Rezensionen

Nicoles Bewertung 04 Sterne.png

Die verwitwete Lady Jane Sherringham ist bereits seit ihrer Kindheit mit Lady Del(phina) Treyworth und Lady Charlotte Dartmore befreundet. Alle drei heirateten Männer, die ihnen nicht unbedingt großes Eheglück bescherten. Während Janes brutaler und gewalttätiger Mann jedoch bereits das Zeitliche segnete, haben Lady Del und Lady Charlotte weniger Glück. Beide Ehemänner zwingen sie dazu, sie in einen berüchtigten „Swinger-Club“ in London zu begleiten, denn nur dort können sie auch ihre sehr speziellen sexuellen Neigungen ausleben. Als Lady Del spurlos verschwindet und ihr Ehemann behauptet, sie wäre mit einem Liebhaber durchgebrannt, kann Jane das nicht glauben. Und so ermittelt sie nun auf eigene Faust. Ihre erste Spur führt sie direkt in „den Club“. Doch um dort Nachforschungen anzustellen, muss sie sich als Gast ausgeben. In einem der Zimmer steht ihr plötzlich statt eines Lustknaben“ Christian gegenüber. Christian Sutcliffe, der Earl of Wickham, ist der Bruder der verschwundenen Lady Del und hat den weiten Weg aus Indien zurückgelegt, weil er sich ebenfalls Sorgen um seine Schwester macht.

Da Jane sich äußerst stur zeigt und unbedingt weiter nach Del suchen will, bleibt Christian nichts anderes übrig, als sie mit einzubeziehen, da er befürchtet, dass Jane ansonsten zu gefährlichen Alleingängen neigt. Und Jane scheint zudem in Lebensgefahr zu schweben. Christian hat also alle Hände voll damit zu tun, nicht nur seine verschwundene Schwester zu finden, sondern auch Jane zu beschützen.
Christian und Jane finden schließlich heraus, dass es eine berüchtigte Männergemeinschaft gibt, die sich regelmäßig „im Club“ trifft und das dort immer wieder sehr junge Mädchen verschwinden. Kann es sein, dass Del während ihrer Besuche „im Club“ etwas erfahren hat, was ihr zum Verhängnis wurde, oder ist sie wirklich mit einem Liebhaber durchgebrannt?

Während die „Detektive in spe“ in dieser Sache ermitteln, kommen sie sich auch auf gefühlsmäßiger Ebene näher. Doch Jane hat durchaus einige Skrupel- nicht nur genießt Christian einen äußerst zweifelhaften Ruf, er soll sich laut des „tons“ sogar zu Hause einen Harem halten und eine spezielle Vorliebe für Fesselspiele und SM besitzen. Jane, die Gewalt in jeglicher Form verachtet seit sie an ihren grausamen Mann gebunden war, zögert daher, sich ihm hinzugeben…

Wer schon einige Romane von Sharon Page gelesen hat, wird wissen, dass die Autorin zwar dem Historical Genre zugetan ist- ihre Bücher jedoch nichts für prüde Zeitgenossen sind, da die Erotik darin sehr groß geschrieben wird. Obwohl ich normalerweise nicht zu den Lesern gehöre, die zu hoch erotischer Liebesromanlektüre greifen, hat mich der Plot des Romans neugierig werden lassen- zudem kann ich einfach keinem Regencyroman aus dem Wege gehen. ;-)
Und als allererstes möchte ich auch eine kleine Entwarnung an alle Romantiker geben, die befürchten, dass die Story hier nur Mittel zum Zweck ist und es in der Hauptsache hier nur ums Eine geht. Das ist keineswegs der Fall, im Gegenteil, die Liebeszenen in dieser Geschichte sind durchweg ansprechend und prickelnd, aber beschreiben nur völlig harmlose sexuelle Spielarten. Im Vordergrund steht definitiv die sich entwickelnde Liebesgeschichte zwischen Christian und Jane. Allerdings hat es die Rahmenhandlung in sich und ist nichts für zarte Gemüter, da die Bösewichter in diesem Buch einige sehr unangenehme und zum Teil auch grausame Vorlieben pflegen, die jedoch nur am Rande erwähnt werden.

Was mir positiv aufgefallen ist, ist, dass die Autorin sich große Mühe damit gegeben hat, ihren Romanfiguren genug Zeit zu geben, bis sie sich einander hingeben. Zwar kennen sich die beiden schon seit ihrer Kindheit, doch zunächst muss Christian Janes zerstörtes Vertrauen in die Männerwelt wieder aufbauen und seine Bemühungen werden durchaus glaubwürdig und sensibel vermittelt. Das Heldenpaar ist sympathisch, allerdings ist Christians Charakterisierung viel tiefgründiger und besser gelungen, als die von Jane, außerdem hat Jane leider einiges an TSTL Potential- will sagen, sie neigt dazu, sich immer wieder Hals über Kopf in Situationen zu stürzen, denen sie nicht gewachsen ist.

Die Geschichte als solche ist, sieht man von einigen unlogischen und unglaubwürdigen Begebenheiten ab (wie etwa Christians Rückkehr nach England- kein Polizist verfolgt ihn noch, obwohl er einen Menschen bei einem verbotenen Duell getötet hat und damals wegen dieser Sache nach Indien auswanderte oder auch die Sache mit Janes Maskierung im Club, damit sie keiner erkennt und ihr Ruf gewahrt wird. Wenig später jedoch ist ihr Aufenthalt im Club jedoch bei den Frauen des „tons“ kein Geheimnis mehr- seltsamerweise unterhalten sich die Damen recht freizügig und freimütig darüber, dass sie ebenfalls ihren Spaß in diesem Etablissement suchen.) durchaus spannend und bietet prickelnde Unterhaltung.

Dennoch hat es mich ein wenig beim Lesen gestört, dass scheinbar jedes Mitglied des Adels, ob Männlein oder Weiblein diesen Club aufgesucht hat und gewisse Vorlieben fürs Verhauen des Allerwertesten hegte, ;-) doch trotz dieser angesprochenen Punkte konnte ich den Roman nicht zur Seite legen, weil ich unbedingt erfahren wollte, was mit Janes Freundin Del geschah. Die Autorin zieht alle Register und baut viele Elemente in ihre Story ein- so wird es nie langweilig. Ich bin ein wenig zwiegespalten bei meiner Bewertung. Auf der eine Seite mag ich keine unlogischen, an den Haaren herbeigezogenen und unglaubwürdigen Geschichten- wenn sie jedoch so unterhaltsam vermittelt werden, wie es hier der Fall ist und auch die Liebesgeschichte darin so wunderschön beschrieben wird, neige ich doch dazu, mich auch mal davon einseifen zu lassen und alles durch die rosarote Brille sehen zu wollen. ;-)