jennas Onkel aber dann doch drei Bewerber um ihre Hand auftreibt und Jenna sich für einen entscheiden soll, fürchtet Niall, die Liebe seines Lebens zu verlieren, denn Jenna benötigt unter allen Umständen einen steinreichen Ehemann, der in der Lage ist Braemuir wieder zu altem Glanz zu verhelfen…

Nachdem das Familienoberhaupt der Gilvry- Familie im ersten Band der Reihe „Verführe niemals einen Highlander“ Ian, bereits die Frau fürs Leben fand, lässt die Autorin nun den etwas zurückhaltenden Niall auf Brautschau gehen. Obwohl auch der aktuelle Roman von Ann Lethbridge durch einen unterhaltsamen Schreibstil überzeugen kann, kommt „Der Kuss des Schotten“ leider meiner Meinung nach nicht ganz an den sehr schönen, ersten Teil heran, was weniger an der Story liegt.

Vielmehr sind Niall und Jenna keine einfachen Protagonisten. Jenna, auch wenn man ihr abnimmt, dass sie sich selbstlos um ihre Schutzbefohlenen in Braemuir kümmern will, blieb mir im Zuge der Geschichte leider stets ein wenig fremd, zudem konnte ich ihre Hin und Hergerissenheit Niall gegenüber, irgendwann nicht mehr akzeptieren. Obwohl sie sich bereits verlobt hat, will sie sich schließlich Niall hingeben, trotzdem hält sie weiterhin am auserwählten Verlobten fest, um Braemuir zu retten und hat ehrlich gesagt erst ziemlich spät die Erleuchtung.
Nialls Verständnis spricht zwar für seinen ritterlichen Charakter, doch hätte ein entschlossenes und rechtzeitiges „auf den Tisch hauen“ seinerseits, ein wenig mehr Würze in die Story gebracht. Überhaupt blieb mir auch Niall etwas blass von der Charakterisierung her. Man erfährt zwar anfangs von seinem Auftrag und auch was er in Zukunft gedenkt beruflich zu machen und natürlich auch von seiner Höhenangst, doch sprang der Funke zu ihm während des Lesens der Geschichte leider nicht richtig über.
Und auch das Ende lässt noch einige Handlungsfäden offen, die höchstwahrscheinlich dann im nächsten Roman der Serie gelüftet werden.

Die Liebesszenen fand ich diesmal recht schwülstig geschrieben, doch das mag ja auch alles Geschmackssache sein.

Es ist kein schlechter Historical, doch überdurchschnittlich gut leider auch nicht. Dafür sind Jenna und Niall einfach zu blasse Charaktere und auch fehlt allem ein wenig mehr Würze, Dramatik und Leidenschaft. Dennoch fand ich die Story, die rund um das Heldenpaar gestrickt wurde, wieder mal sehr interessant, wenn auch das Potential nicht vollends ausgeschöpft wurde, meiner Meinung nach.

Kurz gefasst: Netter, wenn auch leider ein recht durchschnittlicher 2. Teil der Gilvrys of Dunross Reihe.