Rezensionen

Nicoles Bewertung 05 Sterne.png

Lady Tess Vater, der Marquis de Fontaine, ist spurlos verschwunden und er lässt seine Tochter Tess und deren unehelichen Sohn schutzlos zurück. Tess ist verzweifelt, hofft, wider besseren Wissens immer noch, dass ihr Vater sie niemals grundlos verlassen hätte und Gefühle für sie und seinen Enkel hegt, doch als ausgerechnet Tess große und einzige Liebe und der Vater ihres Sohnes, Don John Blackthorn; genannt Jack, vor ihr steht, schwant ihr bereits Übles. Jack wurde von der Regierung ausgesandt, um den Marquis dingfest zu machen und ihn wenn möglich, für immer auszuschalten. Einst war Jack ein gelehriger Schüler des Marquis, der ihm Fähigkeiten beibrachte, wie logisches Denken, Kampf- und Überlebenstraining. Doch seitdem sind viele Jahre ins Land gezogen und Jack hasst den Marquis, weil dieser einst Tess Bruder, den feinsinnigen Renee für seine Zwecke benutze und Renee dabei bei einer gefährlichen Mission vom geheimnisvollen und skrupellosen Schurken mit dem Decknamen, „Der Suchende“, getötet wurde.

Außerdem glaubte Tess ihrem Vater und seinen Lügen damals blind und schickte Jack fort. Doch seine Liebe zu Tess hat Jack niemals ganz verdrängen können. Erneut müssen Tess und Jack zusammenarbeiten, um den kühlen Denker, den Marquis zu überführen, doch dieser hat geschickte Fallen ausgelegt und es bedarf einiger Anstrengungen sämtliche seiner Winkelzüge durchschauen zu können. Um erfolgreich zu sein, müssen sich Tess und Jack aber nun endlich vertrauen lernen und ihr Kriegsbeil begraben. Wird ihnen das gelingen?

Der abschließende Band um die Blackthorn Brüder, erzählt nun die Geschichte, des wohl umtriebigsten und geheimnisvollsten Bruders der Familie, Jack, der, schenkt man den Worten seiner Mutter, der Sohn eines Straßenräubers sei. Jack hat von seinen Geschwistern die größten Skrupel, von dem Mann, der ihn wie einen wahren Sohn aufzog, etwas anzunehmen. Sei es Geld oder aber auch Landbesitz. Jack ist verbittert ob der Situation in die seine leichtfertige Mutter ihn und seine Brüder gebracht hat und meidet, seitdem sie ihm einst nahe legte, die Freundlichkeit seines Ziehvaters nicht länger auszunutzen, den Wohnsitz seiner Familie ganz. Und das, obwohl sein Ziehvater ihn und seine Brüder bereits vor einiger Zeit zu einem klärenden Gespräch bat. Ablenkung und Anerkennung hat Jack dagegen in seinem Beruf erreicht. Er gehört zu den „Aufräumern“ im Dienste Lord Liverpools, oft in geheimen Missionen unterwegs. Als er nun auf seinen ehemaligen Mentor angesetzt wird, gerät er in einem Interessenskonflikt, denn er weiß genau, dass Tess, die er immer noch liebt, untröstlich wäre, wenn ihrem Vater etwas geschehen würde. Er hat nun die undankbare Aufgabe, ihr die Augen, ob der Taten ihres Vaters zu öffnen, was ihm nicht leicht fällt.

Jacks und Tess Charaktere sind äußerst vielschichtig angelegt und weisen Tiefgang auf. Beide sind in Sachen familiäre Bindungen „gebrannte Kinder“ und doch haben sie ihre Gefühle füreinander nie vergessen können. Was mir besonders gut gefallen hat, war, dass die Autorin es geschafft hat, dem Leser plausibel darlegen zu können, dass Tess und Jack zwar in erster Linie Denker sind, aber dennoch, trotz aller Rationalität, auch Gefühlsmenschen sind, die sich eigentlich nur das wünschen, was sie bislang von sich geschoben haben, aus Angst vor Enttäuschung- eine Familie und Liebe.
Bislang hatte ich bei der „Blackthorn“ Reihe das Problem, dass ich nur entweder den jeweiligen Helden oder die Heldin in mein Herz schließen konnte, doch diesmal ist das anders. Tess und Jack sind sich nicht nur ebenbürtig sondern konnten auch gleich von Anfang an meine Sympathien wecken.

Es erwartet den Leser eine spannende und manches Mal auch recht undurchsichtige, knifflige Verfolgungsjagd, denn der Marquis legt, wie es eigentlich nur ein Sherlock Holmes vermag, viele Fallen und Finten und das Heldenpaar muss sich sehr konzentriert daran begeben, den Marquis dingfest zu machen, um seine zahlreichen Geheimnisse lüften zu können. Das verlangt aber auch dem Leser Aufmerksamkeit ab, damit man beim Lesen nicht den Faden verliert. Und trotz der Verfolgungsjagd, an deren Ende auch Jacks Schicksal enthüllt wird, hat die Autorin noch eine süße, sehr romantische und ans Herz gehende Liebesgeschichte geschaffen, die mich restlos begeistert hat. Aufgelockert wird die Story durch zahlreiche Dialoge zwischen Puck und Jack, die mir ein breites Grinsen entlockt haben. Und selbst die übrigen Protagonisten der beiden Vorgängerbände, haben hier wieder einen Auftritt im Buch.
Die Übersetzung empfand ich ebenfalls als sehr gelungen, wenn ich mir jedoch gewünscht hätte, dass die Übersetzerin sich statt für den mehrfach vorkommenden Ausdruck „Blödmann“, lieber für das passendere Wörtchen „Dummkopf“ entschieden hätte, was vielleicht etwas zeitgemäßer und nicht so hart gewirkt hätte.
Ansonsten gibt es von meiner Seite nichts zu kritisieren, sondern nur zu loben.

Kurz gefasst: Für mich einer der besten Kasey Michaels Romane, die ich je las, obwohl mich der Schreibstil der Autorin wieder einmal sehr überrascht hat. Hatte ich die Romane der Autorin seit Jahren eher in die Gedankenschublade „sehr leichte, vergnügliche Unterhaltung mit viel Humor“ gesteckt, verblüffte sich mich diesmal mit solch tiefschürfenden Charakteren und einer packenden Story, die ich so gar nicht erwartet hatte, die mich aber restlos begeistert hat.