Rezensionen

Ankes Bewertung 04 05 Sterne.png

Wie sich herausstellte, war es keine gute Idee von Warren Harper, für ein Annähern an seine 6-jährige Tochter Emma, ausgerechnet einen Wander- und Campingtrip in den Olympic National Park zu unternehmen! Denn als er am Morgen aufwachte, war Emmas Schlafsack neben ihm leer.

In seiner verzweifelten Suche nach seiner kleinen Tochter, engagiert er nun die anziehende Hundetrainerin Angel Burns, mit ihrem Suchhund Moonlight.
Doch das letzte, das Warren nun gebrauchen kann, sind Gefühle für seine Führerin Angel, doch weder sie, noch er, können sich der gegenseitigen Anziehung erwehren.
Denn die Situation verschärft sich, als sie erfahren, dass im selben Gebiet auch zwei entflohenen Sträflingen unterwegs sind, deren Weg eine Spur von Toten säumt und die nun aller Wahrscheinlichkeit nach auch Emma in ihrer Gewalt haben.

Es ist viel zu lange her, dass ich das letzte Mal ein Buch der Autorin in der Hand hatte! Ein Fehler, den ich einfach nicht machen sollte, denn Michelle Ravens Art, aufregende Geschichten zu erzählen, sollte einen einfach dazu animieren, dass man ihre Bücher nicht einfach nicht so lange ungelesen im Regal schmoren lässt!

Das Stichwort was mich am Buch (und überhaupt an den Büchern der Autorin so begeistert) heißt: detailliert. So verfügt auch "Ohne Gnade" über ein Detailreichtum, das die Geschichte, wie einen Film vor dem inneren Auge ablaufen lässt, ohne auch nur einen Moment zu langweilen.

In die Geschichte um eine Kindesentführung von gewaltbereiten Straftätern, eine Liebesgeschichte einzubauen, in die der Suchende, in diesem Fall sogar der Vater des Kindes, involviert ist, hielt ich für ziemlich riskant. Denn wer will schon lesen, wie sich ausgerechnet der sich sorgende Vater von seiner Libido ablenken lässt?

Doch die Autorin meistert die Situation wirklich hervorragend und blieb für mich zu jeden Zeitpunkt nachvollziehbar.
Allerdings beinhaltete ihre Strategie auch, dass die Liebesgeschichte Randerscheinung bleiben muss und nur wenig Raum einnehmen darf. Nur so passt sie perfekt in die Geschichte, auch wenn ich es als begeisterter Liebesromanleser, der in erster Linie Liebe und dann erst Spannung lesen will, dennoch bedauert habe.

Michelle Raven hat mich jedoch damit entschädigt, dass sie die Geschichte nicht nur aus Warren und Angel Sicht erzählt, sondern Teile der Geschichte auch aus der Sicht der Täter und des FBI-Mannschaft, die sich mit dem Fall befasst, erzählt.

Dadurch wird die Handlung vielfältiger und abwechslungsreicher. Es kommt keine Langweile auf, da man als Leser so eine ganze Reihe an interessanten Figuren kennen lernt, die, so hoffe ich, mir in weiteren Romanen der Autorin erneut begegnen werden.

Kurz gefasst: "Ohne Gnade" ist in erster Linie eine flott erzählte Spannungsgeschichte, die zwar auch eine Liebesgeschichte erzählt, diese jedoch nicht in den Mittelpunkt stellt - und als solche absolut empfehlenswert!

Nicoles Bewertung 04 Sterne.png

Warren Harper, ein Soldat, wird bei einem Einsatz im Kriegsgebiet schwer verwundet, als der Wagen seiner Einheit über eine Mine fährt. Zwar verheilen im Laufe der Zeit seine äußerlichen Wunden, doch die seelischen Narben bleiben. Traumatisiert und desillusioniert, getrennt von seiner Frau, die seine langen, gefährlichen Einsätze nicht mehr ertragen konnte, ist ihm nur noch seine kleine Tochter Emma geblieben. Doch die Vater-Tochter Beziehung gestaltet sich ebenfalls sehr mühsam, da Emma anzweifelt, dass Warren sie über alles liebt, weil er seit sie geboren wurde, fast nie da war für sie.

Ein Campingausflug im Olympic National Park soll dafür sorgen, dass sich beide wieder näher kommen, doch nur einen Tag nach ihrer Ankunft verschwindet Emma spurlos. Warren ist verzweifelt; hin und hergerissen zwischen der Befürchtung Emma könne wegen ihm ausgebüxt sein, oder gar Entführern in die Hände gefallen sein. Er bittet in der Rangerstation um Hilfe, doch sämtliche Ordnungshüter sind momentan an einer anderen, sehr wichtigen Sache dran. Ein Gefangenentransport verunglückte und es gelang beiden Häftlingen dabei zu entkommen. Hinterlassen haben sie eine Spur der Verwüstung und eine Reihe Leichen pflastern ihren Weg. Während der eine von ihnen als brutaler, gefühlloser Mörder ohne Reue gilt, ist Damon Thomas bislang ein mustergültiger Sträfling gewesen, der stets seine Unschuld an einem Mord, der ihm zu Last gelegt wird, beteuerte. Was Warren und das FBI, das hinzugezogen wird, um die Häftlinge, die sich auf der Flucht im Park befinden, wieder einzufangen, zu diesem Zeitpunkt nicht wissen, ist die Tatsache, dass Emma sich bereits in den Händen der Männer befindet.

Während das FBI fieberhaft weitersucht, wendet sich Warren an die Hundeführerin Angel Burns, die sich zusammen mit ihm und ihrem Spürhund Moonlight schließlich auf die Suche nach Emma begibt. Werden sie Emma aus den Händen ihrer Entführer befreien können?

„Ohne Gnade“ ist der erste Teil einer neuen Romantic Suspense Reihe der Autorin Michelle Raven, der den Leser gleich von Beginn an mit einer ganzen Reihe an unterschiedlichsten Haupt und Nebenfiguren vertraut macht. Zugegeben, es dauert eine ganze Weile, bis man alle Namen und Charaktere unter einen Hut bringt, doch ist es einmal so weit, erwartet einen eine zunächst sehr spannende Story, die atmosphärisch dicht geschrieben ist. Die ersten 200 Seiten lesen sich, wie erwähnt dann auch wie im Flug, man bangt mit der kleinen Emma, und hofft inständig, dass ihr Vater Warren, Führerin Angel und ihr Hund Moonlight sie noch rechtzeitig retten können. Doch trotz der Tatsache, dass die Autorin einen sehr guten, bildhaften Schreibstil an den Tag legt, so dass man sich die Örtlichkeiten sehr gut vor seinem geistigen Auge vorstellen kann und die Geschichte gleich aus mehreren Blickwinkeln vorangetrieben wird (aus der Sicht eines der Entführer, aus Warrens, Angels und auch aus Sicht der FBI Leute) was ein wenig mehr Abwechslung herein bringt, fand ich, dass der Roman gut und gerne etwas weniger Seitenzahlen hätte vertragen können. Zwar müssen die Akteure unterwegs im Park mehrere gefährliche Situationen überstehen, doch gerät der Handlungsverlauf leider ab einem gewissen Zeitpunkt auch ein wenig vorhersehbar, so dass ich mir das Showdown am Ende, ein wenig früher eintretend gewünscht hätte.

Zudem erinnerte mich „Crossroads“, an einen Linda Howard Roman mit dem Titel „Lauf so schnell Du kannst“, den ich letztes Jahr las, der mit einem ähnlichen Setting aufwartet, darin ist es jedoch eine Wildnisführerin die in arge Bedrängnis gerät. Die Storyline ist anders, aber die Grundstimmung wirkte auf mich gleich, was mein Leseinteresse dann etwas abflachen ließ, was aber nicht der Autorin anzulasten ist, die dafür ja nichts kann, dass der Linda Howard Roman noch so präsent in meinem Hinterkopf gespeichert war.

Sehr gut charakterisiert finde ich Warren. Seine traumatischen Erlebnisse, die er seit seinen Kriegseinsätzen mit sich herum trägt, werden eindrücklich und glaubhaft von der Autorin geschildert und man kann sich zudem sehr gut in ihn hineindenken.
Auch Angel, die Hundeführerin, deren Stiefvater ein Indianer war, wird interessant und facettenreich beschrieben, so dass auch sie einen sympathischen (Lese)Eindruck bei mir hinterließ.
Die Liebesgeschichte zwischen den beiden empfand ich leider als nicht ganz so glaubwürdig gestrickt, da ich es mir einfach nicht vorstellen konnte, dass ein verzweifelter Vater, in dem Bewusstsein, dass sich seine Tochter in den Händen von gefährlichen Männern befindet, die diese jederzeit töten können, überhaupt Gedanken auf die Attraktivität der Hundeführerin verschwenden würde oder sich gar sexuell zu ihr hingezogen fühlt . Zudem fehlten mir einfach ein wenig mehr Kennenlerngespräche der beiden, bis sie sich näher kommen. Aber trotz meiner Kritikpunkte, habe ich mich gut unterhalten beim Lesen gefühlt und bin schon sehr gespannt auf den nächsten Band der Reihe.

Kurz gefasst: Spannendes Katz und Mausspiel in einem Nationalpark- der 1. Teil der neuen „Crossroads“ Serie wartet mit einem facettenreichen Heldenpaar auf, ist hinsichtlich des Storyverlaufs jedoch für meinen Geschmack etwas vorhersehbar und hätte ein paar Seitenzahlen weniger vertragen können. Nichtsdestotrotz überzeugt die Autorin durch ihren bildhaften Schreibstil.