Rezensionen

Nicoles Bewertung 05 Sterne.png

Kat McCall war kein unschuldiger Teenager. So hatte ihre ältere Schwester Sara, nach dem Unfalltod der Eltern, alle Hände voll zu tun, Kat als Ersatzmutter zur Seite zu stehen. Besonders, nachdem sich Kat mit anderen Jugendlichen einließ, die in dem kleinen Örtchen inmitten der Südstaaten, schon einen sehr schlechten Ruf genossen. Nach einem folgenschweren Streit zwischen den Schwestern, bei dem Kat keinen Hehl daraus machte, dass sie wünschte, Sara wäre tot, geschah das Unfassbare. Kat fand ihre Schwester am frühen Morgen mit zertrümmertem Schädel in der Küche liegend auf und rief die Polizei. Diese schoss sich sehr schnell auf Kats Schuld ein, auch die Dörfler waren klar auf Seiten der Polizei, doch Kat wurde letztendlich freigesprochen und zog in eine andere Stadt.

Jahre später ist Kat eine erfolgreiche Geschäftsfrau und Bäckerin. Sie ist zurückgekommen in ihren Heimatort, weil sie endlich in Erfahrung bringen will, wer ihre Schwester wirklich damals auf solch brutale Art tötete. Im Ort schlägt ihr jedoch die gleiche Feindseligkeit entgegen, wie damals. Lediglich der frischgebackene Polizeichef Luke, pikanterweise der Sohn des Mannes, der Kat damals als Hauptverdächtige überführen wollte, glaubt fest an ihre Unschuld und rollt den Mordfall an Kats Schwester und den Mord an einem Police Officer, der am gleichen Tag im Dienst ermordet wurde, wieder auf.
Kat will sich jedoch nicht damit zufrieden geben, abzuwarten und so mischt sie sich in Lukes Ermittlungen ein. Mit gefährlichen Folgen für sie, denn ein unheimlicher Stalker, der ihr seit dem Todestag ihrer Schwester regelmäßig anonyme Briefe schickt, scheint zusammen mit Kat in die Heimat zurückgekehrt zu sein….

Als ich entdeckte, dass der MIRA Verlag einen neuen Erica Spindler Roman im Programm hat, freute ich mich sehr, denn die Romane der Autorin gehören seit vielen Jahren schon zu meinen absoluten Autobuys. Erica Spindlers Romane haben nämlich eine besondere Aura zu bieten- sie gehen unter die Haut, denn die Autorin erzählt von völlig normalen Menschen, die sich innerhalb der Geschichte verwandeln bzw. innerlich völlig anders gestrickt, sehr vielschichtiger sind, als man zunächst vermutet.
Bis deren Innerstes nach außen gekehrt wird, dauert es eine ganze Zeit, denn Spindler baut durch Vergangenheitserlebnisse ihrer Protagonisten zunächst eine Art Vertrauensbasis zwischen ihren Figuren und ihrer Leserschaft auf, bzw. führt den Leser erst ganz behutsam an die Figuren heran bis zum spannenden Showdown.
Und genau dieser Punkt verstört dann besonders, denn er macht begreiflich, dass das wahre Grauen oftmals auch dort lauert, wo man es nicht sucht.

Ein weiterer Pluspunkt der die Romane der Autorin so spannend macht ist, dass sie es versteht, geschickt falsche Fährten zu legen; somit bleibt die Spannung bis zum Ende gewahrt und der Leser muss sich gründlich anstrengen, um vorher dahinter zu kommen, wer der Täter wirklich ist. Und genauso verhält es sich auch in „Das Blut meiner Schwester“. Obwohl ich diesmal in Sachen Tätersuche von Beginn an einen gewissen Verdacht hegte, der sich zum Teil am Ende des Romans auch bestätigte, hätte ich so manch andere Vorgänge und Taten, ausgeführt von diversen Nebenfiguren, dann doch so niemals vermutet, so dass ich gespannt bis zur letzten Seite weiter las. Man sollte sich nichts anderes vornehmen, wenn man diesen Roman lesen möchte, denn er ist ein regelrechter Pageturner! Schlaflose Nächte sind also garantiert, wenn man den Fehler begeht, das Buch vor dem Schlafengehen zu beginnen.

Während der Kriminalplot sehr spannend und atmosphärisch dicht geschrieben ist, entpuppte sich, die sich langsam anbahnende Liebesgeschichte zwischen Kat und Luke, für meinen Geschmack eher schmückendes Beiwerk, auf dass die Autorin im Grunde auch ganz hätte verzichten können.
Während Luke, der Held des Romans charakterlich etwas blasser geschildert wird und ich mir eine etwas größere Aussprache zwischen ihm und seinem Vater gewünscht hätte; erfährt man als Leser dagegen sehr viel über die Heldin: Ihre Ängste und ihr schlechtes Gewissen wegen ihres damaligen, bockigen Teenieverhaltens sind fast greifbar für den Leser beschrieben und man kann sich sehr gut Kat hineinfühlen, wenn einen auch hier und da der Gedanke beschleicht, dass sie schon ein wenig eine TSTL Heldin ist. Denn sie begibt sich sehr oft, allein und völlig bewusst in große Gefahr. Normalerweise strafe ich ein TSTL Verhalten immer mit einem Punktabzug ab, doch in diesem Fall möchte ich dennoch eine Ausnahme machen, weil die Thrillerhandlung so spannend war.

Kurz gefasst: Überlege gut, wem Du traust! Atmosphärisch dichter und spannender Pageturner für Psycho-Thriller Fans.