Rezensionen

Nicoles Bewertung 05 Sterne.png

Toby Voss ist ein Anwalt, der seinen Job über alles liebt. Zudem liebt er sein Haus und seine Lebensgefährtin Birte. Obwohl es nach vielen Jahren der Zweisamkeit nun nicht mehr allzu leidenschaftlich zwischen ihnen zugeht, glaubt Toby dennoch zu träumen, als er zufällig eine zweideutig formulierte SMS auf Birtes Handy entdeckt. Schließlich hat Birte stets gemeint, sie habe kaum Zeit für ein Leben neben ihrem Job und nun so etwas! Birte teilt ihm unmissverständlich mit, dass sie ausziehen und zu ihrem jüngeren neuen Freund ziehen wird und das kurz vor Tobys vierzigstem Geburtstag.
Was nun? Irgendwie hofft er ja zunächst noch, dass eine Aussprache mit Birte dazu führen wird, dass es bei ihrem einmaligen Seitensprung bleibt, doch die bleibt hart und so sitzt Toby plötzlich allein mit seinem Liebeskummer und dem absonderlichen Gemälde von Birtes Onkel, das er immer schon grässlich fand, in seinem Haus.

Doch Toby hat gottlob einige enge Freunde, die sich mit ihm sogleich solidarisch erklären und ihm mit reichlich alkoholischer Unterstützung über die ersten schlimmen Tage ohne Birte hinweghelfen wollen.
Da trifft es sich besonders gut, dass einer von Tobys Freunden, Mirko, beruflich verreisen muss und Toby darum bittet, sich in dessen Abwesenheit um seine Wohnung in St. Pauli zu kümmern. Der Tapetenwechsel wirkt Wunder. Toby kommt aus dem Feiern und Trinken nicht mehr heraus, doch nach einer Ü- 50 Party kommt es zu einem Fiasko. Während Toby morgens neben einer fremden Frau erwacht, wurde das Auto eines anderen Freundes aus dem Parkhaus gestohlen und keiner hat den rechten Schimmer, was so alles am Vorabend gelaufen ist in St. Pauli.
Zudem müsste Toby langsam mal wieder arbeiten gehen, denn in der Anwaltskanzlei wartet ein besonders kniffliger Fall auf ihn, bei dem er eigentlich nur verlieren kann.
Und auch der Termin mit einer Mandantin, die ihm seltsam bekannt vorkommt…

Ich mag Mia Morgowskis Romane ja schon seit langem, da ich ihren trockenen Humor, der in ihren Büchern durchblitzt, einfach köstlich finde. Auch diesmal liefert sie neben einer launigen Geschichte über einen Mann mit Liebeskummer, ein wahres Feuerwerk an amüsanten und witzigen Szenen ab, die mir die Tränen in die Augen getrieben haben beim Lesen, weil ich so sehr lachen musste; etwa wenn Toby seine Kollegen beschreibt, allen voran „Ronaldo“ der seinen Mund spitzt, wie eine Gummipuppe etc.

In manchen Bänden der Autorin fand ich jedoch, dass sie das Gagfeuerwerk etwas zu sehr übertrieben hat, bzw. die Charakterisierung ihrer Figuren dagegen vernachlässigte. In „So was hat ein Mann im Gefühl“, ist ihr Timing diesbezüglich aber perfekt. Denn nicht nur die Gags von Mia Morgowski unterhalten, zudem hat sie mit Toby und seinen Freunden diesmal Akteure geschaffen, die greifbarer sind. Zugegeben, natürlich erinnern Tobys Kumpel frappierend an die Freunde anderer Hauptakteure aus Mia Morgowskis Büchern, die sich genauso gerne „Die Kante“ geben, wie man es gewohnt ist, doch hat mich das nicht gestört, weil ich die Story einfach insgesamt unterhaltsam und kurzweilig fand.
Und vor allem findet man hier auch bei allem komödiantischen Geschick der Autorin durchaus ernsthafte Romanpassagen vor- etwa wenn Toby eine junge Dame kennen lernt oder er sich mit seiner Mandantin Alice austauscht, die sein Herz schneller schlagen lässt.
Trotz der 460 Seiten liest sich der Roman wie aus einem Guss, so dass ich ihn innerhalb eines Nachmittags ausgelesen hatte.

Kurz gefasst: Hangover auf St.Pauli- Herrlich überdrehter Gute Laune Roman, in dem jede Menge skurriler Typen ihr Unwesen treiben und meine Lachmuskeln strapazierten. Absolute Leseempfehlung!