Rezensionen

Kathis Bewertung 04 05 Sterne.png

Für mich war der World Fantasy Award-Gewinner Martin Millar gänzlich unbekannt, bevor ich seinen neuesten Roman „Kalix. Werwölfin von London“ in die Hände bekam. Auf dem Cover wird er durch das i-D Magazine alsder Meister der Urban Fantasy“ gerühmt. Das machte die ganze Sache für mich noch interessanter – schließlich habe ich eine Schwäche für Fantasy und in letzter Zeit bin ich besonders vernarrt in Urban-Fantasy.

Die ersten Seiten zogen sich zäh wie Kaugummi. Viele Erklärungen wiederholten sich einfach zu oft. Auch störte mich am Anfang die sachliche, objektive Schilderung der Ereignisse und besonders der Gefühle. Millar trat als außenstehender Beobachter auf, der keine emotionale Bindung zu seinen Charakteren zu haben schien. Anfangs wirkte dieser Stil auf mich kalt und gefühllos. Das änderte sich jedoch mit der Zeit. Schnell gewöhnte ich mich an diesen Schreibstil und konnte mich schon bald nicht mehr von den Seiten lösen.

Besonders vorteilhaft sind die kurzen Kapitel, durch die der Leser über alle Charaktere fast lückenlos auf dem Laufenden gehalten wird. Auch die Story überrascht immer wieder. Viele Ereignisse sind absolut nicht vorhersehbar und dennoch im Nachhinein klar nachzuvollziehen. Spannung zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Geschichte. Ob es einen Höhepunkt gibt? Ich denke, jeder Leser kann sich da individuell festlegen. Ich persönlich habe viele Spannungsspitzen durchlebt. Der fein gestreute Humor gibt der Story eine besondere Note und lässt die magischen Wesen (fast) menschlich erscheinen.

Der Roman zeigt, dass sich Menschen (in diesem Falle auch Werwölfe, Feuergeister und weitere magische Wesen) nicht in die Kisten „Gut“ und „Böse“ sperren lassen.
Die junge Wölfin Kalix wird geächtet – sie ist für den Tod des alten Werwolf-Fürsten, ihres Vaters verantwortlich. Ihre beiden Brüder Serapen und Markus stehen sich im Kampf um die Thronfolge gegenüber und verfolgen sie. Kalix ist aber nicht durch und durch schlecht – auch ihre Brüder sind das nicht. Thrix, ihre ältere Schwester, ist ebenso wenig die „perfekte Werwölfin“. Sie hat sich von ihrem Clan distanziert und arbeitet nun als Modedesignerin in London. Ihre Cousine Dominil ist kalt und arrogant. Sie wohnt zwar noch in der Werwolfburg, gehört aber nicht zur angesehenen Gesellschaft der Bewohner. Dann sind da noch die „Schwestern, von denen die Familie nicht spricht“, Butix und Delix oder Beauty und Delicous, wie sie sich nennen. In Camden (London) vegetieren sie unter Drogen- und Alkoholeinfluss vor sich hin.
Außenseiter, wohin das Auge blickt. Dann ist da noch die Feuerkönigin Malveria. Auch sie spielt eine wichtige Rolle. Eigentlich mit den McRinnalch-Werwölfen verfeindet, ist sie doch mit Thrix befreundet. Keine Angst: Menschen kommen auch auf ihre Kosten.

„Kalix. Werwölfin von London“ zeichnet sich durch die Einbindung der „Nichtperfekten“, „Nichtgewollten“ und „Selbstkritiker“ aus. Viele emotionale Bindungen werden geschildert und die positiven Veränderungen besonders betont. Der objektive Schreibstil schließt subjektive Äußerungeb des Autors im Subtext schließlich nicht aus! ;)

Fazit: Ein großartiges Urban-Fantasy-Werk! Millar hat mich überzeugt – ich kann das Prädikat „Meister der Urban Fantasy“ nur bestätigen. Zwar muss sich der Leser erst an den sachlichen Schreistil gewöhnen und am Anfang einige Erklärungen mehrfach ertragen, aber dann kann er sich einfach fallen lassen und die Spannung sowie den Humor der Story genießen.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von www.cultural-noise.de.