Rezensionen

Kas Bewertung 04 05 Sterne.png

Schlimmer kann es kaum kommen! Das kleine irische Dorf, in in dem Caragh Ó Brannon mit ihren drei Brüdern wohnt, befindet sich in einer schrecklichen Hungersnot! Zwei von Caraghs Brüdern sind daher losgezogen, um anderswo Nahrung zu finden. Nur ihr jüngerer Bruder Brendan, bleibt zum Schutz zurück, als plötzlich ein Langboot der Wikinger in der Bucht halt macht.

Der Wikinger Styr Hardrata ist mit seiner Ehefrau und einigen Kriegern auf dem Weg nach Irland - in friedlicher Absicht - um dort ein neues Leben zu beginnen. Zu Hause ist sein Bruder nach dem Tod des Vaters Jarl geworden und Styl möchte nicht in Rivalitätskämpfe mit seinem Bruder verwickelt werden. Zudem steht es in seiner Ehe nicht zum Besten, da dem Paar seit Jahren der Wunsch nach einem Kind bisher nicht erfüllt wurde.

Styr hofft nun, in der Ferne einen neuen Anfang machen zu können. Als sie in der Nähe von Caraghs Dorf anlegen, sehen sie sich unverhofft den Dörflern, angeführt vom kriegerischen Brendan gegenüber, der lieber zum Angriff aufruft, als abzuwarten, ob von den Wikingern Gefahr droht. Er möchte nur das Schiff, auf Suche nach Nahrung, plündern.
Das Unmögliche scheint Brendan zu gelingen! Styr wird von Caragh mit einem Knüppel niedergeschlagen, als er gegen Brendan vorgeht und der Jungspund entführt Styrs Frau, samt Kriegern, während Caragh dem blonden Hünen Styr in ihrem Haus Fesseln anlegt.

Als Styr aus seiner Bewusstlosigkeit erwacht, wird ihm schnell klar, das seine Ehefrau entführt wurde und in welch prekärer Situation sich Caragh befindet. Er bietet ihr an, ihr das Fischen beizubringen, wenn sie ihn im Gegenzug freilässt, damit er nach seiner Frau suchen kann. Zögerlich geht Caragh auf Styrs Vorschlag ein.

"Das wilde Verlangen des Wikingers" ist eine komplexe Geschichte mit einem für einen Liebesroman untypischen Heldenpaar. Zum einem Styr, der unglücklich verheiratet ist, zum anderen Caragh, die aufgrund einer Enttäuschung Männern gegenüber eher misstrauisch ist. Doch trotz aller Umstände entwickelt sich zwischen den beiden eine Freundschaft und eine für den Leser spürbare Liebe. Styr ist jedoch davon überzeugt zu seiner Frau zurückzukehren, da er ein Mann von Ehre ist.

Caragh selbst ist ein selbstloser Mensch, der zuerst am Wohle anderer gelegen ist, als an ihrem eigenen Wohl. Es ist schön nachzulesen, wie sich die beiden einander annähern und es ist spannend zu verfolgen, wie sich Styr letztendlich entscheiden wird. Und wie die Entscheidung dann ausfällt, lässt einen zuerst stocken! Was mir persönlich jedoch nicht so gefallen hat, war das Verhalten, welches Caragh in einer gewissen Situation, die ich hier ohne zu spoilern nicht näher erläutern kann, an den Tag legte. Sie verhält sich darin - für meinen Geschmack - viel zu naiv. Und ich stelle mir die Frage, ob das hätte sein müssen, auch wenn Caragh keine wesentliche Erfahrung mit Männern hat. Das konnte ich nicht nachvollziehen. 4,5 Punkte.

Kurz gefasst: Ein ungewöhnlicher historischer Liebesroman aus der Feder von Michelle Willingham! Lesenswert.

Nicoles Bewertung 05 Sterne.png

Die Irin Caragh O’Brannon befindet sich in einer fast aussichtslosen Lage, denn sie und die Menschen in ihrem Dorf, leiden unter einer Hungersnot. Da zwei ihrer Brüder auf Reisen sind, um Nahrung heranzuschaffen, bleibt Caragh leider nur der halbstarke, jüngste Bruder Brendan, der lieber in den Kampf zieht, anstatt erst einmal abzuwarten, ob die kurz zuvor gestrandeten Wikinger wirklich in kriegerischer Absicht gekommen sind. Während des Kampfes stürzt sich Caragh mutig mit einem Knüppel bewaffnet auf den blonden Hünen, der ihren Bruder ins Visier genommen hat und schlägt ihn bewusstlos.

Währenddessen gelingt es Brendan und seinen Freunden das Schiff und die Ehefrau des Wikingers in ihren Besitz zu bringen. Doch als Styr Hardrata gefesselt wieder zu sich kommt, sind alle Gegner, bis auf einige ältere Dörfler und Caragh verschwunden und er muss fassungslos mitanhören, dass sich seine Frau und seine Männer in der Gewalt von Caraghs Bruder befinden. Sein Plan steht fest! So schnell wie möglich will er Caraghs Fesseln entkommen um seinen Rettungsversuch in die Tat umzusetzen, doch als er die mitfühlende Frau besser kennenlernt und von ihren Sorgen erfährt, kann er sie dann doch nicht kaltherzig dem drohenden Hungertod überlassen und bringt ihr das lebensnotwenig gewordene Fischen bei.

Am Ende schließen die beiden einen Kompromiss: Caragh begleitet Styr auf dem Fischerboot ihres verstorbenen Vaters als freiwillige Geisel und im Gegenzug verspricht Styr ihr, dass er ihren Bruder, wenn sie ihn und dessen Mannen finden, verschonen wird. Doch zwischen beiden entsteht auf ihrer Reise Zuneigung und schließlich Liebe. Eine Liebe, die keine Chance auf Erfüllung hat, denn Styr nimmt sein Eheversprechen, das er einst seiner Frau gab, sehr ernst. Selbst wenn ihre kinderlose Ehe nur noch am seidenen Faden hängt…

Nachdem ich in letzter Zeit leider etwas schwächere (Kurz) Romane der Autorin erwischt hatte, wurde ich nun vom 1. Teil der „Forbidden Vikings“ Duologie positiv überrascht. Die Autorin hat nicht nur eine sehr außergewöhnliche Ausgangssituation geschaffen, sondern dazu auch ein sehr liebenswertes Heldenpaar in den Fokus des Geschehens gestellt, dem man ihre „verbotenen Gefühle“ füreinander sehr gut abnehmen kann.
Was ich ebenfalls gut fand, war, dass es nicht noch eine Geschichte über sinnlos mordende und plündernde Nordmänner geworden ist, sondern dass diesmal die Eigenschaft der Nordmänner in den Vordergrund gerückt wird, die dieses Volk über Jahrhunderte auszeichnete. Und zwar ihre Reise und Entdeckungslust bzw. ihren Mut auch in anderen Ländern Fuß fassen zu wollen und ihre bisherigen Brücken hinter sich abzubauen.
Styr ist so ein Mann. Nach dem Tod seines Vaters möchte er Rangkämpfen mit seinem Bruder lieber aus dem Wege gehen und so macht er sich mit seiner Ehefrau schließlich auf den Weg nach Irland, um dort anzusiedeln.

Schon von Beginn an, wird dem Leser klar, dass Styrs Ehe eigentlich am Ende ist und er dem machtlos entgegensieht, doch er will dennoch nicht kampflos aufgeben, als er Caragh kennen und lieben lernt und gerät so zum ersten Mal in einen Zwiespalt. Da Michelle Willingham sehr sensibel zu Werke gegangen ist und Styr Treue sehr wichtig ist, kommen einem beim Lesen gewaltige Zweifel, ob es tatsächlich eine Möglichkeit für das Heldenpaar geben kann, zueinanderzufinden. Dass sie dem Ehepaar jedoch sehr tiefschürfende Dialoge auf den Leib geschrieben hat, die deren Zweifel deutlich zu Tage treten lassen, wirkt in dieser Story Wunder.
Aber auch mit Caragh hat die Autorin eine Romanfigur geschaffen, die keinerlei egoistische Züge in sich trägt, so dass man bis zuletzt mitleidet und mitfiebert. Mir hat „Das wilde Verlangen des Wikingers“ sehr gut gefallen, weil hier endlich wieder das Talent der Autorin zum Tragen kommt, nicht nur prickelnde und romantische Geschichten erzählen zu können, sondern diese dazu auch mit viel Herzblut, Tiefgang und Sensibilität zu versehen. Zudem schließt man Styr und Caragh sehr schnell in sein Leserherz und die Lesezeit vergeht leider wie im Fluge, da es auch am Schreibstil nebst Übersetzung nichts zu rütteln gibt.

Ein wenig erinnert mich Michelle Willinghams Art zu Schreiben an die von Patricia Potter, von der man leider schon lange nichts Neues mehr in deutscher Übersetzung lesen durfte, was ich sehr schade finde. Nun, zumindest füllt Michelle Willingham diese Lücke ein wenig.

Kurz gefasst: Eine rundum gelungene Liebesgeschichte mit Tiefgang; sehr sensibel erzählt, die mich bezaubert hat.