Rezensionen

Tinas Bewertung 04 05 Sterne.png

"Das geheime Vermächtnis" ist eine Familiensaga, die es in sich hat.
Zwar zieht sich der Anfang der Geschichte ein wenig, aber nachdem man die ersten Seiten gelesen hat, wird man sich schon bald nicht mehr dem Sog der Geschehnisse, und ihren Geheimnissen und Rätseln entziehen können.

Während Erica die Rätsel und Geheimnisse lüften will, die über Staton Manor liegen, leidet Erica darunter; wieder auf dem Gut zu sein. Diese verschiedenen Sichtweisen und unterschiedlichen Charaktere haben Ihren ganz besonderen Reiz. Vor allem da die Geschichte sowohl aus der Sicht von Erica, als auch aus der von Beth erzählt wird.
Hinzu kommt noch, dass der Roman auf zwei Zeitebenen spielt, einmal um 1905 und dann wieder im Hier und jetzt. Sodass noch eine weitere Figur ihre Stimme erhebt, die Urgroßmutter Caroline.

Ein solcher Erzählstil ist nicht generell immer ganz so einfach zu verfolgen, doch in diesem Fall hat mich Katherine Webb gerade mit diesem Kniff besonders fasziniert und mich noch tiefer in die Geschichte hineingezogen. Wobei ich auch sagen muss, dass die Autorin es aber auch sehr gekonnt versteht, mit dem Leser zu spielen und ihm immer wieder vor neue Rätsel zu stellen.

Eine spannende Familiensaga zum Mitfiebern und Mitraten, die einen so schnell nicht wieder loslässt und besonders faszinierend durch verschiedenen Zeitebenen und unterschiedlichen Erzähler wirkt.
Mir persönlich hat das Buch "Das geheime Vermächtnis" sehr gut gefallen.

Nicoles Bewertung 05 Sterne.png

Nachdem ihre Großmutter Meredith im hohen Alter verstarb, erben ihre beiden Enkelinnen Erica und Beth überraschend das Anwesen Storton Manor, das sich schon viele Jahre im Familienbesitz befindet. Bereits Merediths Mutter, Caroline, die das hohe Alter von hundert Jahren erreichte, bevor sie starb, lebte dort.

Erica und Beth waren in ihrer Kindheit oft in den Sommerferien zu Besuch auf Storton Manor und liebten es im Park herumzutollen und im Teich zu baden. Auch Griesgrämigkeit und Standesdünkel der damals schon betagten Caroline und ihrer Tochter Meredith konnten den Mädchen das Leben nicht schwer machen. Einzige Ausnahme war jedoch ihr bösartiger Cousin Henry, der ebenfalls seine Sommerferien in Storton Manor verbrachte und sich einen Spaß daraus machte, Beth, Erica und ihren Freund Dinny zu quälen.
Eines Tages verschwand Henry spurlos und wurde nie wieder aufgefunden, obwohl die Polizei ermittelte und Erica und Beth kehrten seit diesem Sommer nie wieder zurück nach Storton Manor. Als sie jedoch nun nach so vielen Jahren zurückkehren, ahnt Erica instinktiv, dass Beth ihr über Henrys damaliges Verschwinden etwas verschweigt. Mehr noch, es scheint Beth immer noch, nach so vielen Jahren zu beschäftigen- denn Beth ist hochgradig depressiv und weicht Erica, die nachbohrt, stets aus.

Um Beth ein wenig Ablenkung zu beschaffen, beginnt Erica damit, sich näher mit der weiter zurückliegenden Familiengeschichte zu beschäftigen und findet bei ihren Nachforschungen auf dem Dachboden ein Photo dass Caroline mit einem dunkelhaarigen Baby zeigt. Doch laut Papieren hatte Caroline zu der Zeit als das Bild gemacht wurde, noch kein Kind und war auch noch unverheiratet. Wie kann das sein? Und dann fallen Erica auch noch Briefe in die Hände, die in ihr einen bösen Verdacht aufkommen lassen und ihr den Grund für Carolines und Merediths unterkühltes Verhalten anderen Dörflern und den Zigeunern zu denen auch Dinny gehörte, gegenüber liefern.

Der Kreis schließt sich, als nach Beth und Erica auch noch Dinny nach so vielen Jahren wieder zurückkehrt nach Storton Manor. Ist er der Schlüssel zur Auflösung rund um Henrys Verschwinden?

Wer rätselhafte Romane liebt, in denen zugleich die Geschichte einer Familie geschildert wird, wird genauso wie ich, sicherlich sehr viel Lesefreude an „Das geheime Vermächtnis“, haben, denn der Roman verbindet die Elemente Familiensaga und Spannung auf gekonnte Art und Weise zu einer unterhaltsamen Lektüre.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht zwar Erica, die die Geschehnisse der unmittelbaren Gegenwart in „Ich-Form“ erzählt und den Leser auch immer wieder in Rückblenden an Geschichten ihrer Kindheit teilhaben lässt, doch man erfährt auch abwechselnd die Lebens und Liebesgeschichte von Urgroßmutter Caroline, die um die Jahrhundertwende ihr Glück im wilden Westen suchte. So wird das Geheimnis der Großmutter für die Leser etwa ab der Mitte des Romans gelüftet, während Erica immer noch im Dunklen tappt. Dennoch ist dieser Roman ein echtes Lesehighlight für mich gewesen, denn die Autorin hat einen wunderbar eindringlichen, sehr bildhaften Schreibstil und die Atmosphäre rund um Storton Manor bleibt trotz allem nicht weniger düster. Schließlich gilt es auch noch für Erica herauszufinden, was damals mit ihrem Cousin geschah. Ich kann nur allen neugierigen Lesern empfehlen, es tunlichst zu unterlassen zunächst die letzten Seiten zu lesen, es würde viel von der Spannung nehmen und das wäre schade.

Während Erica eine sympathische Hauptfigur ist, die man sehr schnell in sein Leserherz schließt, hat man dafür mich Sicherheit größere Probleme bei Caroline. Man wird sie nicht unbedingt mögen, aber dank der Tatsache dass die Autorin Caroline sehr gut charakterlich beleuchtet und auch schildert, was sie zu der unterkühlten Frau hat werden lassen, kann man zumindest Verständnis für sie aufbringen. Sowohl Spannung, Dramatik, Liebe und Familiensinn werden in diesem Roman groß geschrieben und man liebt und leidet mit den Romanfiguren mit.

Ein fesselnder, rätselhafter Roman, den man nicht eher zur Seite legen kann, bis man die letzte Seite gelesen hat. Unbedingt lesen und nicht verpassen!