Rezensionen

Nicoles Bewertung 04 Sterne.png

Nachdem Greer Fairchild, nach dem Tode ihrer walisischen Mutter, zusammen mit ihren beiden Cousinen Ava und Phoebe bei ihrer Tante in England aufgezogen wurde, schlägt das Schicksal wieder einmal erbarmungslos zu. Plötzlich und unerwartet verstirbt die Tante und die drei jungen Frauen, sind von einem auf den anderen Tag mittellos. Während Ava sich eine Ehemann angeln will, (ihre Geschichte erfährt man in „Herr meines Herzens“) beschließt Greer aus London abzureisen und sich in Wales nach eventuellem Besitz oder finanziellen Rücklagen ihres verstorbenen Vaters zu erkundigen.

Auf ihrer Reise nach Wales lernt sie eine ältere Witwe kennen und einen weiteren Reisebegleiter- Mr. Percy. Mr. Percy und Greer stellen nach einem Besuch bei dem Rechtsanwalt von Greers Vater fest, dass sie ein gemeinsames Reiseziel haben. Denn sowohl Greers geerbtes Vermögen, als auch Mr. Percys erhofftes Erbe, werden von ein und demselben Mann verwaltet. Dem Prinzen von Powys, Rhodrick Glendower, Earl of Radnor.

Als Greers Reisebegleitung unverhofft während der Reise stirbt, ermutigt Mr. Percy Greer, die Reise trotzdem weiterzuführen. Und so kommen sie eines Tages auf dem Besitz des Earls an. Als Greer den Earl das erste Mal sieht, ist sie eher entrüstet von seinem schroffen Benehmen, als abgestoßen von seinem Äußeren, ein Umstand, den Rhodrick äußerst faszinierend findet, denn außer seiner Ehefrau, die einst im Kindbett verstarb, ist er es seit einem Reitunfall von dem er eine Narbe im Gesicht und ein lahmes Bein davon getragen hat, gewohnt, dass Frauen in mit Abscheu betrachten.

Sehr zu Greers Verwunderung nimmt Mr.Percy es in die Hand, ihre Erbschaftsangelegenheiten anzusprechen und gibt sich zu allem Überfluss auch noch als Verlobter von Greer aus. Als Rhodrick einen Tag nach ihrer Ankunft Mr. Percy dabei ertappt, wie er Greer kompromittiert, ist sein Misstrauen geweckt und er vermutet, dass sein Verwandter Mr. Percy es entweder auf Greers Erbschaft abgesehen hat, oder zusammen mit Greer gemeinsame Sache macht , um ihn selbst zu betrügen. Und so fast er einen Entschluss. Er setzt Mr. Percy vor die Tür und bittet lediglich Greer an, so lange bei ihm auf seinem Schloss zu bleiben, bis aus London ein Nachweis erbracht wurde, dass sie tatsächlich die Person ist, die sie vorgibt zu sein. Dann erst will er ihr ihre Erbschaft aushändigen.

Greer ist zwar äußerst verärgert durch sein Misstrauen, seine Arroganz und seine sarkastischen Bemerkungen die zum Teil auf ihre Kosten gehen, doch trotzdem spürt sie gleich eine Art sexuelle Anziehungskraft zu Rhodrick. Mit ihrer offenen, fröhlichen Art gelingt es ihr nach und nach, das Herz von Rhodrick zu erobern, doch dann findet sie heraus, dass Rhodrick ein düsteres Geheimnis hat und will nicht glauben, was sie erfährt. Einige Einheimische vermuten, Rhodrick hätte einst eine Frau getötet...

„Prinz meines Herzens“ hat eine äußerst interessante Ausgangssituation, eine spannende Rahmenhandlung, auch der Held ist absolut göttlich und insgesamt gesehen hat der zweite Teil der „Desperate Debutantes“ Reihe viel Potential für einen historischen Liebesroman mit Keeper-Status. Doch leider, leider hat der Roman zwei große Schwächen:

Zum einen die fürchterlich naive, ständig plappernde Heldin, die sich als wahre Nervensäge entpuppt und irgendwie nie genau weiß, was sie will. Obwohl immer wieder erwähnt wird, wie intelligent sie doch sei, benimmt sie sich wie die dümmste Frau auf Erden und nervt mit ihrem sinnlosen Geschwätz sogar das Personal und trieb mich mit ihren seltsamen, völlig geistlosen Anwandlungen irgendwann an den Rand der Verzweifelung. Mag es anfangs auch noch witzige Szenen geben, wie zum Beispiel, als sie den Helden heimlich beim Fechten mit einem Freund beobachtet; spätestens nachdem sie loszieht, um bewaffnet mit Putzzeug in ein leerstehendes Gebäude (ihr Elternhaus) einzudringen, um dort alles auf Vordermann zu bringen und um den Romanhelden zu überraschen, (obwohl er ihr ausdrücklich verboten hat, das Haus das zu seinem Besitz gehört zu betreten) fragt man sich als Leser, was die Autorin mit dieser Szene eigentlich bezwecken wollte.

Das Problem ist nicht, dass Julia London keine interessanten Geschichten schreiben kann- sie neigt leider dazu, dem Leser immer wieder Romanheldinnen vorzusetzen, die die Intelligenz sämtlicher weiblicher Wesen auf diesem Planeten beleidigen dürften.
Besonders ärgerlich an diesem Roman ist, das ausgerechnet der Romanheld so einzigartig ist und man schon fast Mitleid mit ihm bekommen könnte, wäre er nicht auch Fiktion. ;-)

Die zweite große Schwäche sind die Dialoge des Romanpärchens zwischen den Liebeszenen und auch die Liebeszenen selbst. So schwülstig und blumig werden sich selbst in der Regencyzeit die Menschen nicht ausgedrückt haben, wie es hier der Fall ist. So wirken die Dialoge unfreiwillig komisch statt anregend und die ständige Erwähnung von „hervorquellenden Brüsten“ und „Nippeln“ nervte mich dann auch irgendwann.

Trotz der beiden Kritikpunkte möchte ich das Buch nicht mit weniger als 4 Punkten bewerten. Das liegt erstmal daran, dass das Buch insgesamt sehr unterhaltsam ist, sieht man einmal von der Heldin ab. Und der Held ist so toll- ich gestehe, dass mich selten eine männliche Romanfigur so fasziniert hat, wie Rhodrick!
Abschließend würde ich den Roman Lesern empfehlen, die leichte Romankost a la Teresa Medeiros oder Julie Garwood schätzen und ein Faible für „Tortured Heroes“ haben. Aber man sollte schon eine gewisse Schmerzunempfindlichkeit besitzen, was naive Heldinnen angeht...