Rezensionen

Nicoles Bewertung 04 Sterne.png

Sophia lebt auf der Insel Murano, vor Venedig, die für ihre Glasbläserkunst berühmt ist. Zwar genießen die Menschen, die der Glasbläserzunft angehören, großen Reichtum und Einfluss, leben jedoch im Grunde wie Gefangene auf ihrer Insel, denn die Venezianer fürchten, dass würden die Glasbläser ihre Kunst an Ausländer verraten oder gleich fortgehen, Venedigs Einfluss darunter leiden würde. Und so gibt es strenge Auflagen von Seiten der Regierenden, an die sich die Glasbläserzunft zu halten hat. So dürfen Frauen diese Kunst auf keinen Fall erlernen. Und dennoch bringt es Sophias Vater nicht übers Herz, seiner Tochter ihren Herzenswunsch zu verbieten, denn sie steht seinem Geschick, kunstvolle Vasen oder andere Glaskunstwerke zu erschaffen, in nichts nach.

Sophia und ihre zwei Schwestern sind attraktive Frauen, doch stürzt ausgerechnet ein Heiratsantrag eines verarmten, venezianischen Adligen, Sophias Familie in große Schwierigkeiten. Obwohl die junge Frau genau weiß, dass die Patrizier es lediglich auf die Glasbläserei abgesehen haben, die im Todesfalle ihres Vaters an Sophias Zukünftigen gehen wird, kann sie sich dennoch nicht weigern, denn die Fulignas gehören der venezianischen Elite an und die Ablehnung des Antrages, könnte schwierige Konsequenzen für sie und ihre Familie nach sich ziehen.
Erschwerend kommt dazu, dass Sophias Vater an Demenz erkrankt ist und seine Ausfälle im Laufe der Zeit immer mehr zunehmen. So versucht Sophia ihren Vater so gut es geht und natürlich heimlich bei der Arbeit zu ersetzen. Ausgerechnet für den Gelehrten Galileo Galilei, soll sie ein gläsernes Gerät erschaffen, was sie sehr stolz macht. Doch läuft die Zeit gegen sie, denn ihre Hochzeit soll bald stattfinden. Könnte der attraktive Teodoro womöglich die Rettung für ihre Gebete darstellen?

„Die Tochter des Glasbläsers“ von Donna Russo Morin zeichnet sich durch viele bildhafte Beschreibungen des alten Venedigs aus, die die Stadt vor dem Auge des Lesers erscheinen lässt und historisches Flair vermitteln kann. Auch fand ich die eingestreuten Informationen über die Glasbläserkunst sehr interessant. Und auch die Geschichte über Sophia, die plötzlich ihre Familie beschützen muss, fand ich, an sich, unterhaltsam geschrieben. Die Autorin hat einen eingängigen Schreibstil und sorgt durch ein Personenverzeichnis auf der ersten Seite dafür, dass man beim Lesen nicht den Überblick verliert, hinsichtlich der vielen im Roman agierenden Personen. Warum also nur eine 4 Punkte Bewertung?
Zum einen empfand ich die Ausdrucksweise der Autorin ein wenig zu überschwänglich. Bei ihr ist Wasser nicht nur schnödes Wasser, das in sanften Wellen Venedig umspült; sie bedient sich vieler Adjektive; Bläh- und Füllwörter, um Örtlichkeiten, Kleidung, Baustile etc. zu beschreiben, was sich nach einer Weile etwas ermüdend beim Lesen erwies und was die Geschichte gar nicht nötig gehabt hätte.

Außerdem dauerte es mir persönlich etwas zu lange, bis die Handlung an Fahrt aufnahm. Zudem fand ich, dass den agierenden Personen ein wenig mehr charakterliche Tiefe gut getan hätte.
Meine aufgezählten Kritikpunkte werden vielleicht aber diejenigen Leser, die sich von Beschreibungen des alten Venedigs oder der Glasbläserkunst verzaubern lassen möchten und einfach nur eine unterhaltsame, leichte Lektüre lesen wollen, nicht so sehr stören.

Kurz gefasst: Unterhaltsamer historischer Roman, der in die Welt der Glasbläserkunst entführt- für meinen Geschmack aber leider durch Bläh- und Füllwörter etwas überfrachtet wirkt.