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Susanne Wahl wurde 1955 in Erlangen geboren und ist aufgewachsen in Frankfurt/M. und im Taunus.

Der ursprüngliche Berufswunsch, der seit dem 13. Lebensjahr von Susanne Wahl verfolgt wurde, war eigentlich Archäologie und Ägyptologie. Dann jedoch wurde sie unsicher, zumal die Studienberatung nicht gerade ermutigend war, was eine Karriere a la Indiana Jones betraf! ;-)

So entschied sich die Autorin kurz entschlossen für ein Studium der Ethnologie und Anthropologie: lebende Menschen schienen für sie eben doch interessanter als Scherben und Mauerverläufe.

Im Nachhinein erwies sich jedoch diese Entscheidung als Volltreffer, da Susanne Wahl im Bereich der Anthropologie ihren späteren Mann Joachim kennenlernte.
Nach einigen Umzügen wohnt die Autorin zurzeit mit Ihrem Mann und den beiden Kindern an der Schweizer Grenze.

Erst spät fing Susanne Wahl mit den ersten Schreibversuchen an und veröffentlichte unter dem Pseudonym Susanna Calaverno hocherotische Romane, bis sie dann mit "Rosenduft und Koriander" und "Das Lächeln der Venus" ihren Einstieg in das Genre des erotisch- romantischen Romans präsentierte.
Mit dem Roman "Kirschblüten im Wind" erfüllte Susanne Wahl sich dann einen Herzenswunsch; denn japanische Geschichte und Kultur, ganz besonders die Blütezeit des holländischen Ostindien-Imperiums, faszinierte sie bereits seit der Schulzeit.

Ebenfalls ein historischer Roman ist der 2009 erschienene Titel "Roter Eukalyptus". Darin geht es um die nahezu unbekannte Phase der religiös motivierten Auswanderungen im 19. Jh. der Preußen nach Südaustralien. Die dortigen Konflikte mit den Aborigines verliefen nicht ganz so dramatisch wie in anderen Teilen des großen Kontinents, aber auch hier stießen komplett unterschiedliche Kulturen zusammen.

(Quelle: Homepage der Autorin, Interview und Text: JK)


Frage und Antwort


Worin liegt der Reiz ein neuer Indiana Jones, bzw. eine weibliche Ausgabe davon zu werden?


Natürlich gab es damals noch keinen Indiana Jones - was nicht heißt, dass man nicht ähnliche Figuren vor Augen hatte. In meiner Jugend war ich ausgesprochen abenteuerlustig: als 17-jährige bin ich mit einer Reisegruppe in Bus und Zelt durch Spanien und Marokko bis an den Rand der Sahara gekommen, nach dem Abitur brach ich soz. ins Blaue nach Israel auf, wo ich in der Negevwüste an einer archäologischen Ausgrabung teilnahm und natürlich auch das Land von Haifa bis Scharm el Sheik bereiste. Unter bestimmten Vorsichtsmaßnahmen war das Mitte der 70er noch möglich. Wer wie ich mit Karl May und J.F. Cooper aufwuchs, der hatte schon hier und da den Wunsch nach "Freiheit und Abenteuer". Mit den Jahren wird man dann biederer...


Wie gestaltet sich die Recherche im Bereich Japanologie?

Mühsam! Im Ernst: zu Japan in dieser Zeit muss man sich auf die altmodische Art von Bibliographie zu Bibliographie hangeln. Im Internet ist die Informationslage hier äußerst spärlich.


Wie kommt man auf zwei so unterschiedliche historische Gebiete wie Japan und Australien?

Ganz einfach: Japan war mein Thema (und immer noch hoffe ich, eines Tages die Fortsetzung schreiben zu können, auf der meine Helden die berühmt-berüchtigte Hofreise zum Shogun nach Edo absolvieren), Australien wurde vom Verlag gewünscht.


Arbeiten Sie aktuell an einem neuen Roman und wenn ja können Sie vielleicht einen Tipp geben, in welche Richtung der geht?

Der neue Roman wird wieder in Australien spielen und die Heldin ist eine deutsche Missionarstochter, die allerdings dem Rollenklischee überhaupt nicht entspricht.


Sie sind begeisterte Gärtnerin und haben Familien, wann arbeiten Sie dann an den Romanen?

Mein erstes Buch habe ich noch heimlich am Vormittag geschrieben, während die Kinder in der Schule und mein Mann in der Arbeit waren. Niemand hat es mitbekommen und ich habe es unter dem Pseudonym Susanna Calaverno veröffentlicht, um meiner Familie Peinlichkeiten zu ersparen. Inzwischen wäre das nicht mehr nötig, die Familie steht auch zu meinen bisher sieben Erotikromanen. Der Name Calaverno ist jedoch so gut eingeführt, dass es jetzt dabei bleibt. Die Bücher unter meinem Klarnamen habe ich dann "normal" geschrieben - wenn nicht gerade Haus- oder Gartenarbeit anstand. Beim Schreiben bemühe ich mich um Disziplin, d.h. ich setze mich an den PC, ob ich Lust habe oder nicht. Ich gehöre nämlich nicht zu den schnellen Schreibern. 12.000 Zeichen am Tag sind schon herausragend gut bei mir. Die Geschichte ist auch noch nicht fertig abrufbar. Wenn ich beginne, weiß ich nur im Groben, wie sie enden wird. Vieles entwickelt sich soz. selbstständig und ohne mein willentliches Zutun aus den Charakteren heraus. Oder ich stoße bei der Recherche auf etwas, das ich unbedingt noch einbauen möchte. Das bremst zusätzlich.


Welche Bücher waren schwerer zu schreiben, die historischen Romane oder die erotischen Liebesromane?

Ganz klar die historischen Romane, weil ich da hohe Ansprüche an die Authentizität stelle. Natürlich ist es vielen Lesern egal - aber für mich ist es wichtig, dass historische Personen auch tatsächlich zu der Zeit vor Ort waren und ihr Charakter so weit wie möglich dem entspricht, was man von ihnen weiß. Z.B. habe ich über die Merian, die relativ kurz in den Kirschblüten auftritt, drei Biographien gelesen, bis ich glaubte, sie realistisch wiedergeben zu können. Auch die Reisebeschreibungen: mir wurde hier und da vorgeworfen, übertrieben zu haben. Ganz im Gegenteil: ich habe eher geglättet. Die Zustände und täglichen Brutalitäten hatten nicht das Geringste gemein mit verklärter Disney-Romantik. Die Berichte der spärlichen Überlebenden solcher Söldnerabenteuer sprechen ihre eigene Sprache. Für den Eukalyptus musste ich mich ja wieder neu einarbeiten, weil ich von Südaustralien nicht die geringste Ahnung hatte. Ich habe wochenlang recherchiert, und immer zwischendurch, wenn sich ein Problem ergab. Zum Beispiel: wer war gerade Gouverneur? Wie hieß er, wie war er so? (Es gibt Biographien im Netz...) Gehörten die Parzellen, die ich jemandem zuordnen möchte, etwa schon jemand anderem? (Es gibt einen Katasterplan von 1838.) Die Aborigines: wie hieß der Stamm um Adelaide, wie lebte er? (Es gibt ein virtuelles Wörterbuch und ich konnte so die Aborigine ihre Sprache sprechen lassen.) Als Ethnologin konnte ich mich nicht mit dem oberflächlichen Wissensstand über Aborigines im Allgemeinen zufrieden geben und suchte solange, bis ich eine zeitgenössische Monographie fand ( die auch zugänglich war!!), in der Sitten und Gebräuche dieser Region explizit dargestellt waren. Gerade in Südaustralien ist die Archivlage fantastisch, was aber das Problem nach sich zieht, dass man nicht so frei ist, wie man es gerne wäre.


Was machen Sie in der Freizeit, wenn welche bleibt?

Wenn ich gerade schreibe, gehört im Sommer die komplette Freizeit dem Garten; im Winter fröne ich meiner Leidenschaft für Schmuck aus Muranoglas, den ich kreiere und einmal im Jahr auf einer Künstleraustellung verkaufe. Sonst gönne ich mir hier und da einen Kurs in Aquarellmalen, weil ich festgestellt habe, dass nur Schreiben für die Kreativität etwas einseitig ist. Die Beschäftigung mit Farben und Formen dient mir soz. als "Ausgleichssport".


Lesen Sie noch Bücher in der Freizeit ?

Früher habe ich wahnsinnig viel gelesen. Alles, was mir in die Finger kam - vom Liebesroman bis zu Gartendesign. Seit ich selber schreibe, komme ich weniger dazu. Meistens lese ich Sachbücher, die in irgendeinem Zusammenhang stehen zu meinem aktuellen Projekt. Das kann dann auch schon mal ein Fachbuch übers Segeln sein... Zur Entspannung Krimis (nicht zu dicke! Ich will sie ja lesen, nicht jemanden damit erschlagen!), aber da finde ich immer seltener etwas. Mir gefällt die zunehmende Ausrichtung hin zu Sadismus und dessen expliziter Schilderung gar nicht.


Was Lieben Sie am Schreiben am meisten?

Die zeitliche Flexibilität.


Einen Tag in die Rolle einer anderen Person zu schlüpfen, welche wäre das bei Ihnen?

Ach, Gott, das ist schwierig! Am interessantesten wäre für mich der Dolmetscher Ginnemon, der Wanderer zwischen zwei Welten. Die Thematik des "culture-clash" hat mich immer schon fasziniert.


Danke an Susanne Wahl, dass Sie sich die Zeit für das Interview genommen hat.

Susanne Wahl

Susanna Calaverno

Photo ©  Susanna Wahl

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