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Fragen und Antworten mit Britta Orlowski

(Text: AS, Juni 2009)

Bitte erzählen Sie unseren Lesern ein wenig über sich und ihren Werdegang?

Nun - eigentlich verlief mein bisheriges Leben eher unspektakulär. Die ersten Jahre verbrachte ich im Schoß meiner Familie in einem kleinen Dörfchen im Havelland. Bevor ich in die Schule kam, zogen wir jedoch in die nahe Kreisstadt Rathenow. Dort absolvierte ich die polytechnische Oberschule bis zur zehnten Klasse und erlernte den Beruf der stomatologischen Assistentin (Zahnarzthelferin). Im Anschluss daran heiratete ich und bekam zwei Söhne.
Bereits als Kind begann ich kleine Geschichten zu schreiben. Später im Teenageralter verfasste ich Romane - die noch immer in meiner Schublade schlummern. Als meine Kinder noch klein waren begann ich mit Handarbeiten und kam schließlich zum Patchwork. Irgendwann verband ich dann meine beiden Hobbys und schrieb Romane im Quilter- und Patchworkmilieu.


Sie lieben das Schreiben, Handarbeiten und Gartenarbeit. Wunderschöne, aber doch auch sehr arbeitsintensive Tätigkeiten. Bleibt nicht notgedrungen immer mal eine davon auf der Strecke?

Ja - leider. Aber niemand ist perfekt. Schließlich soll es ja Spaß machen.


Jeder Autor hat seine persönliche Vorgehensweise bei seiner Arbeit. Wann und in welcher Umgebung können Sie am besten Schreiben und kommen ihnen die besten Ideen?

Die Rohfassung schreibe ich immer noch handschriftlich auf - am liebsten, wenn ich im Garten sitze. Oder im Winter gemütlich auf dem Sofa. Die Ideen spuken dann allerdings schon lange bevor ich sie aufschreibe in meinem Kopf herum. Sie kommen wann sie wollen. Da gibt es keine geeigneten Momente. Einige Szenen überdenkt man länger oder feilt daran herum. Das geht gut bei Gartenarbeit oder so profanen Tätigkeiten wie Kirschen aussteinen, Bohnen schnippeln oder Treppe wischen.


Sie haben sich als Spielort für Ihr Buch das fiktive Küstenstädtchen St. Elwine in der Chesapeake Bay ausgedacht. Was hat Sie daran gereizt ihre Geschichte in den USA spielen zu lassen?

Weil Patchwork und Quilten dort eine weitverbreitete Volkskunst ist. Nahezu jeder in den USA weiß, was ein Quilt ist.


Beim Lesen von „Rückkehr nach St. Elwine“ ist mir aufgefallen, dass die Geschichte sehr breit angelegt ist und viel Möglichkeit für weitere Geschichten aus St. Elwine bietet. Wird es weitere Teile geben?

Wenn es nach mir geht - ja. Voraussichtlich im November 2009 (Änderungen vorbehalten) erscheint Band zwei unter dem Titel "Pampelmusenduft". An Band drei schreibe ich momentan und Ideen - auch zu Romanen, die nicht zur St. Elwine Serie gehören - habe ich mehr als genug.


Was sind für Sie die wichtigsten Elemente eines interessanten männlichen oder weiblichen Charakters?

Sie sollen unbedingt authentisch und glaubwürdig sein. Also mit Schwächen und Macken ausgestattet, wie jeder andere normale Mensch auch.


Nicht nur Sie selber auch ihre Charaktere aus „Rückkehr nach St. Elwine“ finden sich zum Quilten zusammen. Was ist dran am Quilten? Was macht es so besonders?

Das läßt sich kaum mit kurzen Worten ausdrücken - es ist ein Gefühl, dass einen nicht mehr los läßt. Die Hände sind beschäftigt, der Kopf wird frei und die Seele kann aufsteigen in den Himmel. Andere sagen aber auch: Patchwork ist wie ein Virus. Bist du erst infiziert, hast du keine Chance mehr zu entkommen


Für den August 2009 ist ein Anleitungsbuch "Die Quilts von St. Elwine" angekündigt. Ich finde diese Idee ganz wunderbar. Stammen die Entwürfe für die Quilts in diesem Buch von Ihnen?

Die Quilts die ich während des Schreibens vor meinem geistigen Auge sehe, gibt es wirklich. Um den Roman für die Leserinnen anschaulicher zu machen, hatte ich die Idee mit dem Anleitungsbuch. Da ich, wie die Figuren im Roman, einer Quiltgruppe angehöre, stammen die Entwürfe nicht ausschließlich von mir. Aber doch die meisten. Meine Freundinnen waren so nett, mir ihre Entwürfe zur Verfügung zu stellen.


An was arbeiten Sie zurzeit? Und dürfen Sie uns etwas über zukünftige Projekte verraten?

Wie bereits erwähnt, stecke ich im 6. Kapitel meines dritten Romanes. Gern würde ich auch weitere Anleitungsbücher schreiben. Aber konkrete Aussagen kann ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht treffen.


Lesen Sie gerne? Und wenn ja, welche Lieblingsautoren/innen haben Sie?

Ich lese leidenschaftlich gern. Könnte ohne Buch gar nicht in den Schlaf kommen. Da ich sehr viel lese und dabei verschiedene Genres abgreife, ist es nicht so leicht, Lieblingsautoren zu benennen. Ich treffe mal eine kurze Auswahl: Nora Roberts, Susan Elisabeth Phillipps, Kathy Reichs, Diana Gabaldon, Nicolas Evans, Jefferey Deaver...


Zum Schluss möchte ich noch gerne meine Neugierde zu folgenden Fragen stillen:
Gibt es einen Unterschied zwischen Patchworken und Quilten?


Ja. Am besten läßt er sich wohl mit der genauen Übersetzung vom Englischen ins Deutsche erklären. Patchwork ist eine Flickenarbeit - also zusammen gesetzte Stoffteile. Quilten hingegen heißt in der wortwörtlichen Übersetzung: steppen. Das bedeutet: die Flickenarbeit wird mit einer Vlieseinlage und einer Rückseite gesteppt. Ein Quilt kann allerdings auch aus einem einzigen Stoff bestehen und gesteppt worden sein (ähnlich wie hier die Steppdecken oder Tagesdecken auf den Betten).


Bei meinen Recherchen zum Thema Quilten bin ich immer wieder über das Kürzel UFO gestolpert. Was bitte ist denn ein UFO für einen Quilter oder Patchworker?

Das ist ein unfertiges Objekt - beispielsweise ein Patchworkblock oder gar eine ganze Reihe. Nur eben noch nicht fertig - also angefangen. Jede Quilterin hat mindestens drei angefangene Näharbeiten zu liegen. Von den Ideen im Kopf ganz zu schweigen. Die Begeisterung für dieses Hobby ist einfach zu groß. Im Eifer des Gefechts will man halt mehr, als man letztlich dann rasch in die Tat umsetzen kann. Das wiederum ist so herrlich menschlich.


Liebe Britta Orlowski herzlichen Dank für das interessante Interview.

Britta Orlowski

Photo: © Britta Orlowski

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