Rezensionen

Chris' Bewertung 04 Sterne.png

Die selbstbewusste und schöne Philippa Benning ist der Star in der Londoner Gesellschaft. Jeder buhlt um ihre Gunst, exklusive Einladungen fliegen ihr nur so zu und sie verfügt über ein beträchtliches Vermögen, das ihr einen angenehmen Lebensstil ermöglicht. Die Figur Philippa scheint an die It-Girls der heutigen Zeit – siehe Paris Hilton oder Alexa Chung – angelehnt zu sein. An ihrer Seite tritt die eher unscheinbare Figur des Marcus Worth. Allerdings bestätigt sich in seiner Person die Weisheit, dass stille Wasser tief sind.

Doch Marcus Worth ist nicht das Objekt ihrer Begierde. Was soll sie auch mit einem jüngeren, durchschnittlich aussehenden Sohn ohne Einfluss und gesellschaftliches Ansehen? Nein, Philippas Fokus liegt auf dem Marquis of Broughton. Einem reichen Mann, dem es weder an gutem Aussehen, noch an Ansehen fehlt. Zurück vom Land gilt er als höchst begehrenswerte Partie. Und diese will Philippa sich nach ihrer Trauerzeit als junge Witwe nicht entgehen lassen.

Marcus hingegen arbeitet für die Regierung und diente seinem Land als Spion. Nach dem Krieg ‘langweilt’ er sich hinter seinem Schreibtisch. Doch dann erreichen ihn beunruhigende Informationen. Sein totgeglaubter Gegenspieler ist quicklebendig und treibt in London sein Unwesen. Leider glaubt ihm sein Vorgesetzter nicht und zu Marcus’ Entsetzen wird er in den Ruhestand geschickt. Doch für Marcus ist das kein Grund die Flinte ins Korn zu werfen und so ‘verbündet’ er sich mit Philippa. Sie soll ihm den Eintritt in die gute Gesellschaft ermöglichen, während sie im Gegenzug den heldenhaften Meisterspion Blue Raven bei ihrem Ball als Höhepunkt enttarnen darf.

Der Roman liest sich von der ersten Seite an sehr flüssig und die Autorin hat eine lebendige Sprache. Der Spionageplot war gut ausgearbeitet, wenn auch jetzt nicht wirklich was Neues. Dennoch hat er das Buch spannend gehalten. Allerdings hatte ich mit der Protagonistin echte Probleme. Von Beginn an ist Philippa einfach nur furchtbar. Ich kann mich nicht erinnern jemals von so einer selbstverliebten, egoistischen und arroganten ‘Heldin’ gelesen zu haben. Phasenweise ist sie ein richtig durchtriebenes Luder und ihre Herablassung ihren Mitmenschen gegenüber ist echt nur schwer zu ertragen.

Mit der Geschichte – vielleicht liegt es auch an Marcus’ Einfluss – gewinnt die Protagonistin an Liebenswürdigkeit und Freundlichkeit. Leider kommt die alte Philly dann schnell wieder zum Vorschein und macht es dem Leser mit ihrer Rachsucht und ihrem bösartigen Verhalten schwer sie zu mögen.

Marcus hingegen ist ein richtiger Sympathieträger. Genauso wie Mrs. Tottendale. Diese ist Philippas Gesellschafterin und hat offensichtlich ein kleines Alkoholproblem. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich Lady Jane – Philippas Rivalin und ‘Jugendfeindin’ – sympathischer und interessanter als Philippa fand. Weiters spielt auch noch Byrne – Marcus’ Bruder – eine gewichtige Rolle in dem Buch. Auch er war Spion der Regierung und steht seinem Bruder zur Seite. Was nicht immer leicht ist, da Byron ein ausgemachtes Drogenproblem hat. Diese beiden – Byrne und Jane – werden auch die Protagonisten des nächsten Buchs sein.

Für mich war die Person Philippa der Schwachpunkt in einem eigentlich sehr schönen Roman. Ihr Verhalten war wirklich sehr anstrengend und auch wenn ich selbstbewusste Heldinnen mag, so war Philippa einfach zu ‘perfekt’ und zu ‘großartig’. Aber vielleicht wollte die Autorin ja auch das Phänomen It-Girl ein wenig auf die Schaufel nehmen. Dann ist es ihr wirklich gelungen.

Kurz gefasst: Das It-Girl und der Spion, zwei wie Hund und Katz!

Ankes Bewertung 05 Sterne.png

Die ehemalige Belle der Saison, Philippa Benning, hat sich nach einer sehr kurzen Ehe und einem Trauerjahr, zur tonangebenden Witwe der Gesellschaft aufgeschwungen. Einen Status, den sie mit Grazie, Arroganz und spitzer Zunge kultiviert und feiert.

Um ihre Stellung zu behalten, steht sie nun jedoch vor der Herausforderung, ein Ereignis für ihren Ball zu finden, der alle anderen in den Schatten stellt. Da kommt es ihre gerade recht, dass sie ein geheimes Gespräch belauscht, das ihr die Aufdeckung des gefeierten Spions „Blue Raven“ möglich macht. Genau den Aufhänger, den sie sich für ihren Ball wünscht. Dazu jedoch benötigt sie die Hilfe dessen, den sie als Blue Raven verdächtigt!

Es geschieht überraschend für Marcus Worth, auf den ersten Blick, unscheinbarer dritter Sohn und damit völlig unter dem Radar einer Philippa Benning agierend, als genau sie auf ihn drauf fällt. In der Folge, dass sie sich ein Versteck teilen mussten, wird Philippa Zeuge einer geheimen Unterredung, in der Marcus seinem Vorgesetzten aus dem Kriegsministerium gegenüber, seinen Verdacht mitteilt, ein alter Feind sei zurückgekehrt.

Doch die scharfzüngige Königin der Gesellschaft, die notgedrungen sein Gespräch belauscht hat, stellt sich für ihn als hilfreich für Marcus heraus. So ist es nicht nur Phillippa, die ihm den Weg auf die Ereignisse der Saison ebnen kann, die im Zusammenhang mit seinen Ermittlungen stehen, sondern auch ihre Beobachtungsgabe, ist für ihn von großer Bedeutung. Und äußerst anziehend ist die Dame obendrein!

Gefühlt ist es schon eine Ewigkeit, dass Kate Nobles „Ein Spion in erlauchter Gesellschaft“ in meinem SUB schmort. Und ich erinnere mich in der Zeit mindestens einen, wenn nicht zwei oder dreier Appelle, dem Buch doch endlich einmal eine Chance zu geben. Manchmal ist es schwer zu erklären warum, doch waren auch diesmal wieder viele Umwege nötigt, bis ich endlich doch dabei gelandet bin.

So waren es die deutschen Veröffentlichungen von Kate Nobles „Winner Takes All“-Serie, die mich nach all der Zeit wieder auf die Autorin gestoßen haben und mir damit die „das wollte ich schon so lange lesen“-Erinnerung zurückgebracht haben, die mich am Ende zur „Blue Raven“-Serie und zu „Ein Spion in erlauchter Gesellschaft“ geführt haben.

Zurückblickend war es mit ziemlicher Sicherheit die kontroversen Meinungen, die mir damals zu dem Buch begegnet sind, die mich haben zögern lassen. Und endlich kann ich sie auch nachvollziehen.

Um es vorneweg zu nehmen und wie es auch an meiner Bewertung deutlich wird, ich habe das Buch zu lesen außerordentlich genossen. Das liegt vor allem daran, dass es der Autorin irgendwie gelungen ist mir die Hauptfigur, Philippa Benning, ans Herz zu lesen - trotz ihres (auf den Maßstab gerechnet, den ich für „meine“ Lieblings-Heldinnen anlege) mehr als zweifelhaften Verhaltens, ihrer Gehässigkeit und ihrer zur Schau gestellten Arroganz. Die Autorin hat mir erlaubt hinter die Fassade von Phillippa blicken zu können und ist in ihrer Beschreibung gerade immer so weit gegangen, dass ich ihr Verhalten gerade noch habe tolerieren können. Es war ein schmaler Grat, auf dem Kate Noble mich hat balancieren lassen, doch am Ende hat sie mich mit sicherer Hand darauf entlanggeführt.

Zudem wusste sie mich stets abzulenken, mit einer turbulenten Geschichte, der ein oder anderen ebenso überraschenden, wie unterhaltsamen Wendung und einer sehr schönen „Gegensätze ziehen sich an“-Liebesgeschichte.

Kurzgefasst: Es ist eine verspätete Entdeckung, die jedoch nichts von ihrem Charme eingebüßt hat und für alle die empfehlenswert ist, die es gerne einmal etwas ungewöhnlicher mögen.