Rezensionen

Kas Bewertung 05 Sterne.png

"Hunter´s Moon" von Britta Strauß spielt im Jahre des Herrn 1795. Die Autorin entführt den Leser nach Fort Manners, einem Handelsposten der Hudson Bay Company in Alberta.

Kate musste in ihrem Leben schon viele Verluste einstecken. Sie verlor ihre Mutter, ihren Vater. Nach dessen Tod, nimmt ihr Onkel Williams, der Captain über Fort Manners ist, sie und ihre Schwester, mit in die Wildnis von Alberta, wo Kate noch das Liebste genommen wird: ihre Schwester. Kate steht - als einzige Frau des Forts - unter dem Schutz ihres Onkels. Er führt ein strenges Regime und schreckt auch vor drakonischen Strafen nicht zurück, wenn einer der Männer seinem Sinn zuwider handelt. Kate ist Williams Augapfel, doch das, wird auf einen harten Prüfstein gestellt. Zudem macht sich Unzufriedenheit und große Angst unter den Fort-Bewohnern breit, als es zu grausamen Übergriffen einer Bestie kommt …

Kainah, lebt am Rande eines Blackfoot-Lagers. Nicht ganz grundlos, denn er ist der einzige, der je gegen die Bestie gesiegt hat. So betrachten ihn die anderen Blackfoot mit misstrauischen Augen. Einerseits verehren sie ihn, ob seiner Kraft. Andererseits fürchten sie ihn, wegen seiner Kraft, bei der es nicht mit rechten Dingen zuzugehen scheint. Nachdem die Bestie auch im Fort zugeschlagen hat, machen sich Williams, der Trapper Daniel und Kate, daher ins Lager der Blackfoot auf, um dort um die Hilfe von Kainah zu bitten. Ein Anliegen mit schwerwiegenden Folgen, denn Kainah und Kate gehen einen Blutschwur ein, der sie aneinander bindet...

Bildhaft, voller spannender Momente, folgt der Leser den fantastischen Pfaden, auf die ihn Britta Strauß führt. In "Hunter's Moon" scheint nichts so zu sein, wie es ist. Und der Wahnsinn, der über Fort Manners schwebt, sickert regelrecht aus den Seiten. Aberglaube und Engstirnigkeit herrschen ebenso wie die klirrende Kälte, die einem während des Lesens fast vor dem Mund Wölkchen entstehend lässt, doch gewärmt von dem Feuer, dass zwischen Kate und Kainah brennt und uns Leser innerlich wieder "auftaut". Die Autorin spinnt einen düsteren Erzählfaden, der uns nicht nur mit menschlichen Abgründen konfrontiert, sondern den Leser auch auf phantasievolle Weise zu unterhalten vermag.

Die Charaktere, die Britta Strauß zum Leben erweckt, sind so vielseitig wie das Leben selbst. Nehmen wir Kate, eine Frau, die es in einer von Männern dominierten Welt nicht leicht hat. Herausgerissen aus der "feinen Gesellschaft" Bostons, wird sie nun mit einem Leben konfrontiert, dass sie nicht zu leben gelernt hat. Doch sie beißt sich durch und bietet dem Leser einen sympathischen Charakter mit innerer Stärke. Kainah ist ein interessanter Mann, bei dem es Spaß macht, ihn immer besser kennen zu lernen. Angefangen von Misstrauen und Neugierde, die er Kate entgegen bringt, bis hin zu unendlicher Liebe. Daniel, ein Trapper, greift vielleicht nicht immer zu lauteren Mitteln. Doch er ist in einer Welt, die von einem despotischen Captain, dessen Charakter und Wahnsinn sich immer mehr offenbart, so etwas wie ein Lichtblick in der Geschichte. Nicht nur für Kate!

Überhaupt sind die Protagonisten aus "Hunter's Moon" sehr gut beleuchtet. Man hat sie beim Lesen vor Augen, egal ob nun die Hauptdarsteller, oder Nebendarsteller wie z.B. den alten, klapprigen Ebenizer, den Arzt, dem Kate selbstlos zur Seite steht, oder Andrew, Williams Mann fürs Grobe, dem ich sein fieses Grinsen nicht nur einmal gerne aus dem Gesicht geschlagen hätte. Summa summarum ist "Hunter's Moon" eine Geschichte, die für Überraschungen sorgt - gefühlsintensiv, manchmal sehr traurige, was einem die Augen mit Tränen füllt - und den Leser zu einem ungewöhnlichen Happy End entführt. 5 Lesepunkte.

Kurz gefasst: "Hunter's Moon" ist eine magisch düstere Erzählung, in der die Liebe Unendlichkeit erreicht.