Rezensionen

Nicoles Bewertung 03 Sterne.png

Nach dem Tod des Stiefvaters und des Unfalls, der dafür sorgte, dass Grace Cabots Mutter unter schweren dementen Schüben leidet, möchte Grace sämtliche Register ziehen, um sich doch noch eine gute Partie zu sichern, bevor im ton herum geht, dass sie und ihre Schwestern nun nicht nur mittellos, sondern zudem auch mit einer geisteskranken Mutter geschlagen sind. Lord Amherst, ein stets zum Plaudern aufgelegter Gentleman, scheint ihr genau der Richtige dafür zu sein, doch als sie ihm eine Falle stellen will, um ihn in eine kompromittierende Situation zu bringen, tappt stattdessen der ältere Bruder Lord Amhersts, Jeffrey, der Earl of Merryton hinein. Beide werden in leidenschaftlicher Umarmung ertappt, so dass dem Earl nichts anderes übrig bleibt, als Grace zu seiner Frau zu machen.

Was die perplexe Grace jedoch nicht ahnt, ist, dass Jeffrey alles andere als einfach gestrickt ist. Eine traurige Kindheit voller Strafen, machte aus ihm einen unsicheren Mann, der fürchtet, einer Geisteskrankheit anheim gefallen zu sein. So hat er gewisse sexuelle Vorlieben und eine Zwangsstörung; nur die Zahl Acht ermöglicht es ihm, zur inneren Ruhe zurückzukehren. Zudem mag er sein Heim streng aufgeräumt und symmetrisch angeordnet.
Grace jedoch bringt von Beginn an seinen kompletten Haushalt in Aufruhr, stellt seine Einrichtungsgegenstände um und schafft sich zudem auch noch zwei tollpatschige Hundewelpen an, die von nun an, alles annagen, was nicht niet und nagelfest ist.

Weil Jeffrey fürchtet, dass Grace irgendwann hinter seine nach außen hin nüchtern und abweisend wirkende Fassade schauen könnte und auch aus Angst vor Entdeckung seiner Zwangsstörungen und speziellen sexuellen Phantasien, will er sie auf Abstand halten. Doch Grace wäre nicht Grace, wenn sie sich so schnell abweisen lassen würde…

Nach dem, wie ich fand, großartigen 1. Teil der „Cabot- Sister“ Reihe, war ich schon sehr gespannt darauf, ob die Autorin ihr Niveau auch im 2. Teil würde halten können, doch leider; obwohl es auch diesmal am Schreibstil selbst nichts zu Rütteln gibt, fand ich die Handlung einfach etwas zu speziell, für meinen persönlichen Lesegeschmack. Während Jeffrey mich mit seinen Zwangsstörungen einfach ein wenig zu sehr an den TV- Serienheld „Monk“ erinnerte (lediglich die Marotte mit dem Tuch fehlte hier) und neben seinen Problemen jedoch über lange Strecken blass blieb, konnte ich auch mit der Heldin des Romans, Grace leider nicht viel anfangen. Eine Romanheldin, die sich mit voller Absicht in eine kompromittierende Situation gibt, kaum Gewissensbisse zeigt und an andere Stelle ihre gute Erziehung predigt, puh, das war mir einfach zu haarsträubend!

Und auch die Liebesszenen zwischen Jeffrey und Grace wirkten mir viel zu gewollt. Warum nur scheinen so viele Romanceautorinnen mittlerweile der Meinung zu sein, dass alle Welt seit „50 Shades of Grey“ von Peitschen und Fesselspielchen fasziniert ist? Ich habe nichts gegen gewisse Vorlieben mancher Romanfiguren, aber wenn es schon so sein muss, dann erwarte ich doch bitte dann am Ende auch eine überzeugende Erklärung für Jeffreys Verhalten. So möchte er Grace anfangs beim Beischlaf nicht ansehen, weil er fürchtet, er könne sie durch seine ungezügelte Leidenschaft erschrecken, wendet sich daher aber lieber sofort ihrer Kehrseite zu. Ja sicher! ;-)

Dicker und unglaubwürdiger aufgetragen, ging es zu diesem Zeitpunkt nicht mehr für mich. Der Plot ist hauchdünn, funktioniert meiner Meinung nach gar nicht; wirkt eher wie lieblos zusammengeschustert. Jedoch gibt es schon Momente, wenn Grace eine Aussprache erzwingt, die mich angerührt haben und sicherlich erweckt Jeffrey Mitleid. Doch abgesehen davon, konnte mich die Liebesgeschichte zwischen den beiden nicht so sehr erreichen, wie ich es mir gewünscht hätte. 3 von 5 Punkten habe ich nur vergeben, weil Grace Familie auch hier kleine Gastauftritte hat, die ich ins Herz geschlossen habe und weil mir Julia Londons Schreibstil/ ihre Ausdrucksweise, wieder mal sehr gut gefallen haben.

Kurz gefasst: Erotischer, sehr spezieller 2. Teil der „Cabot Sisters“ Reihe, der mit einem ziemlich konstruiert wirkenden Plot aufwartet, der mich nicht überzeugen konnte. Und auch das Heldenpaar konnte mich nicht für sich einnehmen.