Rezensionen

Ankes Bewertung 05 Sterne.png

Pearl Wilde erwischt ihre Schwester Kat mit ihrem Verlobten in flagranti und kehrt auf der Stelle ihrem Heimatort Five Points den Rücken. 3 Jahre später kommt Pearl zurück, mit der Kunde, dass sie ein Edelbordell in der alten Villa auf dem Dog Leg Hill eröffnen würde.

Die Bewohner von Five Points sind von den Wilde Frauen so einiges gewöhnt, aber ein Bordell, würde doch nur die Männer der Stadt anziehen und verderben, zumal diese alle arbeitslos sind und sowie so ihren Frauen nichts als Ärger machen.

Aber ihr Wiederstand bröckelt nach und nach dahin als allen klar wird, dass Pearl Handwerker benötig, um das baufällige Haus wieder instandzusetzen und sie zahlt sehr gut!

Ich möchte kurz darauf hinweisen, dass diese minimale Inhaltsangabe nicht im mindesten den gesamten Inhalt wieder gibt, denn es wird nicht nur von Pearl Wilde erzählt, stattdessen bekommt der Leser Einblick in das Leben einer Vielzahl von Figuren. Und genau das macht auch eine umfassende Inhaltsangabe schwer.

„Wilde Schwestern“ ist ein, um es in einem Wort zusammenzufassen, wundervolles Buch.

Das auf dem Cover abgebildete Schnürkorsett und das Wort „Wilde“ im Titel ließen beim Betrachten an einen hocherotischen Inhalt vermuten. Wie sich schnell herausstellte spielt Erotik durchaus eine Rolle, wenn auch nur subtil; da das Cover hervorragend ausgewählt ist; und der Titel fantastisch passt und man kann ihn ruhig wörtlich nehmen.
An dieser Stelle ein Lob an den Knaur Verlag für die exzellente Cover und Titelauswahl.

Der Leser erhält in „Wilde Schwestern“ Einblick ins amerikanische Kleinstadtmilieu von Tennessee um 1930. Dabei amüsieren und begeistern besonders die wunderbaren Beschreibungen der Autorin von Land und Leuten.
Paula Wall erfasst dabei so gekonnt die Essenz der Stadt und die ihrer Einwohner und vermag es in hervorragender Weise an den Leser weiterzugeben, so dass man das Gefühl hat, ein Teil der Geschichte zu sein und alles hautnah zu erleben.

Als ich Anfing zu lesen, drängten sich mir förmlich die Bilder des fantastischen Films „Cookie’s Fortune - Aufruhr in Holly Springs“ auf. Sagt euch der Titel etwas? Wenn ja, dann habt ihr damit schon genau die Atmosphäre vor Augen, die auch „Wilde Schwestern“ bestimmt. Zwar ist die Zeitepoche des Films eine andere, aber das Lebensgefühl im alten Süden und die Stimmung die eine Kleinstadt ausstrahlt passt haargenau.

Übrigens: Wenn ihr den Film nicht kennt, sollte ihr das schleunigst nachholen. ;-)

Paula Wall schreibt mit verstecktem, nicht immer offensichtlichem Humor, doch wenn man darauf stößt, ihn erkennt, ist er einfach genial und sehr amüsant. Wie der Humor, so ist auch der Schreibstil der Autorin nicht auf Anhieb eingängig; ich persönlich hatte mich allerdings schnell eingefunden und ich kann nur allen empfehlen, sich ebenfalls nicht abschrecken zu lassen.

Kurz gefasst: Unbedingt Lesen!

Tinas Bewertung 05 Sterne.png

Die Familie Wildes sind, wie der Nachname es schon sagt: Sehr wild. Aber es sind auch liebenswerte und starke Frauen, die sich nicht "die Butter vom Brot" nehmen lassen und immer ihren "Mann" stehen.

In "Five Point" der Heimatstadt der Familie Wilde scheint die Zeit still zustehen, jeder kennt jeden und jeder weiß was der andere tut und macht. Als Pearl zurückkehrt ist es um die "Stille" geschehen.
Doch an dieser Stelle nimmt nicht etwa das Verderben seinen Lauf - sondern ganz im Gegenteil! Five Point und seine Bewohner blühen auf, denn dass genau war es, was dem verschlafenen Örtchen bislang gefehlt hat.

Eine höchst charmante Entwicklung, wie ich finde, die neben den wundervoll gezeichneten Charakteren einen guten Teil vom Reiz des Buches ausmacht.

Paula Wall schreibt sehr bildlich so hat man schnell das Gefühl mittendrin in der "verstaubten" Kleinstadt der dreißiger Jahre zu sein. Sehr einfühlsam und mit einem ganz wunderbaren trockenen Humor geschrieben, macht es einfach Spaß das Buch zu lesen und mitzuerleben wie Five Points aufgerüttelt wird.
Wie die Stadt an sich, so kommt auch der ein oder andere Bewohner von Five Point zu neuen Erkenntnissen; selbst die Liebe hat in der Geschichte ihre Chancen, die sie zu nutzen weiß.

"Die Schwestern der Familie Wilde" ist sehr spannend und höchst unterhaltsam zu lesen. Am Ende ist man fast ein wenig traurig die Familie Wilde wieder zu verlassen, denn sie und anderen Figuren lassen einen nicht so schnell wieder los.