Rezensionen

Tinas Bewertung 04 05 Sterne.png

"Der vergessene Strand" zeigt ein Cover, das einen zum Träumen und verweilen einlädt... genau so wie der Inhalt zwischen den Buchdeckeln.
Doch er erzählt auch davon, dass manche Träume platzen wie Seifenblasen oder böse Überraschungen mit sich bringen können.

Das hat auch die Historikerin Amelie erkannt und so ist sie auf der Suche nach etwas Frieden, und Ablenkung, in Form ihrer Forschungen über Beatrix Lambton und ihrer Schwester Anne.
In Pembroke findet die Historikerin Amelie die Ruhe, ihre Arbeit über die Schwestern weiterzuführen. Dort lernt sie auch den attraktiven Bibliothekar Cedric Tewdwr kennen, der ihr bei ihrer Arbeit hilft.

Doch Pembroke ist ein Ort, wo geschwiegen wird und alles mit Vorsicht zu genießen ist und als Amelie weiterforscht, erkennt sie etwas, das sie nicht wahrhaben möchte und erfährt nebenbei mehr über sich und ihre Vergangenheit, als wie sie es je für möglich gehalten hat.

Hier noch ein paar Worte zu den Schwestern: Die beiden Schwestern Anne und Beatrix werden in der Gesellschaft geliebt und geachtet.
Beatrix ehelicht Henry Earl of Heartford, in der Hoffnung, dass er sein unstetes Leben für sie aufgibt.
Anne hingegen verliebt sich in einen verheirateten Mann aus dem Adel, was schon ein kleiner Skandal ist, aber erst als sie schwanger wird, ist es dann tatsächlich vorbei mit dem Gesellschaftsleben.
Doch die Schwestern sind sich nahe, halten zusammen und machen was sie wollten, was zu der damaligen Zeit nicht so gern gesehen wurde.

Die Autorin Julie Peters hat einen Roman geschrieben in dem man eintaucht und sich stets atemlos fragt, was als Nächstes passiert. Die Geschichte ist nicht nur sehr dicht gestrickt, man erlebt als Leser sogar mehrere Geschichten zeitgleich.
Hinweise zu den Schwestern erfährt man zusätzlich aus ihren Briefen.

Die Figuren sind sehr real dargestellt, sodass es einem vorkommt als würde man sie kennen. Ihre Eigenarten haben es in sich und doch, oder gerade deswegen wachsen sie einen schnell ans Leserherz. Besonders gefallen hat mir die Kauzigkeit der Bewohner von Pembroke die zusammenhalten wenn es drauf ankommt, aber auch die Landschaftsbeschreibungen, die Häuser, sowie der Ort haben mich wirklich begeistert. Nicht weniger fasziniert und auch ein wenig erschreckt, war ich über die Familie und ihre Reaktionen zu den Geschehnissen, die es in sich haben.

Am Ende der Geschichte war ich fast ein wenig traurig, dass sie schon ausgelesen war. Doch habe ich mir vorgenommen, das Buch demnächst noch einmal zu lesen, denn ich habe bestimmt das eine oder andere des Geschehen noch so gar nicht richtig war genommen, da so geballt war.

Kurz gefasst: Eine Geschichte über Frauen, die wissen was sie wollen und was nicht. Ein Familienroman, der es in sich hat und eine Liebesgeschichte, die mal sanft daherkommt, aber auch schmerzhafte Momente mit sich bringt. Absolut empfehlenswert!

Nicoles Bewertung 05 Sterne.png

Amelie lebt zusammen mit ihrem Verlobten Michael in Deutschland. Eigentlich möchten beide bald heiraten, doch dann geschieht etwas, mit dem Amelie nie gerechnet hätte. Nicht nur dass Michael fremdgeht, die Andere wird auch noch prompt schwanger von ihm. Dennoch beteuert Michael seine Liebe zu Amelie und will unbedingt an den Heiratsplänen festhalten. In Amelie ist seitdem etwas zerbrochen und um einen klaren Kopf zu bekommen stürzt sie sich in ihr Buchprojekt, über eine berühmte Persönlichkeit der britischen Geschichte, Beatrix Lambton, der es damals trotz der konventionellen Zwänge der Gesellschaft gelang, gewisse Freiheiten zu erwerben.

Als Amelie, die auf der Suche nach verschollenen Briefen zwischen den Lambtonschwestern ist, in Pembroke ankommt, wo zumindest Anne Lambton eine gewisse Zeit lebte, begegnen ihr die Dörfler sehr unfreundlich, was Amelie nicht nachvollziehen kann. Seltsamerweise scheint es aber so zu sein, dass sie irgendwann schon einmal in Pembroke gewesen sein muss, denn besonders eine Erinnerung an ein Landhaus im Ort, dass eine blaue Haustür besitzt, hat sich tief in ihr Gedächtnis gegraben. Zumindest der Apotheker des Ortes, Dan bemüht sich um Amelie und steht ihr zusammen mit dem Mitarbeiter der Bibliothek zur Seite, so dass ihr Buchprojekt langsam Formen annimmt. Währenddessen bemüht sich Michael fieberhaft, die Wogen zwischen Amelie und ihm zu glätten. Wird es ihm gelingen, oder werden Amelie durch die Geschichte über Anne Lambton die Augen für die Dinge, die wirklich wichtig im Leben sind, geöffnet?

Der vergessene Strand“ erzählt abwechselnd gleich zwei Geschichten über zwei Frauen, die am Scheideweg ihres Lebens stehen und wichtige Entscheidungen treffen müssen. Während Amelie in der Gegenwart mit Beziehungsproblemen und längst verdrängten, tragischen Erinnerungen an ihre Kindheit konfrontiert wird, haben die Lambton-Schwestern um anno 1888 ganz andere Probleme.
Beatrix, die ältere der beiden Mädchen lernt auf einem Ball den viel älteren Earl Henry Trisk kennen und verliebt sich Hals über Kopf in ihn. Wenig später macht Henry Beatrix einen Heiratsantrag den sie freudig annimmt. Ihre Ehe entpuppt sich trotz allem jedoch als ernüchternd, denn Henry hält sich auch weiterhin Mätressen. Aber Beatrix, ganz eine Frau ihrer Zeit, akzeptiert Henrys Schwächen und schafft sich trotzdem gewisse Vorteile in ihrer Ehe, da Henry seine Frau fast in allen Belangen frei schalten und walten lässt. Während Beatrix gut und über ihren Stand verheiratet wurde, wird Anne von einem Adligen schwanger, der bereits verheiratet ist. In dieser Zeitepoche eine Katastrophe…

Der Autorin ist es meiner Meinung nach sehr gut gelungen, beide Geschichten gleich spannend zu erzählen, wobei angemerkt werden sollte, dass Annes und Beatrix Werdegang zu größten Teilen lediglich in Briefen geschildert wird, was der Spannung aber nicht abträglich ist.
Julie Peters verzichtet bei ihren Schilderungen des historischen Handlungsstrangs auf kitschig triefende Schilderungen diverser Liebesszenen und schafft stattdessen unter die Haut gehende Emotionen, die sehr echt wirken und den Zwiespalt, in dem sich die weiblichen Hauptakteure befinden, sehr gut offenbaren. Es ist jedoch in erster Linie (auch wenn durchaus eine Liebesgeschichte in diesem Roman erzählt wird) ein spannender und berührender Selbstfindungsroman, den man einfach nicht eher weglegen kann, bis man als Leser erfahren hat, wie Amelie sich letztendlich entscheidet und welches Geheimnis die Dörfler in Pembroke vor ihr verbergen.

Kurz gefasst: „Der vergessene Strand“ entpuppte sich für mich als unter die Haut gehender Schmöker, den ich in zwei Tagen ausgelesen hatte und der für mich eines der Lesehighlights im Bereich der Frauen und Familienromane in 2013 darstellt.