Rezensionen

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Sherrilyn Kenyon hat sich über Lena Meydans "Der Clan der Vampire" wie folgt geäußert:
"Ich bin in Lena Meydans Welt versunken und seither nicht wieder aufgetaucht - pure Magie!" (Zitat entnommen, von der Rückseite des Buches "Der Clan der Vampire")

Es ist tatsächlich so! Die Autorin ist mit diesem Buch in einen Bereich eingetreten, der fernab des gängigen Vampir-Genres ist. Um hier zu versinken, muss man sich auf die Geschichte einlassen. Ein schnelles, oberflächliches "Darüber lesen" geht absolut nicht. Lena Meydan entwickelt eine Vampirwelt, die geprägt ist von Clans. Clans, die sich nicht immer wohlgesonnen sind. Jeder Clan besitzt eine besondere Gabe und strebt nach Vollkommenheit.

Darrel, der eigentliche Held dieses Romans, gehört dem Clan der Dachanawar an. An dessen Spitze stehen ausschließlich Frauen. Diese bauen ihre Macht auch geschickt in der "Welt" der Menschen aus: als Ehefrauen, Geliebte von Geschäftsleuten und Diplomaten. Darrel selbst ist Telepath. Er kann Gefühle, teils auch Gedanken Anderer "lesen". Bei seinen "Brüdern" und "Schwestern" ist es jedoch schwerer, als bei Menschen, da Vampire um ihre Empfindungen und Gedanken Barrieren aufbauen können.

Andere Clans, z. B. die Feriantos, haben sich der Kunst, dem Schöngeistigen verschrieben und sind dementsprechend attraktiv in ihrem Äußeren. Von den anderen Clans werden sie Vampir-Bohéme genannt. Sie haben exzellente Verbindungen zum Clan der Wiestschi, die sich ihrerseits selbst als Clan der Händler bezeichnen. Sie halten die "finanzielle Macht" der diversen Clans in ihren Händen, und sind im Besitz der "Vampirbanken" etc.

Dazu gibt es noch die Wrikolakos ( können sich in Werwölfe verwandeln ), die fernab von Städten und lieber im Schoß von Mutter Natur leben. Ihre Instinkte sind ausgeprägter als bei den anderen Clans, somit entscheiden sie dementsprechend instinktiv, also ohne Ratio. Die Kadawertian, deren Clanältester Wolfger Wladislav seit Jahrzehnten verschwunden ist, ist der Clan von Christoph Kadawertian. Christoph ist ein mächtiger Nekromant und Freund von Darrel.

Die Asiman bezeichnen sich selbst gerne als Clan der Wissenden. Ihr Oberhaupt ist Schwarzmagier und beherrscht die Feuermagie. Sie sind aggressiv, auch den anderen Clans gegenüber und weigern sich, das Gesetz zu befolgen, welches die Jagd auf Menschen verbietet. Was dazu führt, dass der Rat einberufen wird, da sie wieder Übergriffe auf Menschen verübt haben. Sprich: Die Asiman haben die Leichen nicht verschwinden lassen.

Doch ein Clan, stellt alle anderen in den Schatten: Der Clan der Tchornis, oder auch Clan der Nachttöter. Miklosch Balsa, das Oberhaupt bezeichnet sich selbst gerne als Nachtritter. Sein Kredo: Menschen sind nichts weiter als Futter und der Clan der Tchornis steht nicht nur über ihnen, sondern auch über allen anderen Clans. Diplomatisches Auskommen ist mit diesem Clan so gut wie nicht möglich. Seine rechte Hand ist Johann, und für Darrel fühlt es sich an, als würde er in einem bösartigen Sumpf versinken, sobald er versucht in Johanns Gedanken zu lesen.

Natürlich gibt es noch weitere Clans, die teilweise angeblich von der Bildfläche verschwunden oder ausgestorben sind. Damit auch ihr Wissen und ihre Fähigkeiten, oder auch nicht?

Über allen Clans steht der Revenant, so etwas wie ein Richter, der Ratsversammlungen abhält um über Gesetzte, Verbote usw. mit den Clans zu sprechen. Der Revenant (frei übersetzt: Racheengel) ist mehr oder weniger durch einen Fluch entstanden. Er ist weder Mensch noch Vampir und entstammt dem königlichem Geschlecht der Korwinus. Der Revenant ist überaus mächtig und verfügt über eine Kraft, die er gleichsam über Menschen und Vampire ausüben kann.

Dies ist der Ausgangspunkt der Geschichte um Darrel und Lorraine. Der Clan Darrels, die Dachanawar, gehören zu den stärksten, wenn nicht gar dem stärksten Clan. Dank Darrels Fähigkeiten als Telepath, wissen die Dachanawar immer was die anderen Clans planen. Es gibt zwar seit Jahrhunderten einen zerbrechlichen Frieden, weil die Clans ihren Wohlstand mehr oder weniger mehr zu schätzen wissen, als ihre Feindschaft. Doch einer will mehr: Miklosch Balsa, Chef der Tchornis will für seinen Clan die "Welt". Doch zuerst muss Darrel aus dem Weg geräumt werden, um zu verhindert, dass er durch seine Gabe von Miklosch Vorhaben erfährt.

Nach Darrel sollen die Clans getötet werden, damit nur noch die Menschen übrig bleiben, also "Futter" bzw. Schafe, wie Miklosch sie nennt. In Mikloschs Augen sind die Vampire die Krönung der Schöpfung und das Ende der Nahrungskette. Hier ein Zitat aus dem Bewusstsein von Johann:"...Schmutz und Gestank, in dem sich die Gerüche fauliger Abfälle und sich zersetzender Früchte mischen ... Und an den Hausmauern türmen sich Haufen menschlicher Körper mit aufgerissenen Hälsen ..." Das ist das Paradies des Clans der Tchornis.

Nun trägt es sich zu, dass Darrel heimlich eine junge Menschenfrau beobachtet, deren Gedanken er als überaus positiv und "richtig" empfindet. Ihr Name ist Lorraine. Nachdem er sie einige Zeit beobachtet hat, spricht er sie an. Zwischen den beiden entstehen zarte Bände. Doch Lorraine ist der Schlüssel, den Miklosch braucht um Darrel zu zerstören. Lorraine macht Darrel verwundbar. Wird sie den Untergang der Clans einläuten?

Dieser paranormale Vampir- ich mag ihn fast Thriller nennen, entführt den Leser in eine Welt voll konkurrierender Clans. Lena Meydan schafft es, die Geschichte mit ihren Protagonisten sehr realistisch darzustellen. Vor allem wie die Autorin das Empfinden - der Gedanken der anderen - des Telepathen Darrel beschreibt, fand ich sehr ansprechend. "Der Clan der Vampire" hat durchaus seine romantischen Momente, auch wenn sich der ein oder andere Leser vielleicht vom Klappentext mehr verspricht. Wie anfangs bereits bemerkt, muss man sich auf die Geschichte rund um die Clans einlassen, um erfolgreich einzutauchen. Ich bin eingetaucht und gebe Sherrilyn Kenyon Recht. Von meiner Warte aus bekommt Lena Meydans Buch "Der Clan der Vampire" 5 lesenswerte Punkte.