Rezensionen

Nicoles Bewertung 03 Sterne.png

Nachdem die deutsche Archäologin Sarah den charismatischen Briten Russell kennen und lieben lernte, war es ihr größter Traum, zusammen mit ihrer großen Liebe in einem Haus in Cornwall zu leben. Nach ein paar Jahren, die beide in London verbrachten, war es dann soweit. Russells große finanzielle Möglichkeiten, bescherten ihnen schließlich das mondäne Trewlawn Manor, das sie mit viel Liebe zu einem kleinen, erlesenen Hotel umbauten. Doch die Tatsache, dass Sophie nicht schwanger wurde, nagte sehr an dem Paar und trieb Russell schließlich kurzfristig in die Arme einer anderen Frau. Obwohl Sophie Russell den Seitensprung verzieh, war der erste Knacks in ihrer Ehe vorhanden.

Mittlerweile ist einige Zeit ins Land gegangen. Ausgerechnet ein Autounfall, bei dem ein kleiner Junge von Russell angefahren wird, sorgt dafür, dass Sophie die Bekanntschaft des charismatischen Ex-Lehrers John macht. John, der Vater des kleinen Jungen, lebt mit seiner Frau Maureen ganz in der Nähe und während Sophie immer wieder die Nähe des Jungen sucht, um in Erfahrung zu bringen, ob seine Genesung voranschreitet, kommt sie auch John näher. Beide lassen sich auf eine heimliche Affäre ein, doch kann mehr zwischen ihnen sein, als das? Sophie ist hin und hergerissen. Wie soll sie sich nur entscheiden? Auch beruflich bieten sich ihr plötzlich in Cornwall ungeahnte Möglichkeiten…

Nachdem Sophie Millers erster Roman „Das Echo der Lüge“ eher in Richtung spannender Unterhaltungsroman ging, würde ich „Ein Jahr in Cornwall“ tendenziell zur Sparte der Schicksalsromane einordnen, was keinesfalls negativ gemeint ist. Vielmehr steht hier eine Frau am Scheideweg ihres Lebens und muss sich entscheiden, wie sie ihr weiteres Leben gestalten will und vor allem auch mit welchem Mann.

An Sophie Millers Schreibstil gibt es nichts zu rütteln, zudem beschreibt sie die cornische Umgebung sehr bildhaft, so dass sich beim Lesen gleich ein wenig Urlaubsflair einstellt.
Allerdings hatte ich mit der Ausgangssituation bzw. mit der Heldin und ihrem Geliebten so einige Probleme, die es mir schwer machten, sie überhaupt sympathisch finden zu können.

Eine verheiratete Frau, die von ihrem Mann betrogen wurde, dürfte in Sachen Seitensprung doch ein wenig sensibilisierter sein, als es bei Sophie der Fall ist. Und es fiel mir darum auch sehr schwer, vorzustellen, dass solch eine Frau sich so, mir nichts dir nichts, mit einem verheirateten Familienvater einlässt. Und auch dass John, besagter Familienvater, nur um schnell zu einem Liebesabenteuer mit Sophie eilen zu können, sogar einen Streit mit seiner Ehefrau provoziert. Ein tiefschürfendes schlechtes Gewissen konnte ich weder bei ihm noch bei Sophie wahrnehmen, was ich ziemlich befremdlich fand. Vor allem, wenn man sich überlegt, welche schicksalsträchtige Hintergrundgeschichte die Autorin John auf den Leib geschrieben hat.
Obwohl ich den Roman so sehr mögen wollte, hinterließ der teilweise recht fragwürdige Charakter der beiden Hauptfiguren ein schales Gefühl nach dem Lesen bei mir. Und auch Russell, Sarahs Mann ist leider eine Romanfigur, die weder Sympathiepunkte, noch Mitleid bei mir wecken konnte, so dass ich lediglich für den bildhaften und flüssigen Schreibstil Pluspunkte vergeben möchte. Und nicht zu vergessen, auch die Nebenhandlung um Sarahs archäologische Arbeit fand ich ganz interessant beschrieben.

Kurz gefasst: Das wunderbares Setting und der bildhafte Schreibstil sorgten für Urlaubsstimmung bei mir; jedoch wurde meine gute Lesestimmung durch das meiner Meinung nach unsympathische, egoistische Heldenpaar getrübt.