Rezensionen

Ankes Bewertung 04 Sterne.png

Die Herzoginnenwitwe Jocelyn Fleming ist auf Betreiben ihres verstorbenen Mannes nun seit Jahren in der Welt unterwegs. Der wollte seinen Schützling und junge Ehefrau, damit vor möglichen Zugriffen seines Erben schützen. Trotzdem ereilen Jocelyn und ihr Gefolge immer wieder beinahe Unfälle, die verdächtig nach der Handschrift des neuen Duke of Eaton aussehen.

Diesmal war es ein Überfall auf ihre Kutsche auf dem Territorium von Arizona, der ihre Pferde hat durchgehen lassen, die Kutsche umstürzen und Jocelyn von ihrem Gefolge getrennt. Die unerwartete Rettung erfolgt von dem Colt Thunder, der zufällig in der Gegend ist, um seinen kleinen Halbbruder zu suchen und nach Hause zu holen.

Zwar fasziniert ihn die englische Adlige vom ersten Moment an, doch er hat als Halb-Indianer seine Lektion gelernt und will auf keinen Fall mehr etwas mit einer weißen Frau zu tun haben. Doch dabei hat er nicht mit der Sturheit der Herzogin gerechnet. Die hat sich nämlich in den Kopf gesetzt ihn, als Führer zu gewinnen – und als den, der ihr das Problem ihrer nach wie vor noch intakten Jungfernschaft und damit die Last, ihren einst so geliebten Beschützer und ihre Ehe, mit dem ehemaligen Duke of Eaton in Misskredit zu bringen.

Für mich eher untypisch, habe ich die „Wyoming Serie“ von Johanna Lindsey von hinten aufgerollt. Ich habe den letzten Teil der Trilogie zuerst gelesen, weil mich dieser vom Inhalt her am meisten angesprochen hat. Im Anschluss daran habe ich den 2. Teil gewählt einfach, weil er auf meinem SUB oben auflag.

Kein guter Start also? Nun, das würde ich nicht sagen, denn ich mag derlei Geschichten, von einer Heldin, alles daran setzt einen störrischen Helden zu erweichen, eigentlich recht gerne - auch wenn ich es nicht mochte, dass Jocelyn Colt praktisch dazu zwingen muss mit ihr das Bett zu teilen. Dennoch konnte mich über Jocelyns Eifer und Colts Chancenlosigkeit in diesen Punkt durchaus amüsieren.

Im Verlauf der Geschichte jedoch, empfand ich Colts Macho-Allüren und seine ungeminderte Ablehnung als höchst anstrengend. Sicher Colt hat seine Gründe und ich kann seine Ablehnung grundsätzlich verstehen, doch warum er am Ende dann doch seine Meinung ändert war nicht so ganz nachvollziehbar für mich. Zwar beschreibt die Autorin die (körperliche) Anziehungskraft zwischen den beiden recht gut, doch die Kehrwende von Colts Überzeugung, war einfach nicht überzeugend, fand ich.

Aber auch Jocelyns Verhalten, Denken und Fühlen konnte ich nicht immer so ganz nachvollziehen. Zudem kam sie mir, in mancherlei Hinsicht, für eine so weit gereiste junge Frau doch recht naiv vor.

Vielleicht nagt doch einfach der Zahn der Zeit an der Geschichte, oder sagen wir mal am Stil der Geschichte. Denn auch, wenn ich Johanna Lindseys Erzählkunst nach so vielen Jahren immer noch für ungebrochen halte, so sind Helden, wie Colt Thunder doch ein wenig aus der Mode geraten und heute nicht unbedingt mehr der Typus, von dem ich lesen mag.

Kurz gefasst: wenn Johanna Lindsey beschreibt, wie zwei Sturschädel aufeinander prallen, dann kann man mit einer humorvoll und temporeich erzählten Liebesgeschichte rechnen. Und doch macht sich in diesem 2. Teil der „Wyoming Serie“ für mich auch der Zahn der Zeit bemerkbar. Ein unterhaltsamer, Roman, aber auch ein wenig in die Jahre gekommen.