Rezensionen

Nicoles Bewertung 04 Sterne.png

Serena, die die Fähigkeit hat, durch bloßes Berühren ihrer Hände die Gefühle, Gedanken und Erinnerungen anderer Lebewesen zu sehen, lebt zusammen mit ihrer Mutter Calandra zurückgezogen in einer kleinen Kate inmitten eines Waldes in England.

Eines Tages findet Serena am Strand einen bewusstlosen Mann, der krampfhaft einen Beutel in Händen hält. Als sie ihre Mutter bittet, ihm helfen zu dürfen, verweigert sie Serenas Wunsch entschieden, denn sie hat keinerlei Vertrauen zu Männern im Allgemeinen und möchte nicht, dass sich Serena wegen einem Mann in Gefahr begibt. Doch Serena lässt der Gedanke nicht mehr los, dass der Mann vielleicht sterben könnte, wenn sie ihm ihre Hilfe verweigert und so will sie ihm trotz der Verbote ihrer Mutter helfen und begibt sich ein zweites Mal zum Strand. Als sie ihn berührt, durchströmen sie sämtliche aufgestauten Gefühle, die der Mann in sich trägt und erschreckt von den düsteren Gedanken, wird sie für eine Weile bewusstlos.

Der Mann den sie am Strand aufgelesen hat, ist Randwulf of Greycliffe. Randwulf hatte einst für einen Freund ein Artefakt verwahrt, das Silas de Mortain, ein Mann der sich die schwarze Magie zu Eigen gemacht hat und eine Reihe von Gestaltwandlern befehligt, unbedingt an sich bringen wollte. De Mortains Schergen überfielen damals Randwulfs Anwesen und töteten seine Frau und seinen Sohn. Nun lebt Randwulf nur noch zu einem Zweck- um Rache an dem Mann zu üben, der ihm das Liebste nahm, was er hatte. Seine Familie.

De Mortain will zudem vier Kelche an sich bringen, die dem Besitzer Macht, Unsterblichkeit, Frieden und Wohlstand schenken. Diese vier Kelche waren einst ein einziger Kelch mit vier kostbaren, magischen Edelsteinen besetzt. Ein Kelch der von einem Menschen mithilfe einer Prinzessin, die aus einem Reich jenseits unserer Welt stammte, gestohlen wurde und dann in vier Teile zerbrach und von diesem Zeitpunkt an, als verschollen galt.
Die Prinzessin wurde auf ewig aus Anavrin verbannt...

Nachdem Randwulf klar wird, dass von Serena keine Gefahr ausgeht, soll sie seine Wunden versorgen und er nimmt für diese Zeit Serenas und Calandras Gastfreundschaft in Anspruch. Calandra ist erbost über die anmaßende Art und Weise die Randwulf an den Tag legt und auch ein wenig erschreckt über seinen aufbrausenden Charakter. Sie befürchtet das Schlimmste. Womit sie jedoch nicht rechnet, ist, dass es Serena gelingt, nach und nach Randwulf in seinem Schmerz über den Verlust seiner Familie zu trösten. Serena verliebt sich in Randwulf, ist jedoch verzweifelt, denn sie weiß genau, dass Randwulf eine wichtige Aufgabe, neben seiner Rache an Silas de Mortain zu erfüllen hat und ihnen beiden deswegen keine gemeinsame Zukunft vergönnt sein kann...

Im dritten Teil der Drachenkelch Reihe von Tina St. John alias Lara Adrian, ist es nun an Randwulf of Greycliffe, dessen Familie von dem Bösewicht dieser Reihe, Silas de Mortain getötet wurde, das noch letzte verschollene Teilstück des magischen Drachenkelches zu finden und vor Silas de Mortain in Sicherheit zu bringen. Aber Randwulf will mehr als nur das- er will Rache und Silas für den Mord an seiner Familie töten.
Dieses Unterfangen stellt sich als äußerst gefährlich heraus, denn Silas de Mortain hat schon seine Helfershelfer, düstere Gestaltwandler, ausgeschickt um Randwulf und die zwei Teile des Drachenkelches in dessen Besitz Randwulf dank seiner Freunde ist, zu finden.

Randwulf ist wie auch die beiden anderen Helden in der Reihe ein typischer „Tortured Hero“.
Ihm zur Seite gestellt wurde mit der weiblichen Figur Serena ein völlig gegensätzlicher Charakter. Wo Randwulf durch seine grauenvollen Erlebnisse bedingt, die Welt nur noch voller Düsternis und völlig verblendet vor Hass auf de Mortain betrachtet, ist es Serena, die Randwulf durch ihre offene, freundliche und ehrliche Art versucht zu heilen und ihm zu helfen, die Trauer über den Verlust seiner Familie endlich zuzulassen und zu verarbeiten.

Obwohl ich den Plot, die gemeinsamen Gespräche der beiden Hauptfiguren durchaus anrührend fand, hatte ich doch ein kleines Problem mit Serena. Sie war für meinen Geschmack doch ein wenig zu gut für diese Welt und auch wenn die Autorin es durchaus plausibel für den Leser erklärt hat, wieso Serena so selbstlos und friedfertig war- mir war es einfach „too much“, denn so wirkte sie auf mich fast wie eine „Heilige“ und ein wenig farblos und langweilig. ;-)

Ein weiterer Grund wieso ich diesen dritten Teil der Reihe etwas schwächer als seine Vorgängerbände fand, war, dass in der ersten Hälfte des Buches einfach zu wenig passiert. Obwohl ich es durchaus schätze, wenn Liebesromanautoren ihren Figuren viel Raum und gemeinsame Dialoge geben, um dem Leser der Liebesbeziehung des Romans einen Touch von Realität zu vermitteln- hier wurde es mir doch eine Spur zu lang ausgebreitet und ich musste mich ein wenig zwingen, weiterzulesen.

Ab der Mitte des Buches geht es jedoch dann wieder wie gewohnt spannend weiter und die Geschehnisse überschlagen sich regelrecht bis zum endgültigen Showdown am Ende des Buches. Obwohl es natürlich ein Happy End geben wird, ahnt man als Leser jedoch, dass der dritte Teil keinesfalls der letzte sein kann, was sich auch bestätigt, wenn man sich auf der Webseite der Autorin umschaut, denn Draec le Nantres Abenteuer mit dem Drachenkelch steht noch aus...