Rezensionen

Ankes Hörbuch Bewertung 04 Sterne.png

Mit der TV-Serie Bones konnte ich mich nicht anfreunden, doch fand ich schon beim Schauen die Figur der Tempe Brennan als sehr interessant. Erst als "unsere" Chris, die ein großer Fan der Serie ist, mich darauf aufmerksam machte, dass die Autorin Kathy Reichs für die Grundfigur der Tempe verantwortlich ist und bereits eine ganze Reihe Bücher mit ihr als Heldin geschrieben hat, merkte ich auf. Insbesondere da die Bücher, auch als Hörbücher angeboten werden; mein bevorzugtes Medium.

Die TV-Serien Tempe und die Original Tempe unterschieden sich nicht nur im Alter, sondern auch in Charakter und Biografie. Ich finde, dass die Tempe aus den Büchern um einiges interessanter und (angenehm) sperriger ist; was aber auch daran liegen kann, dass die Figur im Mittelpunkt steht und "Tote lügen nicht" in der Ich-Form erzählt wird.

Sehr faszinierend fand ich das Setting in Québec, Kanada. Sogar in der deutschen (weil gewissermaßen neutralen) Übersetzung, bekommt man einen guten Eindruck vom Sprachgemisch und der Vermischung von amerikanischer, bzw. kanadischer und französischer Lebensart.

Der Suspense Plot um einen Serienmörder ist solide und weiß die Spannung bis zum Ende zu halten. Die vielen forensischen Details, die die Autorin in die Geschichte mit einfließen lässt, sind hochinteressant aufbereitet und wussten mich immer wieder zu faszinieren.

Mit akribischer Genauigkeit beschreibt die Figur Tempe ihren Tagesablauf, ihre Gedanken und Beobachtungen. Diese Detailgenauigkeit ist meiner Meinung nach Segen, wie Fluch.
Auf der einen Seite ermöglicht das sehr spannende Einblicke in den Charakter der Ich-Erzählerin, in ihre Arbeit und bietet so natürlich auch ein grandioses Kopfkino. Auf der anderen Seite überfordert es aber auch irgendwann; zumindest ging es mir so. Denn auch nebensächliche Beobachtungen Tempes, wie etwa Passanten auf der Straße, die die Geschichte nicht voranbringen, werden ebenso detailbesessen geschildert.
Insbesondere im letzten Teil der 2. Hälfte, wenn Tempes Besorgnis sich zu dem sich ständig wiederholenden Gedankenkarussell geformt hat, konnte ich bei mir beobachten, wie meine Aufmerksamkeit abdriftete.

Manchmal konnte ich gut verstehen, manchmal sogar von Herzen nachfühlen, warum Tempe so oder so agiert, dann wiederum konnte ich nur den Kopf schütteln über eine Unvernunft, die einfach nicht stimmig zu sein schien.
Womöglich lag das auch ein wenig an der Sprecherin, die obwohl vom Alter her perfekt passend, sich in manchen Situationen ein wenig zu jung anhörte.
Dass ihr keinen falschen Eindruck bekommt, Ranja Bonalana ist definitiv eine tolle Sprecherin und ihre Stimme verschmolz für mich beim Hören schnell mit der Figur der Tempe. Zumal sie auch den Charakter-eigenen Sarkasmus richtig gekonnt rüberbringt und mich damit immer wieder zum Schmunzeln brachte.

Kurz gefasst: Ein atmosphärisch dichter, detailreich geschilderter und dabei höchst unterhaltsamer Thriller. Als ungekürztes Hörbuch hervorragend gelesen von Ranja Bonalana.