Rezensionen

Ankes Bewertung 04 Sterne.png

Mit nur zwei Büchern hat Emma Wildes mich für sich eingenommen und Keeper-Status im meinem Bücherregal erreicht. Aber wie das in solchen Fällen oft ist, liegt darin dann auch eine extrem hohe Erwartungshaltung für alles folgenden Neuerscheinungen. "Eine skandalöse Braut" ist so ein Fall.

Dabei ist der 1. Teil der "Notorious Bachelors"-Serie definitiv kein schlechtes Buch. Leicht und locker erzählt und höchst angenehm und kurzweilig zu lesen, ist das Buch eine gefällige Lektüre, die gute Unterhaltung für einen Nachmittag verspricht. Die Charaktere sind sehr sympathisch und ihre Stärken und Schwächen machen sie besonders liebenswert. Die Protagonisten stehen mit beiden Beinen fest auf dem Boden und wissen war sie wollen, wenn sie sich einmal für eine Richtung entschieden haben, dann bleiben sie dabei und machen das Beste daraus.
Eine sehr romantische Liebesgeschichte, die alles bietet, was ein Liebesroman-Leser verlangen kann, ist ein weiterer Pluspunkt.

Doch trotz der vielen positiven Eindrücke hat "Eine skandalöse Braut" ein großes Manko: ein fehlender Spannungsbogen. Zwar wird man als Leser zunächst mit einem möglichen Neben-Suspenseplot gelockt, in den man seine Erwartungen auf eine spannende Ergänzung zur Liebesgeschichte setzt, doch der verpufft im Laufe der Geschichte mehr und mehr zu einer Lappalie, die einen - man muss es so deutlich sagen - am Ende enttäuscht zurück lässt.

Emma Wildes Erzähltalent zeigt sich auch in "Eine skandalöse Braut", jedoch nicht in dem Maße, wie es in anderen Büchern zu erkennen ist. Handwerklich ist der Roman solide und glänzt sogar mit seinen Charakteren und seiner romantischen Grundstimmung. Doch fehlt ihm vollkommen Spannung und jede Art von raffinierter Verwicklung oder überraschende Wendung, die aus einer Geschichte mehr macht, als die passable Aneinanderreihung von wohlgewählten Worten.

Und das nur nebenbei erwähnt: Warum hat man ein Buch, dass im Original "My Lord Scandal" heißt und sich somit auf die skandalträchtige Vergangenheit des Helden bezieht, in der Übersetzung unter dem Titel "Eine skandalöse Braut" veröffentlicht, wo doch die Braut alles andere als skandalös ist? Vielleicht weil "Ein skandalöser Bräutigam" weniger nach Skandal klingt als "Eine skandalöse Braut"? Frag sich nur, was das aussagt, wenn eine skandalöse Braut einen Ausruf wert ist, während ein skandalöser Bräutigam nicht der Rede wert ist?

Nicoles Bewertung 04 Sterne.png

Lady Amelia Hathaway ist eine sehr begehrte Debütantin, die das Interesse der unverheirateten Männer des ton umso mehr schürt, als dass sie nur wenige Tänze auf Bällen zulässt und damit einen äußerst wählerischen Eindruck auf die Gesellschaft macht.
Doch in Wahrheit leidet Amelia seit ihrer Kindheit unter Asthma und hasst es, Bälle zu besuchen, da die Räume dort stets zu heiß sind und sie in der bedrückenden Enge immer unter der Furcht leidet, sie könne wieder einen Anfall bekommen.
So kehrt sie auch eines Nachts früher von einem Ball zurück und überrascht auf ihrem Balkon einen frechen Einbrecher, der nicht nur gut aussieht, sondern ihr auch noch einen leidenschaftlichen Kuss raubt.

Einige Tage später begegnet sie ihrem Einbrecher erneut und erfährt von ihrer exzentrischen Tante Sophia, die sie jedoch eindringlich davor warnt mit diesem Mann in Kontakt zu treten, dass er der jüngste Sohn des Duke of Berkeley, Lord Alexander St. James ist. Amelia ist zunächst verwirrt und kann sich nicht erklären wieso Lord Alexander heimlich in der Nacht in das Haus der Hathaways eingebrochen ist- zumal er sich augenscheinlich nicht in Geldnöten befindet und nichts gestohlen wurde.

Als sie nach draußen geht um frische Luft zu schnappen, belauscht sie den attraktiven Lord und hört mit an, dass er sich bei einer anderen Frau über sie erkundigt. Bevor Amelia sich jedoch wieder fort schleichen kann, wird sie entdeckt. Alexander bietet ihr einen Spaziergang an und Neugier und Abenteuerlust treiben sie dazu, seinem Vorschlag nachzugeben. Als er sie jedoch wieder einmal küsst, werden die beiden von Amelias Tante Sophia überrascht, die beide eindringlich davor warnt, sich nochmals näher zu kommen.

Abgesehen davon, dass Lord Alexander einen zweifelhaften Ruf als Schwerenöter genießt, pflegen die Familien der St.James und Hathaways seit vielen Jahren eine Fehde; über den Grund dafür schweigen sich alle älteren Familienmitglieder bislang aber beharrlich aus. Allerdings könnte ein bestimmter Schlüssel, den Alexander für seine Großmutter bei den Hathaways suchen sollte, eine große Rolle bei der Aufklärung dieses Rätsels spielen, dass Amelia und Alexander unbedingt lösen wollen.
Während die beiden immer vertrauter miteinander werden und Gefühle ins Spiel kommen, treibt jedoch noch eine andere Person inkognito ein Spielchen mit den beiden…

Die Autorin Emma Wildes gehört für mich zu den absoluten Neuentdeckungen des letzten Jahres im Bereich des historischen Liebesromans und auch „Eine skandalöse Braut“ der Auftakt zu einer neuen Reihe, ist ein unterhaltsamer Historical, der mit einem sympathischen Heldenpaar besticht. Diesmal bedient sich die Autorin des Romeo & Julia Themas und lässt den beiden Hauptprotagonisten auch genug Raum sich besser kennen zu lernen, während diese versuchen in Sachen Familienfehde zwischen den Hathaways und den St. James, Licht ins Dunkel zu bringen und zu vermitteln.

An Ausdruck und Schreibstil der Autorin gibt es nichts gar nichts zu bemängeln. Emma Wildes drückt sich sehr gewählt aus und verleiht dem Roman genügend historisches Flair, um den Leser für ein paar Stunden ins Regency-Zeitalter zu entführen. Routiniert erzählt sie ihre Geschichte und sorgt dabei auch für das gewisse Etwas- ein erotisches Prickeln zwischen den beiden Hauptfiguren, wobei auch erwähnt werden sollte, dass die Liebeszenen zwischen dem Paar wieder sehr sexy geschrieben sind.

Diesmal gibt es leider bei mir auch ein „aber“.
Obwohl die Autorin sich an alle Regeln gehalten hat, die eine Liebesromanschreiberin beherzigen sollte, kam trotz aller positiven Aspekte bei mir zwischendurch ein wenig Langeweile auf. Der Plot als solches war für mich nicht unbedingt etwas Neues, Innovatives und es fehlten mir einfach überraschende Wendungen innerhalb der Story oder Figuren die ein wenig aus der Rolle fielen bzw. vom Schema F der typischen Liebesromanfiguren abwichen.

Aber diese Kritik ist dennoch Kritik auf hohem Niveau, denn auch dieser Roman der Autorin ist wunderbar geschrieben, wenn auch diesmal die Story nicht lange im Gedächtnis der Leser haften bleiben wird, befürchte ich. Ich hoffe sehr, dass sich die Autorin im zweiten Teil der Reihe, der ebenfalls schon bald erscheinen wird, wieder etwas steigern wird, bzw. wieder mehr Originalität bei ihren Stories entwickeln und ihren Figuren mehr Ecken und Kanten auf den Leib schreiben wird. Die Helden der nächsten Bände werden in „Eine skandalöse Braut“ ebenfalls eingeführt, bleiben jedoch noch ein wenig blass.