Rezensionen

Ankes Bewertung 04 05 Sterne.png

Edward „Ned“ Granville, Earl of Ashby hat beschlossen sich, um nichts Sorgen zu machen und lebt das rücksichtslose Leben eines Adeligen. Er war jedoch nicht immer so, als junger Bursche aus einer idyllischen Kindheit gerissen und als Erbe des Earl of Ashby etabliert, hat er rebelliert, sich von seinen Ersparnissen ein Offiziers-Patent gekauft und im Krieg in John Turner und Rhys Gray wertvolle Freunde gefunden.

Nachdem er sein Erbe angetreten hat, ist er jedoch mehr und mehr zu einem Aristokraten geworden der seine Freunde als Selbstverständlichkeit seiner Stellung sieht. Etwas was besonders John, der die Aufgabe des Sekretärs für Ned übernommen hat, ursprünglich mehr als Freundschaftsdienst, denn als Angestelltenverhältnis, ihm übelnimmt. So fordert er Ned zu einer Wette heraus, einmal in seinen Kleidern und seiner Stellung zu leben. Und zu erfahren, wie es ist der Sekretär zu sein und nicht der Lord. Die Wette wird für 14 Tage und einen Trip nach Hollyhock angesetzt, wo der Verkauf von Neds Geburtshaus abgeschlossen werden soll und das er seit er 12 Jahre alt war, nicht betreten hat. Die Täuschung gelingt und im Haushalt des dortigen Gastgebers Lord Widcoat wird Turner als Lord und Ned, als sein (unwillkommener) Sekretär aufgenommen.

Die Wette besagt zudem, dass Ned, in Wahrnehmung eines Sekretärs eine Dame umwerben und für sich gewinnen soll. Und Neds Wahl fällt auf die Gouvernante im Haus, Miss Phoebe Baker. Phoebe hat ihre ganz eigenen Pläne, Geld zu sparen, um sich in Amerika niederzulassen, wo sie verwandte hat. Und so sehr sie sich auch um ihre Gouvernanten-haftigkeit bemüht, so kann sie sich dem Charme des Sekretärs, zumal dieser sich Tag für Tag zu verändern scheint, nicht entziehen. Darüber hinaus hat Phoebe noch ganz andere Sorgen. Denn da gibt es einen Mann, aus ihrer Vergangenheit, mit dem sie rein gar nichts zu tun haben will und das ist der Earl of Ashby.

Nachdem ich Kate Noble, mit ihren ins Deutsche übersetzten Teilen ihrer „Raven“-Serie erst relativ spät für mich entdeckt hatte, war ich sehr begeistert, nun über weiter ins Deutsche übersetzte Bücher von ihr zu stolpern.

Wie auch schon bei meinen anderen Lese-Erlebnissen der Autorin so hatte ich auch in „Der gestohlene Kuss des Earls“ mit Hauptcharakteren zu tun, die alles andere als bequem und gefällig waren. So habe ich eine Weile gebraucht, bis ich mich mit Ned und Phoebe angefreundet hatte. Doch nachdem diese Hürde einmal überwunden war, hat mich die Darstellung und die Entwicklung der Figuren, wie sie die Autorin schildert, mehr und mehr begeistert.

Woran ich deutlich länger zu knabbern hatte, war der Erzählstil. Ich fand ihn so gewöhnungsbedürftig, dass ich bis zum Ende des nicht beurteilen kann, ob er mir zusagt oder nicht. Hin und wieder hat sich mir der Verdacht aufgedrängt, dass es vielleicht an einer etwas holprigen Übersetzung und einer damit verbundenen ungewöhnlichen Wortwahl liegen könnte. Auf der anderen Seite schien sich dieser Erzählstil aber so perfekt in die Geschichte zu passen und hat harmonisch und rund gewirkt, sodass ich mir nicht mehr sicher war, ob ich das Problem tatsächlich der Übersetzung zuschreiben kann.

Kurzgefasst: ein ungewöhnliches und herausforderndes, nichtsdestotrotz sehr unterhaltsames Lese-Erlebnis.