Rezensionen

Chris' Bewertung 05 Sterne.png

Lydia Charingford ist eine entzückende junge Dame, die mit ihrem Lächeln immer Fröhlichkeit verbreitet. Doch sie verbirgt schon viele Jahre ein Geheimnis, von dem nur ihre Eltern und der Arzt Dr. Jonas Grantham wissen. Zwar hat ihr Geheimnis die Zeit überdauert und ihr keinen weiteren gesellschaftlichen Schaden zugefügt, doch im Umgang mit dem extrem direkten Arzt, wird es zusehends zum Problem für Lydia.

Außerdem erkennt Jonas Lydia auch erst mal nicht als eine frühere Patientin, während sich Lydia hingegen ganz genau an den distanzierten und herablassenden Arzt von damals erinnert. Jonas ist fasziniert von der hübschen Lydia, doch die lässt ihn monatelang links liegen und zeigt keine Anzeichen, dass sie diese Bekanntschaft vertiefen möchte.

Vor Weihnachten jedoch, lässt sie sich dann auf eine Wette ein um Jonas endlich loszuwerden. Doch während dieser Wette lernt sie ihn besser kennen und auch Jonas erkennt seine Fehler und Lydia so wie sie wirklich ist. Außerdem stachelt Jonas ihre Neugierde an. Denn der junge Arzt ist sehr aufgeschlossen und um seine Mitmenschen bemüht. Doch seine Ansichten sind nicht nur revolutionär, sondern auch gewagt und skandalös.

Lydia und Jonas kennt man schon auf dem vorherigen Teil der Reihe, doch blieben sie dabei nur schmückendes Beiwerk. In ihrer eigenen Geschichte bekommen sie jedoch Konturen und eine durchaus schmerzliche Vergangenheit auf den Leib geschrieben. Vor allem Lydia leidet noch immer unter ihrem Fehltritt, der sie sehr nahe an den Abgrund des gesellschaftlichen Lebens gebracht hat. Vor allem Jonas gegenüber, hat sich große Hemmungen und auch Vorbehalte.

Allerdings ist Jonas nicht der Bösewicht, für den Lydia ihn hält. Ganz im Gegenteil. Geduldig, wenn auch manchmal ein wenig unorthodox, umwirbt er die spröde Schöne, die er zunächst für das elfthübscheste Mädchen auf seiner Liste hält.

Mir hat das Buch sehr gut gefallen, das wie immer sehr flüssig geschrieben ist und den Leser nicht mit Längen langweilt. Lydia, wie auch Jonas sind sehr angenehme Protagonisten, die eben ihre Sicht auf die Welt und die Dinge haben. Das kann man ihnen auch zugestehen, da sie ja durchaus lernfähig sind und auch von ihren anfänglichen Positionen durchaus Abstand nehmen.

Ob Ärzte in dieser Gesellschaftsschicht nun wirklich schon so freizügig mit ihrem Wissen bei jungen Damen um sich geworfen haben, bleibt dahingestellt. Und auch, ob wirklich alle Eltern so großherzig und liebevoll wie die von Lydia waren, ist wohl auch eher unwahrscheinlich. Aber wer einen romantischen, historischen Liebesroman lesen möchte, will sich auch nicht immer mit den nackten, oft wenig romantischen Tatsachen, herumschlagen.

Kurz gefasst: Aufklärung im Viktorianischen Zeitalter!

Ankes Bewertung 05 Sterne.png

Zuerst war Miss Lydia Charingford lediglich die elftschönste Frau auf der Heiratsliste des Arztes Dr. Jonas Grantham, dann jedoch wurde sie die gesamte Liste. Und das, obwohl sie sich zwischenzeitlich verlobte, dann aber auch wieder entlobt hat, wo mit Jonas Chance wieder steigen konnten.

Doch dann wird ihm klar, dass er Lydia bereits kennt. Es hatte sich begeben, dass er vor seinem Studium als zum Schweigen verpflichteter Begleitung des Arztes, dessen Praxis er einmal übernehmen sollte, einer Behandlung der damals schwangeren unverheirateten jungen Frau und ihren Eltern beigewohnt hat. Eine Behandlung und Empfehlung, die ihm schon als junger Student die Haare hat zu Berge stehen lassen.

Anders als Jonas hat Lydia sein Gesicht jedoch nie vergessen können. Er steht für sie im Zusammenhang mit der schrecklichen Weihnacht, als sie eine Fehlgeburt erlitten hat und fast daran gestorben war. Doch obwohl er genau weiß, welches Schicksal sie erlebt hat, wie sie verführt und weggeworfen wurde, scheint er überall dort aufzutauchen, wo sie gerade ist.

Mehr noch, er fordert ihre fröhliche Aura, die sich für sich manifestiert hat, um nicht an all das Unglück denken zu müssen, mit einer Wette heraus. Lydia soll Jonas bei seinen Hausbesuchen begleiten und ihr erklären, was sie dabei Fröhliches finden kann. Hinter all dem erhofft sich Jonas jedoch vor allem, dass Lydia endlich ihn kennen und vielleicht ebenfalls lieben lernt.

Was für ein wunderschöner Kurzroman! Die sperrige Lydia und ihre so hervorragend beschriebene Charakterentwicklung, die Figur des Arztes Jonas, dessen Charakter sich im Autismus-Spektrum bewegt und der mit seinem Arzt-Witz nicht nur Lydia zum Schmunzeln gebracht hat, sondern auch mich und die geradlinig erzählte Geschichte, die Tiefe hat und Komplexität, aber trotzdem so entspannt erzählt wird. Und weil die Geschichte keinen Raum für zu viele miteinander verwobene Verstrickungen gelassen hat, wie mir das beim 1.Teil der „The Brothers Sinister“-Serie, „Der Herzog und seine geliebte Feindin“, fast schon ein wenig störend auffiel (obwohl genau das für mich in der Novelle „Die Gouvernante und ihr geliebtes Ungeheuer“ funktioniert hat), hat mir „Zärtlicher Winter“ noch besser als der 1. Teil der Serie gefallen.

Kurzgefasst: wer die „The Brothers Sinister“-Serie liest, sollte sich diese Novella nicht entgehen lassen. Da sie technisch ein Prequel zur Serie ist, kann ich die Novella auch als Stand alone zu gelesen empfehlen.