Rezensionen

Tinas Bewertung 05 Sterne.png

"Das Sternenhaus" besticht mit einem wunderschönen Cover, das einer alten Postkarte gleicht und zudem Lust macht, sich auf eine Reise zu begeben.

Die Geschichte wird auf zwei Zeitebenen erzählt, einer in der Tilly und Nell gelebt haben und in der von Nells Urenkelin Nina.

Tilly und Nell sind Frauen, die ihr Leben trotz schwerer Momente meistern. Sie haben sich vom ersten Moment an gut verstanden, teilen vieles und halten zusammen.
Nell ist eine Figur, die man als Leser einfach lieben muss. Sie hat ihre Art die Dinge zu sehen und auch zu regeln, ganz im Gegensatz zu Nina, die eher unsicher und sehr traurig wirkt.
Denn Nina ist verletzt und kommt nicht aus ihrer Wut und Trauer heraus. Als sie auf die Insel kommt, wo Nell gelebt hat, muss sie sich jedoch den Dingen stellen, denen sie bisher aus dem Weg gegangen ist.
So scheint es fast, als würden Nell und Tilly sie leiten.

Kimberly Wilkins hat eine lockere und flüssige zu lesende Schreibweise, sodass ihre Bücher immer wie (Lese-)Reisen sind, aus denen man erst dann wieder auftaucht, wenn es ausgelesen ist, bzw. die (literarische) Reise zu Ende ist.
Und es ist wirklich schwer, zwischendrin mal zu unterbrechen, weil man dann förmlich das Gefühl bekommt, etwas zu verpassen, wenn man dem nachgibt.

"Das Sternenhaus" ist ein Roman, der sich für alle Leser eignet, die gerne Familienromane lesen, die es in sich haben und in denen sich auch mal Geheimnisse den Weg nach außen bahnen und den Leser aufzeigen, wie viel sich zwischen den Seiten verbirgt. Es ist also für interessierte Leser, ein richtiger Entdecker-Roman.

Kurz gefasst: Manchmal muss man einfach zu seinem Glück gezwungen werden, doch auch dabei kommt man nicht drum herum, sich den Sachen zu stellen, die einem das Leben schwer machen. Eine wunderschöne Familiensaga, voller Geheimnisse.

Nicoles Bewertung 05 Sterne.png

Nachdem ich vor einiger Zeit bereits einen Roman der Autorin las, der auf zwei Zeitebenen spielte, der mich damals sehr begeistert hat, entschied ich mich dann auch nach kurzem Zögern dazu, dem aktuellen Roman von Kimberley Wilkins ebenfalls eine Chance zu geben. Gezögert habe ich zunächst lediglich, weil mir Romane mit Australien oder Neuseelandsetting eigentlich nicht so sehr liegen. Und im Nachhinein war es auch völlig unbegründet, denn die Geschichte um zwei Frauen, die am Scheideweg ihres Lebens stehen, ebenfalls auf zwei Zeitebenen erzählt, liest sich spannend und mitreißend zugleich.

Im Fokus stehen einmal in der Gegenwart Nina, eine Bestsellerautorin, die in ihrer Kindheit stets im Schatten ihrer erfolgreichen Familie stand, bis sie plötzlich, beinahe über Nacht, zur Bestsellerautorin wurde. Ihre historischen Romane verkauften sich millionenfach und eigentlich könnte sich Nina entspannt zurücklehnen, wären da nicht die gescheiterte Beziehung zum ihrem Ex und eine Schreibblockade, die es so gut wie unmöglich macht, dass Nina ihren nächsten Roman zum Abgabetermin abliefern kann.
So zieht sie sich zum Schreiben zurück auf eine entlegene Insel, auf der das Haus ihrer Großmutter Nell steht, die einst ebenfalls ein großes Talent zum Schreiben hatte. Auf Ember Island möchte sie ihren Roman fertig stellen und lernt nebenbei den charismatischen Joe kennen, der ihr unter die Haut geht. Sie scheut jedoch davor zurück, sich auf eine Beziehung mit ihm einzulassen. Als sie im Haus ihrer Großmutter plötzlich viele, versteckte Tagebuchseiten findet, ist ihre Neugierde erwacht und taucht in die Erzählungen eines jungen Mädchens, das auf der damaligen Gefängnisinsel aufwuchs und dort zusammen mit ihrem Vater lebte, ein.

Der zweite Erzählstrang spielt ab 1892 teils auf der britischen Kanalinsel Guernsey, teils auf Ember Island. Im Mittelpunkt des Geschehens steht dort Nells spätere Gouvernante Tilly, deren Großvater früh verstirbt, der jedoch zuvor eine arrangierte Ehe mit einem Geschäftsmann für Tilly ausmachte. Nun sieht sich Tilly dann mit einem Ehemann „geschlagen“ der ein perfides Spiel mit ihr treibt, was zur Katastrophe für Tilly führt. Sie muss sich nun gegen eine männerdominierte Welt behaupten, einen Neuanfang wagen- immer jedoch auch mit der Angst im Nacken, dass ihr dunkles Geheimnis eines Tages aufgedeckt wird.

Mehr zum Inhalt möchte ich an dieser Stelle nicht sagen, damit ich nicht zuviel von der Story verrate, die sich so unglaublich spannend liest. Sicherlich könnte man anmerken, dass die Heldin hier und dort ein wenig naiv erscheint und sich eine Spur zu lang von ihrem Ehemann „gängeln“ lässt. Doch sollte man auch die Zeit bedenken, in der dieser Roman spielt und welche eingeschränkten Rechte die Frauen damals nur besaßen. Natürlich spielt auch die Liebe eine kleine Rolle in dieser Geschichte, doch diese wird beinahe zur Nebensache, da es der Autorin in „Das Sternenhaus“ vielmehr darum geht, die Geschichte zweier Frauen zu erzählen, die lernen müssen sich zu behaupten und Selbstbewusstsein zu entwickeln.
Während ich für Tilly mehr Verständnis aufbringen konnte, als für Nina, die für meinen Geschmack etwas zu sehr in Selbstmitleid badet und sich so klein macht, dass es zeitweilig nervt, schlicht sich besonders die kleine Nell in mein Leserherz, denn sie ist ein abenteuerliches, fantasievolles junges Mädchen, dass den Kopf voller Flausen hat und ihre Gouvernante ziemlich fordert, aber dabei auch eine große Liebeswürdigkeit an den Tag legt.

Der Autorin ist es gelungen, ihre Geschichte so atmosphärisch dicht zu erzählen, dass die Lesezeit für mich wie im Fluge verging, was jedoch auch am bildhaften und mitreißenden Erzählstil liegen mag. Auch die Übersetzung empfand ich als sehr gelungen und zeitgemäß.
Mit ihrem Roman „Das Sternenhaus“ hat es die Autorin endgültig geschafft, mich zu einem Fan ihrer Bücher werden zu lassen und hoffe, dass sie bald Lesenachschub von ihr zu erwarten ist.

Kurz gefasst: Spannender, atmosphärisch dichter Roman, auf zwei Zeitebenen erzählt, in dessen Fokus zwei Frauen am Scheideweg ihres Lebens stehen. Uneingeschränkte Leseempfehlung