Rezensionen

Wildfees Bewertung 03 05 Sterne.png

Eines vorneweg: Ich bin neuen bzw. mir unbekannten Autoren immer aufgeschlossen und mache mir nur selten die Mühe nachzuforschen, ob sich hinter den Namen nicht doch vielleicht bekannte AutorInnen verbergen. Hier habe ich den Fall, dass es wohl besser gewesen wäre, denn dann hätte ich mir eine Enttäuschung gespart.

Die Storyline selbst klingt erst mal richtig gut und im Prinzip hat das Buch formal gesehen auch alles, was einen gutes "Fantasypaket" ausmacht: Interessantes Cover, Klappbroschur mit innen aufgedruckter Karte des Fantasylandes und am Ende ein informativer Anhang, den man immer wieder zu Rate ziehen kann. Für mich als langjährige Fantasyleserin ist das generell ein Pluspunkt, zeigt es mir doch, das der/die AutorIn in die Ausarbeitung seiner/ihrer Welt einiges an Mühe und Zeit und Ideenreichtum investiert hat und die Handlung recht komplex zu sein scheint. Je mehr Charaktere und Hintergrundinfos, desto komplexer und ausgearbeiteter ist der Roman dann meiner Erfahrung nach.
Gespannt habe ich mich dann in die Seiten gestürzt, in der Hoffnung, mal wieder in eine tolle neue Welt einzutauchen.
Leider bin ich über das Schnorcheln nicht hinausgekommen.

Die Charaktere, insbesondere Laisa, sind mir einfach viel zu unpersönlich und eindimensional beschrieben, diese ganze neue Welt ist mir dazu zu farbig und plakativ dargestellt.
Man stelle sich vor, dass die Menschen in unterschiedlichen Gegenden wohnen und dementsprechend unterschiedlich gefärbt sind, also auch von Hautton und Haarfarbe her. Sie können nur bedingt Essen anderer Farben zu sich nehmen und hegen gegenüber anderen Farben als der eigenen zum Teil sehr starke Vorurteile und Antipathien. Im Grunde genommen ist es also nur eine Darstellung unserer eigenen Gesellschaftsstruktur mit den unterschiedlichen Herkünften und Hautfarben.

Diese Idee an sich gefällt mir prinzipiell gut. Gesellschaftskritische Plots in Fantasyromanen sind nichts Ungewöhnliches und gut ausgearbeitet, bereiten durchaus Lesespass.
Hier aber bewegt sich das alles nur an der Oberfläche und wird leider nicht intensiviert. Schwarz gegen Weiß, Blau gegen Grün, Violett gegen Gelb. Das ist mir zu einfach gestrickt, wenn es nur durch Farben ausgedrückt wird. Zwar ist das gut verständlich, aber alles andere als wirklich interessant.

Nicht nur, das mir die Charaktere und die Storyline letztendlich zu oberflächlich sind, nein, auch der Stil ist stellenweise enorm holprig und unangenehm zu lesen. Inhaltsmäßig bin ich schon auf den ersten 50 Seiten immer wieder über Begriffe der Welt und Handlungen der Charaktere gestolpert, die bei mir nur absolutes Kopfschütteln auslösten. Ständig werden irgendwelche "magischen Artefakte" angewendet, die letztendlich nur eine Entsprechung zu unseren technischen Geräten sind und problemlos durch gesunden Menschenverstand und Geschick hätten ersetzt werden können. Und stilmäßig bin ich sehr häufig über unnötig komplizierte Sätze und Formulierungen gestolpert, die mir den Lesespaß einfach nur genommen haben.
Das ist natürlich absolute Geschmackssache, aber so gut ausgearbeitet eine Idee auch ist, wenn die Umsetzung keine Saite bei mir zum Klingen bringt, kann ich ein Buch einfach nicht genießen.

Kurz gefasst: Stern der Göttin sollte von erfahrenen und anspruchsvollen Fantasylesern (dazu zähle ich z.B. LeserInnen von George R.R. Martin, James Barclay, David Eddings, Robin Hobb, Tad Williams uvm.) mit einem großen Bogen umrundet werden. Wer bisher nur wenig oder gar keine Fantasy gelesen hat oder ein Fantasyjugendbuch sucht, kann allerdings durchaus einen Versuch mit dem Buch wagen.
Und möglicherweise ist es auch nicht verkehrt, ein Fan der historischen Romane von Iny Lorenz zu sein. "Sandra Melli" ist wie "Iny Lorenz" ein weiteres Pseudonym des Autorenehepaares Iny Klocke und Elmar Wohlrath.