Rezensionen

Nicoles Bewertung 03 05 Sterne.png

Gegenwart:

Nic hat zehn Jahre zuvor alle Brücken abgebrochen, die sie mit ihrer Heimatstadt verbunden hatten. Mit zwei Ausnahmen. Zumindest zu ihrem Bruder Daniel und ihrem Vater, der seit seiner Demenz in einem Heim lebt, hat sie noch sporadisch telefonischen Kontakt. Mittlerweile ist Nic verlobt mit dem reichen Anwalt Everett, der sie über alles liebt. Eigentlich könnte sie glücklich sein, doch dann bekommt sie eine Nachricht von ihrem Vater und mit einem Schlag sind all ihre verdrängten Erinnerungen wieder da. Da Daniel plant, das Haus ihres Vaters zu verkaufen um Geld für das Pflegeheim in dem sich ihr Dad befindet aufzubringen, wird sie in ihrer Heimatstadt gebraucht, denn sie soll ihren Vater zur Unterschrift überreden.  Kaum dort angekommen trifft sie ihre Jugendliebe Tyler wieder. Tyler ist allerdings nun mit Annaleise zusammen, einer jüngeren Frau, die Nic ebenfalls von Kindesbeinen an kennt und mit der sie eine unangenehme Erinnerung teilt. Als Annaleise eines Tages spurlos verschwindet, sind alle Bewohner des Ortes alarmiert, denn Jahre zuvor verschwand schon einmal eine junge Frau. Nics beste Freundin Corinne…

Damals:

Nic und Corinne sind beste Freundinnen. Sie teilen sich alles und Corinne ist Nic eine große Stütze, als Nics und Daniels Mutter stirbt. Aber eines Tages auf dem Rummel eskaliert eine dramatische Situation. Daniel schlägt Nic daraufhin aufgebracht nieder und Annaleise ist Zeugin dieses Moments. Nic hat genug und verschwindet vom Jahrmarkt. Am nächsten Tag ist ihre beste Freundin Corinne verschwunden. Hat sie den Ort heimlich verlassen oder hatte sie Streit mit ihrem Freund Jackson? Die Polizei ermittelt, findet jedoch nichts heraus und Corinne bleibt verschwunden…

Ich fand die Idee des Romans interessant. Megan Miranda erzählt ihre Geschichte nämlich rückwärts. Zugegeben, man muss schon aufmerksam bei der Sache sein, sonst entgehen dem Leser wichtige Puzzleteile, wenn man sich auf die Story einlässt. Allerdings weiß man, dank der Zeitangabe vor den Kapiteln stets, in welcher Reihe die dargebotenen Szenarien einzuordnen sind. Ein spannendes Experiment, zudem ist Megan Mirandas Schreibstil sehr eingängig und man kann sich gut in die Story hineindenken. Allerdings muss ich sagen, dass ich „Tick Tack- Wie lange kannst Du lügen“, eher in die Riege der Kriminalromane einordnen würde. Mit einem Thriller hat das Buch leider nicht viel gemein, meiner Meinung nach. Und auch richtig höllisch spannende Momente sucht man leider vergebens, auch wenn ich durchaus neugierig auf die Auflösung von Nics Geschichte war. Ich schwankte bei meiner Bewertung zwischen 3.5 und 4 von 5 Punkten, habe mich dann aber letztendlich doch nur für eine 3.5 entschieden, weil ich fand, dass die Charaktere ein wenig mehr Tiefe hätten vertragen können. Gerade über Tyler hätte ich gerne ein wenig mehr erfahren  und Everett, der schließlich Nics Verlobter ist, kommt für meinen Geschmack einfach zu kurz. Dafür erfährt man viel über Nics Gedankenwelt und begreift schnell, wie zerrissen sie sich innerlich fühlt. Hätte Megan Miranda zumindest Tyler genauso viel Tiefe verliehen, wie ihrer Romanheldin und gewisse Momente aus seiner Sicht erzählt, hätte das sicherlich für interessante Aspekte gesorgt und dem Roman mehr Drive verliehen.

Kurz gefasst: Interessantes Erzählexperiment; eingängig und unterhaltsam, allerdings eher Krimilektüre, als Thriller.