Rezensionen

Nicoles Bewertung 04 Sterne.png

Alex ist Angestellter in einem Immobilienmaklerbüro und sein letzter fetter Deal liegt schon einige Zeit zurück, so dass er bei seinem Chef bereits auf der Abschussliste steht. Es sei den es gelingt ihm ein bislang fast unverkäufliches Haus an den geneigten Kunden zu bringen. Doch zunächst hat Alex Urlaub und will diesen zusammen mit seinem Kumpel Florian im Skiparadies verbringen. Frauen, Feiern und süßes Nichtstun, doch kurz bevor es losgeht, erleidet Flo in der gemeinsamen Stammkneipe einen Herzanfall und sagt die Reise kurz darauf ab. Mehr noch- Flo bittet Alex darum, in seiner Abwesenheit, während er sich angeblich in einem Privatkrankenhaus von seinem Leiden erholt, für ihn einzuspringen. Flos Vater besitzt nämlich mehrere Nobelboutiquen und da Alex stets vor Flo mit seinen Verkaufsqualitäten angab, glaubt dieser natürlich Alex wäre genau der Richtige dafür, ein kommendes Verkaufs-Event zu leiten.

Alex, ganz der gutmütige Kumpel lässt sich überreden; eine Entscheidung, die er jedoch an seinem ersten Urlaubstag sofort wieder bereut, als er erfährt, dass in der Boutique mit Damenunterwäsche, Taschen und Accessoires gehandelt wird. Plötzlich wird er mit einer Welt konfrontiert, die bislang gänzlich unbekannt für ihn war und eigentlich hätte es seiner Meinung nach auch gut so bleiben können, denn die Outfits, in die er von der Geschäftsleiterin Victoria gesteckt wird, sind so schrill und farblich unakzeptabel für sein Auge, dass er weinen könnte. Doch er muss seine Maskerade um Flos Willen aufrecht halten und spinnt ein wahres Lügengebinde um sich herum, damit keiner aus Flos Familie oder dessen näherem Umfeld davon erfährt, dass sein Freund sich von einem Herzleiden erholt.

Immer tiefer verstrickt sich Alex in seine Lügen; das alles, gepaart mit seinem zum Teil großspurigen Auftreten als angeblicher Sohn des Chefs bringt ihn so richtig in die Bredouille. Zu allem Überfluss verguckt er sich auch noch in Victoria; doch was geschieht, wenn sie von Tanja erfährt? Einer jungen Frau, die Alex nach einem One Night Stand nun plötzlich heiraten möchte, weil sie glaubt dass er ein reicher und guter Fang ist…

In „Dicke Hose“ ist der Romantitel Programm. Tatsächlich ist der Held dieses Romans ein kleiner Möchtegern, der gerne mit einer schicken Wohnung oder einem tollen Auto herumprotzt; leider ist er finanziell total abgebrannt und sowohl Wohnung als auch Auto gehören in Wirklichkeit Flo, Alex reichem, schnöseligem Freund. Aber auch der schneidet zu gern auf und bezeichnet sich als Verkaufstalent, so dass sich die beiden im Grunde sehr ähnlich sind. Allerdings trägt Alex sein Herz auf dem rechten Fleck und springt auch sofort für Flo in der Boutique seines Vaters ein, als sein Freund krank wird.

Tja und da hätten wir nun das Dilemma: So sehr, wie ich auch abermals von Mia Morgowskis Witz und Humor angetan war. Diesmal war mir der Held des Romans einfach zu dumm konzipiert, um wahr zu sein. Die ersten 100 Seiten des Romans funktionierten einwandfrei, die Pointen saßen und ich habe mich köstlich amüsiert über Alex Gedankenwelt (auch wenn Frauen dabei nicht gut weg kommen; aber seine überspitzt beschrieben Einstellung gehörte für mich dazu) , doch ab dem Zeitpunkt als Alex in der Boutique alles durcheinander bringt und trotz seiner abgrundtiefen Dummheit noch weiter arrogant durchs Leben zieht und sich immer mehr in seinen (Not)Lügen verstrickt, wurde meine Geduld auf eine harte Probe gestellt. Zugegeben, es mag Männer geben, die mit Mode nicht viel anfangen können, doch ich denke von Marken wie Gucci oder Versace werden selbst die hintersten Hinterwäldler schon etwas gehört haben.

Alex war für mich kein Romanheld, den ich in mein Leserherz schließen konnte, da er mir zu oberflächlich gestrickt war und auch die Nebenfiguren blieben in diesem Buch leider ein wenig schablonenhaft beschrieben. Selbst Alex „Freundin“, die ihn nach einem One Night Stand gleich heiraten wollte, war eigentlich völlig überflüssig für den Verlauf der Story. Und ehrlich gesagt hätte die Liebesgeschichte in diesem Roman meiner Meinung nach auch ein wenig mehr Seitenzahlen verdient gehabt.

Warum habe ich diesen „Guy-Lit“ dann also noch mit 4 Sternen bewertet? Zum einen bin ich ein Fan der Romane von Mia Morgowski, da ihr Humor mit meinem so konform geht und ich mich trotz der angesprochenen Kritikpunkte dennoch sehr gut von dem Roman unterhalten gefühlt habe, auch wenn ich mir für Alex mehr Hirn gewünscht hätte und zum anderen hat die Autorin einen sehr guten, eingängigen Schreibstil, der einen einfach mitreißt. Wenn man diesmal bereit ist gewisse Abstriche bezüglich der Akteure des Buches zu machen, und einem der Sinn nach einem leichten, amüsanten Roman steht, der einem so manches Mal Lachtränen in die Augen treibt, wird man auch diesmal auf seine Kosten kommen.

Kurz gefasst: Popcorn-Kino in literarischer Form- witzig und kurzweilig, aber diesmal leider auch ein wenig substanzlos und überzogen.