Rezensionen

Nicoles Bewertung 04 05 Sterne.png

Lady Nicole Daughtry, Schwester von Rafe Daughtry dessen Gesichte im Vorgängerband „Wie verführt man einen Herzog“ erzählt wird, freut sich bereits sehr auf ihre erste Saison in London, denn im Gegensatz zu ihrer gesitteten Schwester Lydia ist sie ein wahrer Wirbelwind. Eines Tages lernt sie Lucas Paine, Marquess of Basingstoke kennen, einen Freund ihres Bruders und ist zu ihrem Verdruss schnell fasziniert von ihm, denn sie hat sich seit frühester Jugend vorgenommen, sich nie ernsthaft zu verlieben oder gar zu heiraten. Zu sehr hat sie das Verhalten ihrer leichtfertigen, skandalösen Mutter geprägt und geht dieser auch heute am liebsten aus dem Weg.

Als Lucas Nicole jedoch den Vorschlag einer Scheinfreundschaft macht, kann die lebenslustige Nicole seine Bitte einfach nicht abschlagen- zu sehr reizt sie das Abenteuer denn sie ahnt sogleich, dass Lucas einen bestimmten Grund für sein Verhalten hat. Und so ist es tatsächlich. Lucas, dessen Vater sich vor Jahren umbrachte, hat ein anonymes Schreiben zugestellt bekommen. Darin steht geschrieben, dass sein Vater keinesfalls ein Landesverräter war, wie immer wieder gemunkelt wurde. Hilft Lucas dem Unbekannten dabei einen Aufruhr der englischen Bürgerlichen zu schüren, will dieser ihm im Gegenzug verraten, wer wirklich die Schuld daran trägt, dass Lucas Vater einst in Ungnade fiel. Doch kann Lucas sein Ziel verfolgen, wenn ihm Nicole nicht mehr aus dem Kopf geht und zudem dazu entschlossen ist, ihm zu helfen?

Vorweg möchte ich anmerken, dass ich zunächst einmal froh war, dass sich der CORA Verlag der deutschen Übersetzung einiger Kasey Michaels Romane angenommen hat, denn ich mag die Historicals der Autorin sehr gerne, weil sie normalerweise viel Humor versprühen. Auch bin ich froh, dass zumindest CORA den historischen Liebesromanen weiterhin die Treue hält.

Doch kurz nachdem ich den zweiten Teil der „Daughtry“ Reihe begonnen hatte zu lesen, stellte sich zunächst Verwunderung und schnell danach Verärgerung bei mir ein. Grund dafür war nicht der Roman als solcher, sondern die in meinen Augen sehr schlechte Übersetzung/Bearbeitung des Romans, der der Autorin keinesfalls gerecht wird. Auf den ersten 100 Seiten lösen sich Rechtschreibfehler, Tempusfehler, seltsam klingende Sätze die sich manchmal so lesen, als seien sie einfach von einem Übersetzungsprogramm übersetzt worden, ab mit zu modern klingenden Ausdrücken oder auch diversen Wortwiederholungen, die es mir sehr schwer gemacht haben, überhaupt weiter zu lesen. So scheint ein Lieblingswort der Bearbeiterin/Übersetzerin „nachgerade“ zu sein, das immer mal wieder eingeworfen wird und insgesamt klingen die Dialoge der Haupt und Nebenfiguren leider oftmals zu steif oder leblos. Normalerweise finde ich die Übersetzungen der Historical Reihen (bis auf wenige Bände) immer sehr gelungen; doch gerade bei Kasey Michaels ist auffällig, dass nun auch schon der zweite Teil der Daughtry Reihe so mäßig übersetzt wurde. Aber ab den erwähnten ersten 100 Seiten ist die Übersetzung plötzlich wieder völlig in Ordnung, auch was Ausdruck und alle anderen Kritikpunkte angeht, was mich ehrlich noch mehr wunderte.

Doch nun zum Roman selbst. „Walzer, Küsse und Intrigen“ ist sicherlich nicht Kasey Michaels bester Roman, was viel an der Heldin liegt. Die Autorin lieferte die Erklärungen für Nicoles verzogenes, egoistisches Verhalten einfach für meinen Geschmack ein wenig spät ab, doch ab diesem Zeitpunkt nimmt der Storyverlauf an Fahrt auf und auch Lucas gewinnt ein wenig mehr an charakterlicher Tiefe. Ich fand die Rahmenhandlung an sich recht interessant, doch ein wenig schade war es dann doch, dass die Autorin ihre Leser über den Selbstmord von Lucas Vater bzw. warum dieser wirklich geschah, im Unklaren lässt.

Was mir jedoch sehr gut gefallen hat, war, dass Nicole im Laufe der Geschichte dazulernt und vor allem ihre Fehler bereut. Die Hauptfiguren des ersten Romans sind genauso wieder mit von der Partie wie auch die trauernde Lydia und ihr neuer Verehrer. Die Liebesgeschichte zwischen beiden ist ganz nett, doch im Grunde ist es über lange Strecken nur körperliche Anziehungskraft die beide füreinander empfinden. Ich vergebe für den zweiten Teil der „Daughtry“ Serie 3.5 Punkte, wobei ich die Übersetzung völlig ausklammere.

Kurz gefasst: Nette, wenn auch nicht überragende Story, die Übersetzung schmälert das Lesevergnügen jedoch gewaltig.