Rezensionen

Ankes Bewertung 02 Sterne.png

Ich weiß gar nicht so genau wo ich hier eigentlich anfangen soll, vielleicht fange ich einfach mal mit dem offensichtlichsten an: „Wie widersteht man einem Earl?“ hat meine Hoffnung auf ein unterhaltsames Hörerlebnis enttäuscht.

Sicher es war die Namensverwandtschaft und die Tatsache, dass die Geschichte als Hörbuch veröffentlicht wurde, die mich begeistert hat, zu Ella Quinns „Wie widersteht man einem Earl?“ zu greifen. Schließlich hat man dieser Tag als Historical-Liebhaber nur wenige Optionen. Und schon deshalb habe ich die Geschichte wirklich mögen wollen.

Doch bereits der Anfang der Geschichte ließ mich bedenklich die Stirn runzeln: sie, Grace, verführt ihn, Matt, weil sie ihn schon so lange begehrt und auch mal eine Nacht Spaß haben will, heiraten kann sie ihn schließlich nicht (wegen ihrer jüngeren Geschwister). Dabei wird überhaupt nicht erwähnt, dass ein Skandal ihr und ihrer Familie weit mehr schaden würde, als es das Abenteuer wert wäre.

Doch dazu kommt es nicht. Denn Matt verliebt sich auf den ersten Blick und will Grace vom Fleck weg heiraten. Dieser (leider allzu perfekte) Märchenbuch-Held will weder ihre Mitgift noch ihr die Kinder absprechen. Ganz im Gegenteil, er tut alles, um Grace davon zu überzeugen, dass er gerne, für Summa Summarium 11 Kinder, plus möglicherweise eigene, von Grace und ihm, die Verantwortung auf sich nimmt, ja sich sogar auf eine große und chaotische Familie freut, wenn er doch nur Grace an seine Seite bekommt.

Wo also ist das Problem? Zugegeben, Grace darf Matt misstrauen, schließlich hat sie lange und hart dafür gekämpft ihre Geschwister bei sich behalten zu dürfen; nach dem Tod der Eltern sollten die Kinder auf die Verwandtschaft aufgeteilt werden. Doch darüber hinaus bewegte sich ihre Argumentation auf sehr dünnem Eis. Gründe finden, statt Wege suchen, ist nie sonderlich unterhaltsam zu verfolgen, finde ich. Vor allem da Matt als die Bodenständigkeit in Person beschrieben wird; sein einziges (nerviges) Laster, er kann die Finger nicht von Grace lassen.

Doch statt irgendwann einmal zum Punkt zu kommen, lenkt die Autorin ab der Hälfte der Geschichte die Aufmerksamkeit des Lesers oder Hörers, auf Nebenplots, die wie aus dem Nichts zu kommen scheinen. Seufz. Dann war es auch mit meinem Interesse vorbei.

Ich fand das sehr schade, weil ich Grace und Matt als grundsätzlich sympathische Charaktere empfand und ihre chaotische Familiensituation für viel Lese-Spaß hätte sorgen können. Doch wegen Graces bemühtem „Gründe dagegen finden“ und Matts leichtem „Probleme aus dem Weg räumen“ trat die Geschichte praktisch von Anfang an auf der Stelle.

Kurzgefasst: Einer interessanter Ausgangssituation, folgt ein ermüdendes hin und her.