Rezensionen

Ankes Bewertung 04 05 Sterne.png

Sie ist zu laut, zu direkt und zu schrill. Sie ist alle das, was Mr. Oliver Marshall heimlich bewundert, aber nicht in die von ihm geplante Zukunft passt. Und sie kann seine politische Karriere voranbringen. Dazu müsste er sie jedoch, wenn er der Aufforderung des Marquess Brandenton nachkommt und dafür dessen Stimme gewinnt, vor der Gesellschaft bloßstellen.

Miss Jane Victoria Fairfield ist zu laut, zu direkt und zu schrill. Und weil sie auch eine reiche, eine sehr reiche Erbin ist, der es gelegen kommt, keinen Bewerber, um ihre Hand abwimmeln zu müssen, treibt ihre Eigenheit auf die Spitze. So haben vielleicht nicht alle ihre spitze Zunge verdient, ausgenommen der widerliche Marquess Brandenton natürlich, doch das ist nun mal ihr Naturell.

Doch mit ihren Auftritten ehrliche Freundschaften zu finden, ist nicht einfach. Und gerade als sie glaubt, es könnte ihr mit Oliver doch möglich sein, rät er ihr, sich lieber von ihm fernzuhalten, weil nicht ausgeschlossen ist, dass er sie, um seiner Karriere willen verrät.

Ich habe die Romane Courtney Milan erst vor kurzem für mich wiederentdeckt, nachdem ich sie jahrelang unbeachtet gelassen habe. Für mich ist „Die Erbin und ihr geliebter Verräter“ der bereits vierte Teil der „The Brothers Sinister“-Serie, davon zwei Kurzromane und zwei Romane, womit dies technisch gesehen, der 2. Teil der Serie ist, die ich mich vorgenommen habe zu lesen.

Ich habe lange überlegt, wie ich diesen Teil einschätzen soll, habe mich dann jedoch aus dem Bauch heraus dafür entschieden ihm nicht die volle Punktezahl zu geben. Es fällt mir jedoch schwer, diese Entscheidung konkret zu begründen.

Denn, die Autorin hat mir auch in „Die Erbin und ihr geliebter Verräter“ alles geboten, was ich an ihre Geschichten so mag. Sie schafft Ausgangssituationen, die so verfahren wirkt, dass man sich einfach nicht vorstellen kann, wie die Autorin sie lösen will. Ihr Kniff dabei, am Ende muss eine Kompromissbereitschaft von allen Beteiligten gefunden werden. Und das gefällt mir sehr gut. Hinzu kommt der eigenwillige, irgendwie poetisch-verschnörkelte Erzählstil der Autorin, der mir so gut gefällt und der auch in der Übersetzung - dank der hervorragenden Arbeit von Ute-Christine Geiler - wunderschön zur Geltung kommt.

Vielleicht lag es daran, dass ich als Leser, erst auf den letzten Seiten und zusammen mit der Protagonistin Jane erfahren durfte, wo die Erklärung für Olivers Entwicklung als ein auf Zurückhaltung und Anpassung getrimmter Mensch liegt und im Grunde nicht seinem Charakter entspricht. Ich könnte mir vorstellen, dass mir diese Erklärung zu einem früheren Zeitpunkt, vielleicht den Ticken mehr an Verständnis für seine Figur hätte bringen können, der diesen kleinen Punkteabzug für mich hinfällig gemacht hätte. So oder so gejammert wird von mir hier auf sehr hohem Niveau.

Was mir an der Serie und damit auch an diesem Teil ebenso gut gefällt, ist die Tatsache, dass die Autorin alle Mitglieder der kleinen Gruppe um „The Brothers Sinister“ (die zwei Halbbrüder, ihren Cousin und die gemeinsame Freundin aus Kindertagen), in der Übersetzung, die „Linkem Brüder“ (weil alle Linkshänder sind) immer wieder miteinbezieht. Sie stellt dabei die Hauptakteure immer in den Mittelpunkt, schafft es dabei jedoch zu jedem Zeitpunkt, das Interesse des Lesers, an den anderen Figuren der Serie, wach zu halten.

Kurzgefasst: Liebesromanunterhaltung, so wie ich mir sie wünsche, in der lebendige Charaktere einen großen Auftritt haben und ihre Entwicklung nachvollziehbar und mit der nötigen Tiefe erläutert werden. Was mich betrifft, darf es dann auch schon mal ein wenig schrill, wie Janes Kleider sein und übermütig, wie ihre immer neuen Pläne.