Rezensionen

Nicoles Bewertung 05 Sterne.png

Nachdem ihre Cousine Greer und ihre Schwester Ava glücklich verheiratet sind und somit auch sie finanziell gut versorgt ist, weigert sich Phoebe weiterhin, ihr liebstes Hobby, dass Entwerfen und Schneidern von Kleidermodellen aufzugeben. Doch dieser Trotz hat eines Tages seinen Preis. Dann nämlich, als Phoebe erkennen muss dass Mrs. Ramsey, die Besitzerin eines Ladens für Damenmode die sie im Laufe der Zeit immer wieder mit neuen Kreationen „beliefert“ hat, durchschaut hat.
Sie unterstellt Phoebe dass es sich bei der künstlerisch sehr begabten Dame die für ihren Laden Kleidung entwirft keineswegs um eine Bürgerliche handeln kann, sondern, dass Phoebe selbst die grandiose Schneiderin ist. Und weiterhin offenbart Mrs. Ramsey, Phoebe, dass sie Phoebe im „ton“ auffliegen lassen würde, sollte sie sich weigern einen Arbeitsauftrag, der Mrs.Ramsey viel Geld einbringen würde, anzunehmen.

Phoebe ist entsetzt und verärgert. Doch nachdem sie sich mit Greer und Ava beraten hat, ist nur allzu schnell klar, dass sie keine andere Möglichkeit hat, als die Erpressung von Mrs. Ramsey zu erdulden, wenn sie nicht für einen handfesten Skandal in der Gesellschaft sorgen will. Also macht sie sich einige Tage später auf nach Bedfordshire um dort passende Garderobe für die Schwestern von William Darby, Lord Summerfield anzufertigen.

Dort angekommen findet sich Phoebe mitten im Chaos wieder. Das Haus wird renoviert und die jüngeren Geschwister des Lords sind so unerträglich schlecht erzogen, dass sie Phoebe zunächst das Leben zur Hölle machen. Doch als sie auf den Lord selbst trifft, ist sie sogleich angetan von seiner attraktiven, männlichen Erscheinung. Sie gibt sie sich ihm gegenüber als einfache Bürgerliche aus und nennt sich Madame Dupree. Auch Will ist insgeheim begeistert von der hübschen, angeblichen Witwe und versucht sie binnen kürzester Zeit zu verführen, da er vermutet, dass Phoebe genau wie er selbst auch körperliche Nähe und Intimität sucht.

Aber Phoebe weist ihn zunächst in seine Schranken. Obwohl sie die verträumteste der Fairchild Frauen ist, weiß sie doch, dass eine Liaison mit Will größte Gefahren für sie bergen würde und keine Zukunft hat, da sie sich ihm ja als Bürgerliche entgegentritt.
Doch Will lässt nicht so schnell locker. Immer wieder sucht er die Nähe zu Phoebe, denn er schätzt neben ihrer Schönheit auch ihre vernünftige Art und ihre Ratschläge die sie ihm in Bezug auf seine missratenen Geschwister gibt. Will ist verzweifelt, denn er gibt sich die Schuld daran, dass seine Geschwister so „verwildert“ sind und sich schlecht benehmen.

Einst war er ein reiselustiger Mann, der die Welt sehen wollte und von seinem Vater, dem Earl auch dazu ermutigt wurde. Doch er dehnte diese Reise zu lange aus, trotz der Bitten seines Vaters, dem Earl, bis er eines Tages einen Brief erhielt, in dem ihm mitgeteilt wurde, dass sein Vater einen schweren Schlaganfall erlitt. Seinen Geschwistern fehlte in dieser Zeit eine feste Hand und das führte zu einer nachlässigen Erziehung. Obwohl Will seit seiner Rückkehr versucht, alles wieder gut zu machen, scheint es ihm doch nicht wesentlich zu gelingen. Und obwohl Phoebe die besten Vorsätze hat, gelingt es ihr doch nicht, sich von Will fernzuhalten und sie verliebt sich rettungslos in ihn und schläft auch mit ihm. Doch dann erfährt sie, dass er vorhat sich zu verloben und ihre Welt gerät aus den Fugen...

Normalerweise kann mich in punkto Liebesroman nicht mehr viel überraschen. Man hat den einen oder anderen Lieblingsautoren und wenn man sich zur Abwechslung mal auf einen Debütroman einlässt und der Schreibstil der Autorin einem nicht so zusagt, probiert man vielleicht noch das ein oder andere Buch von ihr und dann hat es sich irgendwann erledigt, falls die weiteren Bücher genauso geraten sind.

Im Falle von Julia London ist es völlig anders! Ich habe vor einiger Zeit ihren Debütroman über einen Schotten gelesen und fand ihn nur mäßig. Als Fan von Regencyromanen habe ich mich dann trotzdem dazu entschieden den ersten und zweiten Teil ihrer „Desperate Debutantes“ Reihe zu lesen und fand sie im Gegensatz zum Erstlingswerk zwar um einiges besser, aber nicht „Keeperwürdig“.

Nur um meine Neugierde zu befriedigen, also um zu erfahren wie es mit Phoebe weitergeht, habe ich mich nun auch zum Kauf des dritten Teils der Reihe entschieden und was soll ich schreiben- ich war total geplättet und positiv überrascht! Gerade Phoebe, die naivste und verträumteste von den drei Frauen, der ich am wenigsten Potential zugetraut habe, hat die schönste Story! Der Roman ist kurzweilig und unterhaltsam und ich konnte ihn nicht einmal zur Seite legen beim Lesen.

Schon von den ersten Seiten an, wird man als Leser in seinen Bann gezogen und hat zunächst vollstes Mitleid mit dem Helden des Buches Will, als er nach Hause kommt, seinen Vater todkrank, und seine Geschwister völlig verwahrlost auffindet. Trotz seines Standesdünkels, was das richtige Benehmen in der Gesellschaft angeht, was man als Leser zwar nachvollziehen kann, aber nach einiger Zeit doch ein wenig nervt, wenn er manchmal zu stur auf seinem Standpunkt beharrt, hat er das Herz am rechten Fleck und versucht alles, um für seine Familie zu sorgen.

Erschien Phoebe in den beiden Vorgängerbänden ein wenig wie ein kleines „Dummchen“ erfährt sie in ihrem Buch zwar keine hundertprozentige Kehrtwendung, jedoch versteht man nun, dass sie als Mensch mit einer künstlerischen Ader halt nur manchmal eine leicht verklärte Sicht auf die Dinge des Lebens hat und kann sie als Romanheldin durchaus akzeptieren ohne ständig mit den Augen rollen zu müssen. ;-)
Auch der Schreibstil der Autorin hat sich zu den Vorgängerbüchern um einiges verbessert und wenn ich es nicht besser wüsste, hätte ich fast geglaubt ein Buch von Gaelen Foley oder Julia Quinn in den Händen zu halten. Einen Kritikpunkt habe ich jedoch anzubringen:
Obwohl ich durchaus Verständnis für die Geschwister von Will hatte, das Benehmen von Alice war einfach „too much“ und wäre ich an Phoebes Stelle gewesen, hätte ich kaum mehr Mitleid mit ihr gehabt. (ich kann leider über die Romanstelle, die ich meine nicht mehr verraten ohne zu spoilern ;-)) )

Fazit: Ein rundum gelungener Regency! Sehr empfehlenswert!