Rezensionen

Nicoles Bewertung 04 Sterne.png

Ava, die Ältere der beiden Fairchild- Schwestern, fasst nach dem plötzlichen Tod ihrer Mutter, der sie, ihre Schwester und ihre Cousine Greer von einem Tag auf den anderen finanziell praktisch mittellos dastehen lässt ; denn ihr Stiefvater weigert sich noch länger für ihre Unkosten aufzukommen, einen verzweifelten Plan! Sie will sich den reichen und gutaussehenden Marquis of Middleton angeln um so dann, wenn sie dann verheiratet ist, für ihre Schwester und ihre Cousine sorgen zu können.

Ihr Plan scheint aufzugehen. Kaum ist das Trauerjahr vorbei, zeigt Jared, Marquis of Middleton ernstes Interesse an Ava und seine Küsse lassen ihre Knie regelrecht weich werden. So willigt Ava frohgemut ein, seine Frau zu werden, als er ihr endlich einen Antrag macht und hofft insgeheim doch auf eine Liebesheirat.

Leider stellt sich nach der Eheschließung schnell heraus, dass Jared Ava nicht aus einer romantischen Stimmung heraus gebeten hat, die Seine zu werden- er machte ihr in Wirklichkeit einen Antrag, um seinen Vater zu besänftigen, der drohte, ihn zu enterben, wenn er sich nicht endlich in den Stand der Ehe begeben würde.
Allerdings war auch nicht Ava die Wahl von Jareds Vater, als zukünftige Gemahlin seines Sohnes, was sie schneller als ihr lieb ist, zu spüren bekommt.

Zudem findet sie glühende Liebesbriefe von Jareds ehemaliger Mätresse und sie vermutet, dass diese Briefe mitsamt der Dame die sie geschrieben hat, der Grund für seine Unnahbarkeit und Förmlichkeit Ava gegenüber sind. Einzig im Ehebett zeigt Jared auch eine andere, zärtlichere Seite, die Ava hoffen lässt, dass sie ihren Mann vielleicht doch am Ende für sich gewinnen kann. Wird es ihr gelingen?

Nachdem mich der erste Teil einer anderen Reihe der Autorin nicht so sehr fesseln konnte, beschloss ich allen meinen Vorbehalten zum Trotz der Autorin noch eine Chance zu geben und ich habe meinen Entschluss auch nicht bereut. Der erste Teil der Desperate Debutantes Reihe ist eine durchaus gelungene Regencyromance. Allerdings mit einigen Einschränkungen.

Man sollte als Leser schon eher einen Hang zu leichteren, etwas moderner formulierten historischen Liebesromanen haben und nicht allzu streng damit sein, was gebräuchliche Sitten und Gepflogenheiten der englischen Regencyzeit angeht, denn die Romanfiguren agieren schon ab und an völlig untypisch für ihre Zeit in diesem Buch und manche Wörter, der Übersetzerin waren mir ein wenig zu modern und salopp für einen Regency ausgewählt.

Die Heldin, Lady Ava gehört zur englischen Oberschicht und lebte bisher wohlbehütet zusammen mit ihrer Schwester und verwaisten Cousine bei ihrer Mutter und ihrem Mann, Avas und Phoebes Stiefvater. Nach dem Tod der Mutter, die alle drei Mädchen zu selbstbewussten Frauen erzog, ihnen jedoch völlig freie Hand bei der Wahl eventueller Ehemänner ließ, stehen die Drei plötzlich vor einem Dilemma, als der Stiefvater ihnen die nötigen finanziellen Mittel streicht und sie im Stich lässt. Da Ava die Älteste ist, lässt sie sich auf eine Vernunftehe ein, obwohl sie jedoch durchaus eine romantische Liebesehe vorziehen würde und eigentlich schon von Anfang an in ihren Bräutigam verliebt ist.

Was ich an Avas Charakter sehr mochte, war, dass sie nie klein beigibt und ewig lange schmollt- sie versucht alles, um ihren Ehemann in Liebe an sich zu binden- und zwar mit List und Tücke, ohne dass es zu naiv und aufgesetzt wirkt. Gerade diese Versuche sind sehr amüsant in Szene gesetzt und haben mir sehr viel Lesespaß bereitet. Jared ist anfangs als typischer, leichtlebiger, englischer Dandy beschrieben, der sämtliche Frauen becirct und sich keinerlei Gedanken um ihre Gefühle macht.

Jedoch lässt die Autorin den Leser recht schnell hinter seine Fassade schauen und er entdeckt dort einen einsamen, verletzlichen Mann, der es hasst, dass sein Leben bestimmt sein soll, durch nie endend wollende Pflichten, die sein Vater ihm auferlegt.
Als er Ava begegnet, ist er schon von ihr angezogen, sowohl äußerlich als auch charakterlich, denn sie gibt ihm als einzige Frau Paroli; traut sich jedoch aus Angst vor Enttäuschung, tiefere Gefühle für sie zuzulassen.

Wie beide Romanfiguren schließlich zueinander finden, ist nicht wirklich innovativ und neu erzählt, manchmal stößt man beim Lesen sogar auf Textpassagen oder Begebenheiten die ziemlich klischeebehangen sind und über die man als fleißiger Liebesromanleser auch schon in etlichen anderen Romances stolperte, jedoch versteht es Julia London, mit diesem Roman zu unterhalten und das ist für mich das Wichtigste bei einem Buch. Zudem ist es humorvoll und warmherzig und auch die anderen beiden Frauen, um die es in Teil 2 und Teil 3 geht, scheinen interessante Protagonisten zu sein.

Fazit: Kein echter Keeper aber eine kurzweilige Regencyromance mit Herz.