Rezensionen

Tinas Bewertung 04 05 Sterne.png

Zunächst noch eine Ergänzung zum Klappentext:

Vor 1901: Isabella Winterbourne, ist eine Frau, die einiges erlebt und auch durch gemacht hat. Ihre Ehe ist nicht gerade das Gelbe vom Ei und auch die Familie, ganz besonders die ihres Mannes ist nicht gerade nett zu ihr.

2011: Elizabeth leidet sehr unter dem Tod von Mark Winterbourne. Er war ein direkter Nachfahre von Isabelle, einer, der gerne Geheimnisse hatte.
Elizabeth, die sich Libby nennt, hat eine Schwester, Juliet. Zwischen ihnen steht es nicht zum Besten, Ärger und Zoff sind an der Tagesordnung.
Libby und Juliet sind wie zwei Zicken, die sich nichts Gutes gönnen. Aber sie erkennen nach und nach, das Blut dicker als Wasser ist und wie sehr sie sich einander brauchen und auch vermisst haben.

Kimberly Wilkins schreibt angenehm flüssig und wunderbar detailreich. Ich finde, dass "Das Haus am Leuchtturm" vor allem durch seine Beschreibungen besticht, Beschreibungen, die einen die Geschichte beim Lesen fast vor Augen sehen lassen. Besonders hatten es mir dabei die Erzählungen von der Schiffsreise um 1901 angetan, die mir einen Lesegenuss der besonderen Art beschert haben.
Als Fan von Geheimnissen in Romanen, hat mich natürlich auch die Suche nach dem legendären Schmuckstück, schnell gepackt. Dieser Teil des Buches hatte fast etwas Krimihaftes an sich, wobei es auch zu der einen oder anderen Überraschung kommt.

Kimberly Wilkins hat es geschafft, dass ich beim Lesen glatt vergessen hatte, wo ich saß und dass ich las, so tief war ich ins Buch abgetaucht. Und manchmal wäre ich gerne anno 1901 live dabei gewesen, um Isabella trösten zu können, denn sie ist mir beim Lesen wirklich ans Herz gewachsen.

Kurz gefasst: Ein fesselndes Buch, wie eine Reise durch Raum und Zeit, über ein Schmuckstück, das für den einen Freud, für den anderen jedoch Leid ist. Eine Familiengeschichte, die vom Wiederfinden (der eigene Geschichte und der Familie) erzählt.

Nicoles Bewertung 04 05 Sterne.png

Australien 1901:

Die Frau eines reichen, adligen Schmuckhändlers, Isabella Winterbourne, befindet sich zusammen mit ihrem Mann auf der Überfahrt nach Australien. Dort soll Arthur Winterbourne dem neuen Parlament einen von seinen Mitarbeitern angefertigten kostbaren und mit Juwelen besetzten Amtsstab aus Gold mit den besten Wünschen der englischen Königin überreichen. Doch eines Nachts gerät das Schiff in ein furchtbares Unwetter. Isabella, die den plötzlichen Kindstod ihres neugeborenen Sohnes Daniel drei Jahre zuvor noch nicht überwunden hat, da weder ihr gefühlskalter Mann noch dessen Familie ihr Zeit zum Trauern gaben, bekommt bei einem Gespräch, dass Arthur und der Kapitän des Schiffes miteinander führen, mit, dass der Kapitän Arthur tatsächlich dazu rät, dass Isabella sich von ihrem Armband trennen soll.

Dieses Armband fertigten einst Isabella und ihre Schwester an und es sollte dem ersten Baby umgelegt werden, das eine der beiden gebären würde. Daniel trug es bis zu seinem Tod und für Isabella ist dieses Armband der einzige Trost, den sie noch hat. So versteckt sie das Band heimlich in der Kiste in der sich der Amtsstab befindet, doch als das Schiff kurze Zeit später sinkt und alle anderen außer Isabella bei dem Unglück umkommen, fehlt der jungen Frau nun der Schlüssel um besagte Kiste wieder aufzubekommen. So schlägt sie sich mehr schlecht als recht durch die Wildnis Australiens, immer die Kiste hinter sich herziehend und findet schließlich glücklich Zuflucht in dem kleinen Örtchen Lighthouse Bay, wo sie zunächst vom freundlichen Leuchtturmwärter Matthew umsorgt wird.
Sie findet eine Anstellung als Kindermädchen und geht darin auf, ihren neuen Schützling zu umsorgen. Doch wird es ihr gelingen ihre Trauer zu überwinden?

Frankreich 2011:

Libby bricht nach dem plötzlichen Tod ihres Geliebten Mark Winterbourne alle Brücken in Europa hinter sich ab und kehrt zurück in ihre Heimat Australien, wo Mark Jahre zuvor in Lighthouse Bay ein Haus am Meer für sie beide gekauft hatte. Doch in Lighhouse Bay warten auch die Schatten der Vergangenheit auf Libby. Und dort will sie sich, nachdem vor zwanzig Jahren ein Unglück geschah, endlich wieder mit ihrer Schwester versöhnen. Wird ihr das gelingen

Kimberley Wilkins Roman wird gleich auf zwei Zeitebenen vorangetrieben. Der Leser lernt gleich drei starke Frauen kennen, die, eine in der Vergangenheit, zwei Schwestern in der Gegenwart, ihre persönlichen Probleme und Sorgen überwinden müssen, um wieder glücklich zu werden. Obwohl der Handlungsstrang über Libby und ihre Schwester und die Suche nach dem Schatz der Winterbournes durchaus fesselt, blieben mir die beiden Frauen, in dem Handlungsstrang der in der Gegenwart spielt, dennoch etwas fremd. Ich glaube, es hat etwas damit zu tun, das die gewählte Erzähltechnik der Autorin so manches Mal ein wenig reduziert auf mich wirkte. Ihr Schreibstil ist dabei durchaus bildhaft zu nennen und so gelingt es ihr stets das Kopfkino des Lesers anzuregen, doch gelang es mir nicht, mehr Nähe zu den Romanfiguren beim Lesen herzustellen. Obwohl die Konfliktlösung der Schwestern ihre gewissen Momente hat, kratzt die Autorin meiner Meinung leider nur an der Oberfläche; hier hätte ich mir mehr Tiefgang gewünscht.

Zudem entschied sich Kimberley Wilkins dazu, ihren Roman im Präsens zu verfassen, was für einen Leser der normalerweise nur Romane, die in der Vergangenheitsform erzählt werden gewohnt ist, erst einmal ziemlich gewöhnungsbedürftig ist. Nach ca. 100 Seiten hatte ich mich dann aber daran gewöhnt und da auch die Stories ab diesem Zeitpunkt an Dramatik zunahmen, konnte ich das Buch dann auch trotz gewisser Startschwierigkeiten nicht mehr zur Seite legen.

Denn es gab ja auch noch den zweiten Erzählstrang der sich um Isabella Winterbourne rankt und bei der die Autorin diesmal alles richtig gemacht hat. Man kann sich sehr gut in die Romanheldin hineinversetzen, kann ihren Verzweiflung und Trauer beinahe am eigenen Leib spüren und fiebert, wenn Isabella um ihr zukünftiges Glück kämpft, zu jeder Zeit mit. Isabellas Story steht auch eigentlich im Fokus des Geschehens, denn ihr Werdegang und der Schatz der Winterbournes sind es dann auch, die selbst in dem Handlungsstrang der in der heutigen Zeit angesiedelt wurde, eine wichtige Rolle spielen.
Und auch Isabellas Gefühlswelt wird dem Leser sehr sensibel von der Autorin dargeboten – selbst eine kleine Liebesgeschichte findet man vor, die jedoch keinesfalls kitschig und rosarot erzählt wird, sondern stattdessen eher den Heilungsprozess von Isabella widerspiegelt und diesen (trotz kleiner oben erwähnter Kritikpunkte) im Großen und Ganzen unterhaltsamen Frauenroman auf einfühlsame Weise abrundet.

Kurz gefasst: Ein geheimnisvoller Frauenroman über die Schicksalsfindung dreier Frauen, auf zwei Zeitebenen erzählt, mit hohem Unterhaltungsfaktor!