Rezensionen

Nicoles Bewertung 04 05 Sterne.png

Als Oliver Blackthorn, genannt „Beau“ zusammen mit seinem Bruder Robin Goodfellow; kurz „Puck“ gerufen, auf seinen Geburtstag anstoßen möchte, steht plötzlich eine junge Dame vor ihm, die versucht ihm begreiflich zu machen, dass er in ihrer Schuld steht und ihr nun helfen müsse. Obwohl Oliver dem Alkohol bereits ordentlich zugesprochen hat, begreift er dennoch die Dringlichkeit ihres Anliegens und lässt sich dazu überreden, der jungen Dame Gehör zu schenken, obwohl sich ihre Wege bereits vor einigen Jahren auf unrühmliche Art und Weise kreuzten, als Oliver ihrer kaltherzigen Schwester Madelyn einen Heiratsantrag machte, den diese nicht nur kategorisch ablehnte; nein mehr noch, der Oliver Peitschenhiebe; ausgeführt durch Madelyns gewalttätigen Bruder einbrachte.

Chelsea, die jüngere Schwester Madelyns, wäre also genau die passende Waffe für Olivers Rache, doch lediglich Chelseas Verzweiflung bringt ihn am Ende dazu, Chelseas Bitte zusammen mit ihr nach Gretna Green durchzubrennen, nachzugeben, da Chelsea gegen ihren Willen mit einem skrupellosen und frauenverachtenden Pfarrer verheiratet werden soll.
Auch der abenteuerlustige Puck will Chelsea zur Seite stehen, da er ihre schlagfertige Art einfach erfrischend findet. Doch Chelseas Bruder, mitsamt Schwester und Ehegatten in spe sind ihnen bereits dicht auf den Fersen und so kommt es zu einem Kopf an Kopf Rennen gen Schottland, die nur die clevere der beiden Parteien gewinnen kann.
Werden Chelsea und Oliver Chelseas Familie abhängen können und kann aus einer geplanten Vernunftehe eine Liebesbeziehung werden?

Der Bastard und die Lady“ ist der erste Teil einer neuen Serie über drei Brüder, deren Vater ein Earl ist, der deren Mutter, eine Schauspielerin, trotz gemeinsamer Kinder niemals heiratete. (Eine Ehe kam auf Wunsch der Mutter nie zustande)
Oliver, Robin und Jack, tragen allesamt Beinamen, die an Shakespeares Werke erinnern sollen und die ihnen von ihrer schauspielverrückten Mutter gegeben wurden.

Obwohl alle drei Brüder mit einem trockenen, herrlichen Humor gesegnet sind und ihren Platz im Leben gefunden haben, kann man zwischen den Zeilen stets lesen, wie sehr das egoistische Verhalten ihrer Mutter (die den Earl, ihren Vater zugunsten ihrer Schauspielkarriere, aufgab) sie verletzt hat. Besonders Oliver hatte in der Gesellschaft darunter zu leiden, weil er nie wirklich dazu gehörte und Madelyns schroffe Zurückweisung ihm einst den Dolchstoß versetzte. In dem Moment, als Chelsea in sein Leben tritt, hat er eigentlich mit dem Thema bereits abgeschlossen und keine weiteren Rachepläne (außer Chelseas Bruder in den finanziellen Ruin zu treiben) mehr im Sinn.

Chelseas burschikoses Auftreten nimmt ihn jedoch von Anfang an gefangen und als „netter Kerl“ kann er einer Dame auch keinen Wunsch abschlagen. Bis beide sich jedoch ineinander verlieben, darf man vielen, sehr amüsanten Wortgeplänkeln folgen, die beide auf ihrer Flucht miteinander führen.

Während Chelsea eine typische Kasey Michaels Heldin ist (ein wenig naiv, jungfräulich und trotzdem aufmüpfig), die meine Nerven hier und da ein wenig strapazierte, fand ich die Blackthorn Brüder alle durch die Bank sympathisch und interessant beschrieben. Und noch eine gute Nachricht gibt es zu vermelden: Kasey Michaels hat mit ihrem ersten Teil der Blackthorn-Brüder endlich wieder zu ihrer alten Schreibform zurückgefunden, was mich sehr freut, da ich bereits viele Jahre ein Fan ihrer Historicals bin. Die Autorin besitzt einen unvergleichlichen Humor, der einen Großteil ihrer Bücher auszeichnet und der hier, nach einigen eher mäßigen Romances, endlich wieder sehr zum Tragen kommt.

Die Story mag zwar nicht unbedingt mit Spannungselementen oder einem ausgeklügelten Plot daher kommen; doch Kasey Michaels Humor und die besonders enge Beziehung der drei Brüder zueinander (auch wenn sie sich stets nur necken und schwer damit tun, ihre Zuneigung füreinander einzugestehen) sorgen für eine schöne Wohlfühlatmosphäre beim Lesen.

Wer leichte und amüsante Historicals zu schätzen weiß, sollte diesem Roman unbedingt eine Chance geben, auch wenn Chelsea nicht unbedingt eine Heldin ist, die man für ihre Intelligenz schätzen lernt. Aber sie trägt ihr Herz auf dem rechten Fleck und so konnte ich über ihre Naivität und ihre zum Teil etwas nervige Ader großzügig hinweg sehen.
Ein kleines Manko gibt es jedoch: So manches Mal wurde mein Lesevergnügen etwas getrübt, weil ich auf sehr moderne Ausdrücke stieß; ob das an der Übersetzung lag oder bereits im Original so war, kann ich jedoch leider nicht sagen. Und die ständige Wiederholung des Wörtchens „Genial“ hat mich nach einer Weile ebenfalls etwas genervt.

Kurz gefasst: Fröhlicher und beschwingter erster Teil der „Blackthorn-Reihe“, der unterhält und mit viel Witz aufwartet.