Rezensionen

Nicoles Bewertung 04 Sterne.png

Es gibt Tage, da geht alles schief und genau so ein Tag ist es auch, als Alayne zunächst von ihrer Tochter erfährt, dass sie zusammen mit ihrem Freund bald in Amerika studieren wird und kurz darauf einen besorgniserregenden Anruf aus dem Krankenhaus erhält.
Ihre geliebte Großmutter Edith, zu der sie ein innigeres Verhältnis hat, als selbst zu ihrer Mutter Blanche, liegt nach einem leichten Schlaganfall im Krankenhaus.
Zu allem Überfluss werden auch die nächsten Tage nicht wirklich besser. Alayne bekommt Besuch von der Polizei- im ehemaligen Wirtshaus ihrer Großmutter wurde nach dem Abriss ein männliches Skelett gefunden und Michael, Alaynes Ehemann betrügt sie mit ihrer besten Freundin.

Als Alayne ihre Großmutter auf das gefundene Skelett anspricht, erleidet diese einen weiteren Schlaganfall und fällt ins Koma. Die Ärzte machen ihr nicht viel Hoffnung und raten dazu, schon eine Auflösung der Wohnung in Angriff zu nehmen.
Um sich abzulenken reist Alayne also nach Corwall und findet auf dem Dachboden von Edith sorgfältig verpackte Babykleidung, die schon älter zu sein scheint und kostbar wirkt. Zudem ist ein Wappen darauf eingestickt. Neugierig recherchiert Alayne. Die Recherche führt sie zur Familie der adligen Pencarrons.
Der einzige Überlebende dieser Familie jagt sie jedoch von seinem Gut und so bleibt Alayne nichts anderes übrig, als zunächst nach Hause zurückzukehren, wo ihre Großmutter glücklicherweise wieder aufgewacht hat.
Aber Edith weiß, dass ihr nicht mehr viel Zeit auf Erden bleiben wird und so erzählt sie der fassungslosen Alayne und ihrer Mutter Blanche eine unglaubliche Geschichte über eine verlorene Liebe, Krieg, Intrigen, Mord und Entführung, die die Grundfesten ihrer kleinen Familie erschüttern wird...

Es ist sehr schwer, diesen Roman einem bestimmten Genre zuzuordnen, denn es ist sowohl ein Liebesroman, als auch Familiensaga, historischer Roman sowie Contemporary, da die Geschichte über Edwina und ihren Angehörigen auf zwei Ebenen erzählt wird.

Zunächst einmal befinden wir uns in der Gegenwart und erfahren Alaynes Geschichte. Eine Story über eine desillusionierte Hausfrau und Mutter, deren Leben von einem auf den anderen Tag komplett umgekrempelt wird, als ihre Familie droht auseinander zu brechen und die mehr aus Neugierde damit beginnt, in der Vergangenheit ihrer Großmutter zu stöbern, ohne zu ahnen, was sie damit heraufbeschwört.

Die wahre Heldin dieses Buches, der auch am meisten Seitenzahlen gewidmet sind, ist allerdings Edith, Alaynes Großmutter. Die Autorin bringt dem Leser Ediths Lebensgeschichte sehr spannend und unterhaltsam von der Hauptakteurin in einer Art Nacherzählung/Rückblende geschildert, näher.
Die Erzählungen von Edith führen in die Zeit kurz vor bis Ende nach des 2.Weltkrieges- nach Cornwall und London, in eine Zeit der Entbehrung, Unsicherheit und Angst.

Während die Autorin diese Zeit sehr bildgewaltig und intensiv vor dem geistigen Auge des Lesers auferstehen lässt und auch die Romancharaktere des Erzählstranges allesamt glaubwürdig und vielschichtig wirken, empfand ich, dass den Romanfiguren der Gegenwartsebene dagegen leider weniger Aufmerksamkeit geschenkt wurde, als sie es eigentlich verdient hätten. Natürlich wird auch dieser Erzählstrang weitergeführt, jedoch wirkte er auf mich streckenweise einfach zu kurz und lieblos abgehandelt.
Gerade Alaynes Story hatte so viel Eigenpotential!
Eine gemeinsame Aussprache mit ihrem Mann und auch einige Seitenzahlen mehr, was die wachsende Zuneigung zum charismatischen Arzt Oliver Kirby angeht, hätte ich mir hier schon gewünscht.
Trotz meines Kritikpunktes hat die Autorin mit „Tochter der Schuld“ einen unterhaltsamen Roman abgeliefert, der dank des eingängigen Schreibstils der Autorin zu einem kurzweiligen Lesevergnügen wird. Ich denke mit dieser Sparte hat Ricarda Martin/Rebecca Michele ihr Genre gefunden.