Rezensionen

Pattys Bewertung 04 Sterne.png

Wir befinden und in den sechziger Jahren, es war bisher noch kein Mann auf dem Mond. Kitty leitet mit ihrer Freundin Frida eine Buchhandlung, die leider durch Umstrukturierungen ihrer Stadt kurz vor dem Konkurs steht. Sie ist eine alleinstehende, unabhängige junge Frau in einem Jahrhundert, in dem die meisten Frauen ihr höchstes Ziel in einer Familie sahen. Leider hat Kitty nie den Mann für ihr Leben getroffen, zweimal war sie kurz davor. Der Zweite, Lars, kam ihrem Traummann schon sehr nahe, sie hatten sich über eine Kontaktanzeige in einer Zeitung kennen gelernt und nur einmal miteinander telefoniert. Dies aber ziemlich lange und als Kitty voller Hoffnung darauf wartet, ihm endlich gegenüber zu stehen, erscheint Lars einfach nicht. Sie war ihm wohl doch nicht so wichtig - also konzentriert sie ihr Leben anschließend auf ihren Beruf und ihre kleine Buchhandlung. Aber eines Tages passiert etwas Merkwürdiges.

Eines Morgens erwacht sie in einem fremden Schlafzimmer, in dem ein gut aussehender Mann ihr einen guten Morgen wünscht und sie bittet, nach ihrer kranken Tochter zu sehen. Der Mann ist tatsächlich Lars, ihr fast Traummann - und anscheinend hat sie in ihren Träumen eine Familie mit ihm. Dazu gehören auch noch Drillinge, die entzückende Missy, der schelmische Mitch und Michael, der irgendwie nicht so richtig in die Welt gehört. Er benimmt sich seltsam, alles muss seine Ordnung haben und wenn etwas nicht so läuft wie gewohnt, lässt er sich kaum mehr beruhigen. Autismus war damals kaum bekannt, geschweige denn diagnostiziert, die Medizin steckte hier noch in ihren Kinderschuhen. Schon bald ist Kitty hin- und hergerissen, zwischen dem Leben mit ihrer Familie und ihrem anderen Leben mit ihrer Buchhandlung. Was ist besser, eine Familie, die bei allen Entscheidungen mit einbezogen werden muss, deren Wohlergehen an erster Stelle stehen sollte - oder das Leben als Unabhängige, die ganz alleine nur für sich selber verantwortlich ist, vielleicht noch für ihre Freundin.

Was wäre wenn - eine beliebte Frage, der bestimmt jeder auf den Grund gehen will. Wer möchte nicht wissen, wie sein Leben verlaufen wäre, wenn mal eine andere Entscheidung gefällt wurde. Kitty, bzw. Katharyn schwankt zwischen ihren Leben und schon bald kann sie sich nicht mehr entscheiden, welches ihr denn nun besser gefällt. Genauso schwankt der Leser mit ihr mit - und schnell läuft alles auf die entscheidende Frage zu, welches denn nun ihr richtiges Leben ist. In beiden gibt es Vor- und Nachteile, was es in dem einen Leben gibt, ist im anderen nicht vorhanden. Dafür gibt es dann anderes, was genauso schön oder schlecht ist. Die Autorin versteht es sehr gut, die Unterschiede der beiden Leben heraus zu stellen, ohne zu bewerten oder zu beschönigen. Zudem ist es auch noch eine Zeitreise zurück in die Sechziger, in der Frauen in ihren Entscheidungen lange nicht so frei waren wie heutzutage. Durch geschickte Wendungen ist die Geschichte niemals vorhersehbar, im Gegenteil, es sind eine Menge Überraschungen eingebaut, die den Leser genauso verwirren wie Kitty und alle bis zum Schluß nie sicher sind, was nun Traum oder Realität ist. Die Charaktere sind liebenswürdig und realistisch, ihr Leben ist nachvollziehbar genauso wie ihre Entscheidungen. Dem Leser wird dabei immer klarer, wie uns Entscheidungen prägen - genau wie die Wünsche, so manches würde anders sein.

Kurz gefasst: Wie würde ein anderes Leben für uns aussehen? Wäre es besser? Schlechter? Genauso gut? Was bleibt, was geht, was kommt dafür? Diesen Fragen werden in Als ich erwachte von Cynthia Swanson gestellt - und auf einer äußerst spannenden Reise in die Vergangenheit beantwortet - zumindest regen die Antworten zum Nachdenken an.

Nicoles Bewertung 05 Sterne.png

Alleinstehende Buchhändlerin mit Katze, die zusammen mit ihrer besten Freundin Frieda einen kleinen Laden betreibt oder Mutter von Drillingen und Ehefrau eines erfolgreichen Architekten, der die Liebe ihres Lebens zu sein scheint? Was ist Fiktion, was Realität? Welches Leben, das Katharyn bzw. Kitty führt ist wahr? Diese Frage muss sie sich stellen, als sie in der Folgezeit immer wieder in sehr real wirkende Träume versinkt. Die Einsicht in verschiedene Lebensarten zeigt der jungen Frau auch auf, welche Möglichkeiten beide Leben ihr bieten. Doch letztendlich muss sie sich entscheiden, was ihr wirklich wichtig im Leben ist und einen Weg finden, um gewisse Lebensstationen verarbeiten zu können.

Ich habe die Wiedergabe des Inhaltes mit Absicht recht vage gehalten, um nicht im Vorfeld zuviel über die Geschichte zu verraten, weil das der Spannung abträglich wäre.
Zunächst einmal war ich überrascht, als ich herausfand, dass die Geschichte um Kitty/Katharyn in den 60er Jahren zur Zeit der Kubakrise spielt, doch gibt das der Autorin die Möglichkeit, fast gänzlich auf neumodische Erfindungen wie Internet oder Handys verzichten zu können, was die Recherche der Romanheldin einfach viel spannender macht.
Abgesehen davon, fühlte sich die Geschichte dennoch eher so an, als ob sie in der heutigen Zeit spielen würde, da sich die Protagonisten so ausdrücken, wie wir es heute tun.

Die Story des Klappentextes sprach mich an, da sie mich an einen, wie ich fand, großartigen Film erinnerte, den ich vor Jahren einmal sah. In „Sie liebt ihn- Sie liebt ihn nicht“, geht es ebenfalls um eine Frau, die wichtige, wenn nicht sogar lebenswichtige Entscheidungen zu treffen hat. Was mich dann gerade neugierig auf den Roman hat werden lassen, da auch hier das „Was wäre wenn?“ eine entscheidende Rolle im Leben der Protagonistin spielt. Was wäre nämlich, wenn man eine Entscheidung trifft, die das nachfolgende Leben völlig beeinflussen würde?
Kitty/Katharyns Story wurde etwas anders inszeniert und dennoch bringt sie ihr „Doppelleben“ so ziemlich durcheinander, aber am Ende dann auch ins Grübeln. Bis sich dem Leser und Kitty/Katharyn die Auflösung des Ganzen offenbart, muss sich die Romanheldin erst einmal darüber bewusst werden, was sie will und was ihr wichtig ist im Leben, und sich öffnen. Inklusive sich Schicksalsschlägen gegenüber, wappnen.
Es ist ein Roman, der nachdenklich macht, anrührt und mir auch hier und da einige Tränen beim Lesen entlockt hat. Und all das, ohne in schmalzig, kitschige Gefilde abzudriften, obwohl die Liebe durchaus ein Thema in diesem Roman ist.
Ein Roman, der mir wunderschöne Lesestunden beschert und mich auch nach dem Lesen noch einige Zeit beschäftigt hat.

Kurz gefasst: Unter die Haut gehender Frauenroman und eine Geschichte die mich emotional sehr berührt hat. Unbedingt lesen! Absolute Leseempfehlung!