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Fragen und Antworten

(Interview: SG, Dezember 2008)

Ihr erster Roman „Zwölf Männer hat das Jahr“ ist Ende 2005 bei Ullstein erschienen. Ich habe das Buch damals gelesen und zwar an einem einzigen Nachmittag: Sie haben einen sehr flüssigen, witzigen Schreibstil und die Handlung ist mit originellen Ideen gespickt. Das führt mich zu zwei Fragen: Haben Sie schon immer gerne geschrieben? Wie kommen Sie zu den Ideen für Ihre Schreibprojekte – haben Sie viel Fantasie und/oder nehmen Sie viele Anregungen aus dem realen Leben auf?


Eigentlich schreibe ich, seit ich denken kann (böse Zungen behaupten, die meisten meiner Texte seien sogar noch früher entstanden): Tagebuch zur Erheiterung meiner Geschwister; Liebesgedichte, mit denen ich meine ersten Mitmirgeher vertrieben habe; frühe Kurzgeschichten, die ich einmal für wahnsinnig gut hielt und die mir nun als Beweis dienen, dass man es auch mit wenig Talent und viel Selbstüberschätzung schaffen kann. Ich finde, jeder von uns betätigt sich in seiner Kindheit als Schriftsteller. Wenn ein Kind mit Puppen spielt, schlüpft es in andere Rollen, erfindet fiktive Situationen, denkt sich Dialoge und Handlung aus, gibt den Puppen Namen und Charakter und führt alles zum Happy End, pünktlich bevor Bob Spongekopf anfängt. Als Kind habe ich mich in solchen Spielen völlig verloren – und bis heute nicht wiedergefunden. Das ist eigentlich schon das ganze Geheimnis: Ich spiele noch. Meine Puppen baue ich mir selber, und alles, was ich dazu brauche, hole ich mir aus diesem riesigen Spielzeugladen namens Welt.


Wie viel von Ihnen selbst steckt in Ihren Figuren, also z.B. Angewohnheiten oder typische Charaktereigenschaften?

Die positiven Eigenschaften meiner Figuren sind alle von mir, die negativen von Dieter Bohlen. Oder umgekehrt. Nein, bislang hat keine reale Person, auch nicht ich selbst, Modell für einen Romancharakter gestanden. Aber da ich beim Schreiben in meine Figuren hineinschlüpfe, bleibt unbewusst natürlich auch etwas von mir an ihnen hängen. Was mich mit meiner Protagonistin verbindet, ist sicherlich der Humor, der leichte Sarkasmus und ein paar ihrer Ansichten und Vorlieben. Zum Beispiel bin auch ich ein Fan von Robbie Williams (der übrigens ruhig mal wieder ein neues Album herausbringen könnte) und von den Gilmore Girls. Aber ich bin nicht so spontan und schlagfertig wie Pia, ich bin weniger abergläubisch als sie, dafür mehr tierlieb und netter zu Männern, ich bin pünktlicher und schüchterner und stehe mehr für die puschelige Facette in ihrem Charakter. Eigentlich bin ich ein bisschen langweilig: öde, dröge, blöde. Die Ähnlichkeit mit Pia reicht also nicht unbedingt für eine Knochenmarkspende – aber Schuhe könnten wir uns schon gegenseitig ausleihen.


Es ist häufig nicht einfach, einen Verlag für einen Erstlingsroman zu finden. Wie kamen Sie zu Ullstein?

Ich habe das Exposé und eine Leseprobe an die Agentur Schlück geschickt. Ein paar Tage später bekam ich einen Anruf von meinem jetzigen genialen Agenten Joachim Jessen, der das restliche Manuskript anforderte. Kurz darauf hatte ich einen Agenturvertrag und Angebote von ungefähr zehn großen Verlagen, die das Buch herausbringen wollten. Zum Schluss entschied ich mich für Ullstein, da mich deren Marketingkonzept am meisten überzeugt hatte. Und mittlerweile ist "Zwölf Männer hat das Jahr" in sechs Länder verkauft worden, es gab eine Hörbuchfassung und in Südkorea wird sogar eine Fernsehserie gedreht. Manchmal habe ich Angst, ich könnte aufwachen, weil der Postbote klingelt und ein Ablehnungsschreiben der Agentur Schlück bringt: können zurzeit keine weiteren Klienten aufnehmen. Aber noch bin ich am Träumen und beantworte gerade Interviewfragen.


Was mögen Sie gerne am Schreiben von Frauenromanen? Wussten Sie von Anfang an, dass das Ihr bevorzugtes Genre ist?

Ich hatte schon immer eine Schwäche für Screwball-Komödien. "Leoparden küsst man nicht", "Ein Pyjama zu zweit", "Blaubarts achte Frau", "Ein Goldfisch an der Leine", "Is' was, Doc?", und, und, und. Beschwingte Filme fürs Herz und Zwerchfell – herrlich!

Solche Geschichten wollte ich auch erzählen, unbeschwerte Unterhaltung, pointiert, temporeich, mit Situationskomik und spritzigen Dialogen, verrückten Einfällen, Romantik und Happy End. Und da bieten sich Frauenromane, insbesondere der Bereich Chick-Lit, natürlich geradezu an, da sie schon per Definition lustig sein sollen. Ich könnte mir aber auch vorstellen, einmal humorvolle Fantasy zu schreiben à la Terry Pratchett oder Christopher Moore. Und dann gibt es auch noch eine dunkle Seite in mir, die nach Blut dürstet und mir zuflüstert: Schluss mit lustig, versuch mal, ob du die Leser dazu bringen kannst, bei Licht zu schlafen. Irgendwann mache ich das vielleicht. Aber vorerst darf weiterhin gelacht werden.


Viele Autoren haben ab und zu eine Schreibblockade. Hatten Sie auch schon mal eine und wenn ja, wie haben Sie sie überwunden?

Zum Glück hatte ich dieses Problem – dreimal auf Holz klopf! – noch nie. Und wenn mich doch einmal eine Schreibblockade überfällt und mir partout nichts mehr einfällt, dann werde ich......


Ihr zweiter Roman „Love Sheriffs“ (2007) drehte sich erneut um die Protagonistin Pia und ihre Freunde. Planen oder schreiben Sie an einem weiteren Frauenroman? Falls ja, gibt es ein Wiedersehen (bzw. Wiederlesen) mit Pia?

Solange die Leser es möchten, werde ich auch weiterhin für dieses Genre schreiben. Und was Pia betrifft: Ich denke, dass sie mindestens noch ein Mal auftauchen wird – schließlich ist sie mir richtig ans Herz gewachsen und (Achtung Spoiler!) außerdem gehört es sich nicht, jemanden erst zu schwängern und dann einfach sitzenzulassen.


Ihre beiden Romane waren große Erfolge im Chick-lit-Bereich. Spüren Sie einen Erwartungsdruck für Ihre weiteren Schreibprojekte bzw. haben Sie manchmal ein wenig Angst, dass Ihnen irgendwann die Ideen ausgehen könnten?

Wenn ich schreibe, habe ich ganz andere Probleme als Versagensängste oder die anstehende Steuererklärung. Da frage ich mich, wie ich die zwei Rottweiler überwinde, die das Haus bewachen, in das ich gerade einbrechen will. Oder ich zerbreche mir den Kopf, wie ich eine Katze, die in einer hohen Tanne festsitzt, wieder herunterbekomme. Oder ich muss ganz dringend einen Drachen besiegen, um den schnuckeligen Prinzen zu retten. Sobald ich den Computer ausgestellt habe und aus meiner Schreibwelt in die normale Welt zurückkehre, haben mich die normalen Probleme zwar wieder am Wickel. Aber den Erwartungsdruck spüre ich trotzdem nicht so stark, weil er nämlich vom Termindruck überlagert wird. Und auf die Idee, dass mir die Ideen ausgehen könnten, bin ich noch gar nicht gekommen.


Lesen Sie auch gerne? Wenn ja, welche Genres?

Ein Schriftsteller, der nicht liest, sondern sagt: "Igitt, Bücher! Geht mir weg mit dem Zeug!", wäre ja schon fast unanständig. Ich lese furchtbar gerne. Überall: Klo, Wanne, Liegestuhl, Bett. Alle möglichen Genres. Ich büffelte mit Harry Potter und Hermine Zaubersprüche, guckte mit Diana Gabaldon unter so manchen Schottenrock, saß auf Einladung von Janet Evanovich am Essenstisch mit Stephanie Plums verrückter Familie, ging Ken Follett beim Kathedralebauen zur Hand und stand Schmiere, während Ingrid Noll irgendwelche Männer ermordete. Und zurzeit lege ich mich zu einem Vampir in den Sarg. Das gibt wieder eine Nacht!


Laut Verlagsangaben arbeiten Sie in einer Elektrofirma – wie lässt sich Ihre Arbeit und das Schreiben von Romanen zeitlich unter einen Hut bringen?

Ach, das geht schon. Ich schreibe immer dann, wenn keine Vorgesetzten in der Nähe sind. Nein, das war ein Scherz. Natürlich schreibe ich zu Hause in meiner Freizeit. Wenn man diszipliniert ist und jeden Tag ein bis zwei Stunden fürs Schreiben abzwackt, kommt übers Jahr schon etwas zusammen. Okay, man muss dafür auch Opfer bringen. Ich kann nicht jedes Buch lesen, das ich kaufe. Ich muss manchmal auf einen Kinofilm verzichten, selbst wenn Johnny Depp mitspielt und kann an Wochenenden nicht so lange schlafen, bis mir die Augen auffallen. Aber da ich keine Kinder und keine zeitaufwändigen Hobbys habe, kriege ich das einigermaßen gut geregelt. Berufstätige Mütter leisten da bestimmt den härteren Job.


Verraten Sie unseren Lesern bitte,
A) wie ein typischer Tag bei Ihnen abläuft?
B) und wie für Sie ein idealer Tag, ein Traumtag, aussehen würde, wenn Sie keinerlei Verpflichtungen hätten?

a)

6:00 Was denn, die Nacht ist schon rum? Kann doch nicht sein! Ist der Wecker kaputt?

9:00 Stöhn! Stöhn!

16:00 Mann, war das wieder ein Tag in der Firma! Wie lange ist es denn noch bis zum Sommerurlaub? Mist, die Autoscheiben sind auch wieder zugefroren.

16:30 Sprich mich jetzt nicht an, bevor ich ein Mal durchgeatmet habe.

17:00 Jacky, bei Fuß! Jacky! Jacky, komm zurück, du blöder Hund! Ich habe doch bald Abgabetermin.

18:00 Essen gehen? Ja, Schatz, das ist eine gute Idee. Mach das – und bring mir bitte eine Pizza mit, ja. Die esse ich dann am Computer. Abgabetermin, du weißt ja. Ich liebe dich.

20:15 Du, ich würde nichts lieber als mit dir Fernsehen, aber es flutscht gerade so gut. Mit Brad Pitt? Du bist richtig gemein! Nimmst du ihn mir bitte auf? Doch, irgendwann werde ich all die Videos schon gucken. Spätestens wenn die Rente durch ist. Na und? Dann überspielst du sie mir eben auf DVD.

22:00 Ja, ich komme gleich ins Bett. Noch eine halbe Stunde, okay?

23:00 Woran ich denke? Willst du das wirklich wissen? Also, ich habe da dieses Perspektivproblem im fünften Kapitel. Ich frage mich, ob ich da vielleicht eine Rückblende einbauen soll. Na, hör mal, du wolltest doch unbedingt wissen, was ich denke! Ja, dir auch eine gute Nacht.

6:00 Was denn, die Nacht ist schon rum? Kann doch nicht sein! Ist der Wecker kaputt?

b)

6:00 Hallo, Wecker! Guten Flug!

9:00 Stöhn! Stöhn!

10:00 Frühstück ans Bett, das ist lieb von dir. Habe ich schon wieder Geburtstag? Uups, jetzt habe ich ins Bett gekleckert. Egal, muss sowieso neu bezogen werden.

11:00 Ein Einkaufsbummel? Klar habe ich Lust. Lass mich gerade noch das Kapitel zu Ende lesen.

14:00 Okay, hier ist die Einkaufsliste, Schatz. Vergiss nichts! Wenn was ist, findest du mich in der Boutique hier oder in der da drüben oder in dem Schuhhaus. Und wenn ich da nicht bin, dann ganz sicher im Buchladen. Wir treffen uns in zwei Stunden im Straßencafé. Alles klar?

16:30 Guck mal, die Schuhe, die ich mir gekauft habe, sind die nicht toll? Die passen wunderbar zu meinem Kleid. Welchem Kleid? Na, das ist in der anderen Tüte. Nein, nicht in der, da sind doch die ganzen Bücher drin. Dir habe ich auch eins mitgebracht: "Wie verwöhne ich meine Frau – ein Ratgeber für Anfänger". Siehst du, wie ich an dich denke.

20:00 Die Mumie 3 – das ist nicht dein Ernst! Du musst dringend das Buch lesen, das ich dir geschenkt habe. Komm, lass uns lieber in Mamma Mia! gehen. Wir können auch nach Hause und noch einmal Titanic auf Video gucken. Also bitte: Mamma Mia! Warum nicht gleich so?

22:00 Woran ich denke? Ich denke, dass das ein sehr schöner Tag war und dass ich froh bin, neben dir zu liegen und dass ich noch gar nicht müde bin.

07:43 Mist! Verschlafen! Warum steht denn der blöde Wecker nicht an seinem Platz?


Haben Sie ein Lebensmotto?

Mir gefällt ein Spruch von Samuel Beckett sehr gut. Den muss ich jetzt aber auf Englisch zitieren, damit es sich reimt:

Ever tried? Ever failed? No matter. – Try again! Fail again! – Fail better!

(Frei übersetzt: Es je versucht? Je gescheitert? Das macht nichts. Versuche es erneut! Scheitere erneut! – Scheitere knapper!)

Gerade auch für angehende Schriftsteller ein Motivationsspruch, nicht zu früh aufzugeben und stattdessen an sich zu arbeiten.


Wenn Sie den Jackpot im Lotto gewinnen würden, was würden Sie mit dem Geld machen und sich evtl. für sich selbst leisten?

Frau Paura befindet sich zurzeit in ihrem Strandhaus in Malibu und ist nicht erreichbar. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an ihre persönliche Assistentin.


Am Ende noch die hoffnungsvolle Frage: Schreiben Sie an einem neuen Roman und können Sie uns evtl. etwas darüber verraten?

Ja, ich beende gerade einen Roman, der nächsten Sommer erscheinen wird. Sein Titel lautet "Angebissen" und er kommt als Hardcover im Marion-von-Schröder-Verlag heraus, der zur Ullstein-Verlagsgruppe gehört. Inhaltlich kann ich zumindest soviel verraten, dass es wieder eine Liebeskomödie ist – aber eine, die man so vielleicht noch nicht gelesen hat. Ich kenne jedenfalls keine in dieser Art. Also, Chick-Lit-Liebhaber, die glauben, sie hätten schon alles gelesen, was es in dieser Richtung so gibt, dürfen sich überraschen lassen. Ich hatte viel Spaß beim Schreiben und denke, dass die Leser ebenfalls viel zu Lachen haben werden.


Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg beim Schreiben!
Mögen Ihnen die Musen gewogen sein! ;-)

Ich danke für die guten Wünsche. Hoffentlich schreiben die Musen sich das hinter die Ohren.

Martina Paura

Photo ©  Martina Paura

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