Rezensionen

Wildfees Bewertung 05 Sterne.png

Was auf den ersten Blick wie ein historischer Liro mit paranormalen Einschlag wirkt, entpuppt sich nach und nach als einer der ungewöhnlichsten und nicht minder interessantesten Romane, die ich dieses Jahr gelesen habe. Schon alleine die Idee, einen historischen Liebesroman mit paranormalen Elementen zu versehen, macht mich sehr glücklich, werden hier doch meine beiden Lieblingsgenres miteinander vereint. Wenn dann allerdings noch ein ernstes Thema dazukommt und Zeitreise und die Autorin es schafft, sich nicht vollständig zu verzetteln, ist ein Keeper geboren!

Ungewöhnlich ist zum einen für einen historischen Liebesroman der Zeitpunkt der Handlung: Mitten im Rokoko, um 1750, vor dem amerikanischen Unabhängigkeitskrieg. Dann hat man mit den beiden Hauptcharakteren Figuren, die beide magisch begabt sind und sich dieser Magie auch bedienen. Parallel wird die Geschichte einer afrikanischen Sklavin geschildert und ihr Werdegang in Amerika und schließlich treffen alle Protagonisten mittels Zeitreise aufeinander. Sie bekämpfen die Sklaverei bzw. legen die Grundsteine für ihre Bekämpfung durch ihre Reisen in der Zeit.

Bei all diesen Elementen schafft es Putney, sich nicht zu verzetteln und lässt ihren beiden Helden genügend Raum, sich kennenzulernen und sich zu verlieben. Zugegeben, die Wandlung vom Saulus zum Paulus bei Nikolai geht ein wenig rasch, aber das lässt sich verschmerzen. Der Stil ist flüssig und bildhaft, die Charaktere sind allesamt sympathisch und im Prinzip gibt es nichts, was ich bei diesem Roman bemängeln könnte. Aber Achtung: Wer den 1. Teil der Wächter Reihe schon ein wenig langweilig fand, muss sich bis zur Hälfte des Romanes gedulden, bis die Handlung intensiver wird! Für mich hat der Roman jedoch genau das richtige Tempo, aber Geschmäcker sind ja verschieden.

Ein paar Wermutstropfen bzw. Fragezeichen gibt es für mich nur, was die deutsche Ausgabe betrifft: Warum wurde hier der 3. Teil einer Reihe übersetzt und der 2. Teil ausgelassen? In diesem Teil gibt es doch einige Szenen, in denen auf Geschehnisse des 2. Bandes Bezug genommen wird.
Unverständlich wird das Buch dadurch nicht, aber die erfahrene Leserin bemerkt die Lücke schon. Und warum wird für die deutsche Auflage so ein unpassender Titel gewählt? Im Original lautet dieser "A Distant Magic" und "Ferne Magie" hätte viel besser zum Inhalt gepasst.

Kurz gefasst: Wer gerne Romantasy liest und auch ein Faible für historische Liros hat, sollte mit dieser Reihe einen Versuch wagen!

Nicoles Bewertung 04 Sterne.png

Als sich die Wege des Wettermagiers Macrae und die des kleinen Waisenjungen Nikolai in Malta kreuzen, scheint es, als ob Nikolais Leben nun endlich eine Wende erfährt- Macrae spürt sofort, dass in dem Jungen vor ihm magische Fähigkeiten schlummern, die jedoch noch erweckt und geschult werden müssen. Er bietet Nikolai an, ihn mit in seine Heimat, nach Schottland zu nehmen und ihn zusammen mit seinen Kindern wie einen eigenen Sohn aufzuziehen.

Nikolai ist überglücklich- sein Schicksal scheint es endlich gut mit ihm zu meinen und ihm die Armut und das Elend ersparen zu wollen, doch dann kommt es einige Zeit später auf der Fahrt nach Schottland zu einem Piratenüberfall. Nikolai wird von Piraten entführt, doch Macrae eilt ihm nicht zur Hilfe. Der enttäuschte Junge schwört dem Schotten und allen seinen Nachfahren Rache, während er unter Piraten um sein nacktes Leben kämpfen muss…

Viele Jahre später macht sich Macraes Tochter Jean, zwar auch mit magischen Fähigkeiten ausgestattet, die jedoch recht überschaubar und unspektakulär sind, mit dem Schiff auf den Weg zu Freunden. In einem Warenhandel macht sie die Bekanntschaft des teuflisch gut aussehenden, mittlerweile reichen Nikolai. Als er Jeans Nachnamen erfährt, handelt er schnell und kurzentschlossen- er entführt die junge Frau auf sein Schiff.

Nach dem bösen Erwachen ist Jean außer sich, dass ein ihr fremder Mann es gewagt hat, sie zu entführen, angeblich nur, weil ihr Vater ihm einst Unrecht getan hat. Doch Nikolai gibt sich weiter uneinsichtig, auch als er erfährt, dass Jeans Vater schon lange tot ist. Seine Rachepläne will er weiterhin verfolgen, doch es kommt ganz anders, als Jean ihn, sein Schiff und seine Mannschaft rettet…

Nach "Stürmischer Zauber", in dem die Geschichte von Duncan Macrae erzählt wird und dem bislang noch nicht übersetzten zweiten Teil der Reihe „Stolen Magic“, schildert die Autorin nun die Abenteuer von Duncans Schwester Jean, die während der Aufstände in Schottland mutig und voller Tatendrang mit ihren magischen Fähigkeiten englische Soldaten in die Irre führte.

Jean verlor während der Kämpfe auch ihre große Liebe und will sich auf keinen Fall nochmals verlieben oder auf einen anderen Mann einlassen. Doch als sie auf Nikolai trifft, in dessen Adern teils europäisches, teils afrikanisches Blut fließt, kann sie es dennoch nicht verhindern, dass sie sich zu ihm sexuell hingezogen fühlt. Dieser Mann fordert sie durch sein selbstgerechtes, freches Verhalten zudem ständig heraus und bringt sie zur Weißglut. Dagegen ist Nikolai insgeheim recht angetan von Jean, ihrer Intelligenz und ihren magischen Fähigkeiten. Diese Punkte schildert die Autorin sehr glaubwürdig und sorgt dabei für amüsante Momente, die jedoch aufgrund des sehr ernsten Hauptthemas selbstverständlich recht sparsam dosiert wurden.

Bis beide Hauptfiguren sich etwas besser kennen lernen und klar wird, dass das Schicksal beide zusammengeführt hat, liest sich die Geschichte wie ein typischer historischer Liebesroman doch spätestens als eine weitere Hauptfigur eingeführt wird ( ihr bisheriger Werdegang wird in Erzählform ebenfalls zuvor geschildert) entwickelt sich der Roman zu etwas völlig anderem, was wahrscheinlich einige Leser, die hier eine leichte Liebesromanlektüre erwarten, irritieren wird.

Sowohl Nikolai als auch Jean verschreiben sich dem bedingungslosen Kampf gegen die Sklaverei, bei dem sie auch ihre magischen Fähigkeiten einsetzen. Sehr positiv fand ich, dass die Autorin sich sehr ernst und seriös mit diesem Thema auseinandergesetzt hat und es nicht nur als Mittel zum Zweck missbraucht. Allerdings führt dieser Wechsel aber auch dazu, dass die Liebesgeschichte zwischen Jean und Nikolai immer weiter ins Hintertreffen gerät und nur noch reine Nebensache wird. Für Liebesromanfans wird das sicherlich ein Kritikpunkt sein, für Leser, die jedoch bereits im Vorfeld wissen, dass „Die starken Fesseln der Sehnsucht“ eher ein reiner historischer Roman mit magischen Fantasyelementen ist, dürfte die Enttäuschung weniger groß ausfallen. Dafür sorgt schon allein der gewohnt gute Schreibstil der Autorin- ihre Leidenschaft, mit der sie das Hauptthema des Romans ins Licht rückt und wie die Gedankengänge und Einstellungen ihrer Protagonisten den Leser dazu anregen, sich ebenfalls ernsthaft mit dem Thema Sklaverei auseinanderzusetzen.

Als einzigen Kritikpunkt möchte ich anmerken, dass man nach der ersten sehr liebesromanlastigen Hälfte des Romans das Gefühl bekommt, die Autorin konnte sich selbst schlecht entscheiden, was sie aus ihrer Geschichte wirklich machen möchte. Diese Unentschlossenheit führt dann auch zu kleinen Längen innerhalb der Geschichte. Abgesehen davon fand ich den aktuellen Roman von Mary Jo Putney allerdings sehr stark!