Rezensionen

Ankes Bewertung 03 05 Sterne.png

Emma Wildes "Eine heißblütige Lady" ist definitiv flüssig und angenehm zu lesen und vermag durchaus einen Nachmittag lang zu unterhalten.
Doch leider ist das im Grunde auch schon alles; was ich zum Buch an Positivem zu berichten weiß.

Schon den beiden Vorgängern "Eine skandalöse Braut" und "Ein gefährlicher Gentleman" fehlte es an Spannung, Konflikten und Emotionen. Ich fand jedoch, dass die Hauptcharaktere dort viel sympathischer und im Wesen und in ihren Handlungen nachvollziehbarer dargestellt waren, als die Figuren in diesem 3. Teil.

Die Heldin des Buches ist ein solcher Ausbund an Gehorsamkeit, Bescheidenheit, Selbstlosigkeit, Güte und Schönheit, dass es mir davon zu lesen fast schon ein wenig übel wurde. Noch schlimmer allerdings ist, dass sie diese so überaus löblichen Eigenschaften, als Charakter vollkommen langweilig, fade und farblos wirken lassen.

Und das ist wirklich jammerschade, denn unter ihrer polierten Fassade könnte sich durchaus eine "heißblütige Lady" verstecken, hätte die Autorin die Figur anders angelegt.
Was der Titel suggeriert findet man also nicht in der Heldin; dafür in einer Nebenfigur, der Mitstreiterin und ehemaligen spanischen Geliebten des Helden. Diese Nebenfigur spielt eine verwirrend große Rolle im Buch und hat ihre eigene Liebesgeschichte, die allerdings relativ offen bleibt. Sie, Antonia, und ihr Liebhaber, Lawrence, ebenfalls ein Spion, sowie der Kammerdiener des Helden, FritzHugh, sind eindeutig die fesselndsten Figuren des Buches.

Der Held, ein Meisterspion, lässt sich gleich dreimal hintereinander von drittklassigen Angreifern überraschen. Eine Stichwunde und eine Schussverletzung steckt er wie ein "Mann" weg und kommt noch nicht einmal in Erklärungsnot, weil eine brave Ehefrau schließlich keine Fragen stellt. Seine Geheimniskrämerei, an der er gegen alle Ratschläge seinen engen Freunde festhält, hat mich entschieden genervt, vor allem weil er ständig am hin und her überlegen ist, ob er seine Frau nun reinen Wein einschenkt oder nicht.

Neben den (Bett-)Geschichten des Haupt- und Nebenrollen-Paars, wird der Spionage-Suspenseplot, der sich durch die Serie zieht, weitergeführt. Leider wirkten die Ereignisse höchst konstruiert und äußerst bemüht und konnten mich weder überzeugen, noch fesseln.

Kurz gefasst: Allein wegen des geschmeidigen und flüssig zu lesenden Erzählstils und der "heißblütige Lady" Antonia, sowie ihrem geheimnisvollen Freund Lawrence vergebe ich dem Buch 3,5 Punkte. Wäre das nicht gewesen, hätte ich das Buch bestimmt früher oder später gelangweilt zur Seite gelegt.

Nicoles Bewertung 04 Sterne.png

Als Juliannes Verlobter Harry, plötzlich und unerwartet und viel zu jung stirbt, soll sie stattdessen seinen jüngeren Bruder Michael heiraten. Doch im Gegensatz zu Harry, den Julianne bereits von Kindesbeinen an kannte und der ihr mehr wie ein guter Freund in all diesen Jahren war, ist ihr Michael sehr fremd. Zudem gibt ihr sein zurückhaltendes, verschlossenes Verhalten einige Rätsel auf. Dennoch stimmt sie einer Vernunftehe zwischen zu und so findet kurz darauf die Hochzeit statt, die von den Elternteilen der Braut und des Bräutigams gewünscht waren.

Doch bereits in der Hochzeitsnacht lernt Julianne zwei weitere Tatsachen rund um ihren frischgebackenen Ehemann kennen. Zum einen ist er ein zärtlicher, hingebungsvoller Liebhaber, zum anderen weicht er sämtlichen, persönlichen Fragen um seine Person rigoros aus, was sie kränkt, denn er macht zudem kein Hehl daraus, dass er von Julianne eigentlich nur Eines erwartet- dass sie sich im Bett gegenseitig Freude bereiteten, bis ein Erbe gezeugt wurde. Persönliches Interesse an ihrer Person hat er scheinbar außer sexuellen Motiven nicht. Da Julianne sich aber keinesfalls mit einer Vernunftehe zufriedengeben möchte, versucht sie den äußeren Panzer von Michael nicht nur mit Freundlichkeit, sondern auch mit Hingabe und Sex-Appeal zu knacken. Seltsamerweise lassen Juliannes Versuche Michael nicht so kalt, wie er es gerne hätte. Doch er zögert immer noch ihr sein gut gehütetes Geheimnis anzuvertrauen- dass er obwohl der Krieg vorbei ist immer noch im Staatsdienst steht und mit seinen Mitstreitern; darunter auch die attraktive, impulsive und gefährliche Antonia, Jagd auf einen Spion macht. Doch auch Julianne verbirgt etwas vor Michael…

„Eine heißblütige Lady“ ist der dritte Teil der „Notorious Bachelor“ Reihe und meiner Meinung nach sollte man, bevor man sich auf diesen Roman einlässt, zuerst die beiden Vorgängerbände gelesen haben, da der Spionageplot der ersten beiden Teile hier nahtlos weitergeführt wird und für Unkundige der Vorgeschichte daher schnell uninteressant werden könnte.
Ich bin ein Fan von Emma Wildes sehr erotischen historischen Liebesromanen; mir gefallen dabei besonders ihre zeitgemäße Ausdrucksweise und die so manches Mal recht ungewöhnlichen Ausgangssituationen. Auch dieses Mal wird der Leser mit einem Heldenpaar konfrontiert, das eine Vernunftehe eingeht, das Ungewöhnliche daran: die Heldin heiratet den jüngeren Bruder ihres verstorbenen Verlobten, was genug Potential schafft für eine interessante Liebesgeschichte.

Um es vorweg zu nehmen „Eine heißblütige Lady“ ist gut geschrieben und auch Julianne ist eine sehr vielschichtige, intelligente Heldin, die ihr Herz auf dem rechten Fleck trägt. Dennoch gab es auch ein paar Kritikpunkte, die zu Punktabzügen bei mir geführt haben. Erst einmal hatte ich ein großes Problem mit Michaels Darstellung bzw. fand ich, dass seine Charakterentwicklung für eine solch komplexe Ausgangscharakterisierung ein wenig zu kurz kam, da die Autorin nebenbei erneut die Story eines weiteren Liebespaares erzählt, Michaels Entwicklung aber ein wenig mehr Tiefe und Seitenzahlen benötigt hätte, um ihn sympathischer wirken zu lassen.
Seine Verschlossenheit und seine Geheimniskrämerei Julianne gegenüber, fand ich auch bis zu einem gewissen Punkt nicht mehr nachvollziehbar. Sicher Agenten und Spione der Krone mögen das im Blut haben, doch der Grund dafür Julianne am Ende aus allem heraushalten zu wollen, wirkte mir persönlich zu konstruiert, zumal er ja schnell bemerkt hat, dass seine Frau kein naives, kleines behütetes Dummchen ist. So sehr ich auch Romanhelden schätze, die geheimnisvoll gestrickt sind, Michael blieb mir leider auch im Laufe des Buches fremd.

Das andere Pärchen, Antonia und Lawrence, hat ebenfalls eine sehr interessante Ausgangssituation auf den Leib geschrieben bekommen, wobei der Ausgang des Ganzen ein wenig offen geblieben ist, da Antonia am Ende des Buches von Lawrence wahrer Identität noch nichts ahnt. Gerade bei ihnen hätte ich es sehr spannend gefunden, Antonias Reaktion auf Lawrences Enthüllungen nachlesen zu dürfen. Aber vielleicht bekommen die beiden ja auch ein eigenes Buch?

Der Kriminalplot, also die Suche nach einem Spion, die im ersten und zweiten Teil der Reihe seinen Anfang nahm, wird hier weitergeführt, allerdings fand ich diesen nicht ganz so interessant aufgelöst, ich hätte mir da mehr Spannungselemente erhofft, als dann wirklich vorhanden waren.

Kurz gefasst: Trotz meiner Kritik ist auch „Eine heißblütige Ladyein schöner Historical mit sehr prickelnden Liebesszenen, wenn auch noch ein wenig Luft nach oben gegeben ist.