Rezensionen

Kas Bewertung 03 Sterne.png

Lady Hannah Chesterfield ist gefangen im Korsett der Konventionen. Entscheidungen werden für sie getroffen und selbstverständlich soll Hannah standesgemäß verheiratet werden. Das alles tritt in den Hintergrund, als sie auf einem Ball Lieutenant Michael Thorpe kennen lernt, der sie aus einer sehr prekären Situation rettet. Dumm nur, dass Hannahs Vater glaubt, Michael wäre für dieses Situation verantwortlich.

Er verlangt, dass seine Tochter den Mann ehelichen soll, der sie in Wirklichkeit kompromittiert hat. Hannah zeigt Rückgrat und verweigert eine Ehe. Kurzerhand wird sie zu Verwandten "verschifft", bis die Schande, die sie verursacht hat, beim Ton in Vergessenheit geraten ist. Doch auf dem Schiff, das sie aufs Festland bringen soll, ist niemand anderes als Lieutenant Thorpe, um dessen Herkunft sich etwas Geheimnisvolles rankt …

Ich habe Michelle Willinghams Schreibe bisher mit der MacEgan-Reihe schätzen gelernt. Doch in "Lady Chesterfields Versuchung" fehlt mir ein wenig die Tiefe. So bleibt mir das Heldenpaar leider etwas fremd, da sie für meinen Geschmack zu statisch agiert haben. Zudem war dieses stetige Begründen von Seiten Hannahs und Michaels, warum sie eigentlich nicht zusammen kommen dürfen ("du Bürgerlicher, ich Lady - du Lady, ich Bürgerlicher") nicht sehr erquicklich. Es ermüdete beim Lesen irgendwann.

Normalerweise kann die Autorin zwischen ihren Protagonisten Spannung und Emotionen gekonnt darstellen, doch in dieser Geschichte geht mir das ab. Dies ist sehr schade, da man merkt, mit wie viel Augenmerk Michelle Willingham die gesellschaftlichen Konventionen dieser vergangenen Epoche wiedergegeben hat. 3 Punkte.

Kurz gefasst: Ein Roman mit Potenzial, das leider nicht ganz zum Tragen kam.

Nicoles Bewertung 03 05 Sterne.png

Lady Hannah lebt das typische Leben einer adligen unverheirateten jungen Frau. So manches Mal würde sie zu gerne gegen die strengen Konventionen, die ihr aufgelegt sind und die sie unter allen Umständen einzuhalten hat, aufbegehren, doch Lady Hannah ist ihren Eltern gegenüber sehr unterwürfig und so lässt sie es sogar zu, dass ihre Mutter ihr nicht nur die Kleidung vorschreibt, nein auch jegliche Süßspeise muss sie sich der schlanken Linie wegen verkneifen.

Eines Tages kreuzen sich während eines Balls die Wege von Lady Hannah und Lieutnant Michael Thorpe, einem Freund von Lady Hannahs Bruder , dem Earl of Whitmore und wenig später nur, kann Michael ihr zur Hilfe eilen, als sie von einem aufdringlichen Bewerber um ihre Gunst in die Enge getrieben wird, der Lady Hannah kompromittieren will. Doch Lady Hannahs Vater glaubt tatsächlich, dass es Michael war, der Hannah fast entehrt hätte und so will er seine Tochter dazu bringen, dass sie ihren wirklichen Peiniger ehelicht. Aber Hannah weigert sich und so kommt es, dass sie von ihren Eltern, bis Gras über die Angelegenheit gewachsen ist, zu Verwandten nach Deutschland geschickt wird.

Womit sie dagegen nicht rechnet, ist, dass ihr auch Michael erneut auf der Schiffsüberfahrt begegnet. Michael wurde von Graf Reischor, der dem Adel in einem kleinen Fürstenstaat das an Deutschland grenzt, angehört, als Begleitung engagiert. Doch Graf Reischor hat einen triftigen Grund für seine Bitte… Michael gleicht dem Fürsten von Lohenberg bis aufs Haar.
Während der Überfahrt entdecken Michael und Lady Hannah ihre Gefühle füreinander. Doch kann eine Ehe zwischen einem Bürgerlichen und eine Dame von Stand überhaupt möglich sein?

Nachdem mich der Vorgängerband „Der Earl und sein verführerischer Engel“ (die Story über Hannahs Bruder, dem Earl of Whitmore und seiner Emily) leider etwas enttäuscht zurückließ, war ich nun gespannt darauf, ob sich Michelle Willingham in ihrer Geschichte über Hannah nun etwas steigern würde. Dazu muss ich sagen, dass ich eigentlich ein großer Fan der Autorin bin- allerdings bislang lediglich, was ihre grandiose MacEgan Reihe angeht. Obwohl ich Regencies sehr liebe, ist mein persönlicher Lese-Eindruck bisher, dass die Autorin sich in anderen Zeitepochen scheinbar wohler fühlt, denn irgendwie fehlt in den Regencyromanen von Michelle Willingham das gewisse Etwas für mich, die besondere Charakterisierung der Akteure oder auch das Knistern zwischen dem Heldenpaar. „Lady Chesterfields Versuchung“ ist dabei kein schlechter Roman, Michelle Willingham drückt sich zumindest zeitgemäß aus und vergisst auch nicht, die typischen Anstandsregeln dieser Ära zu beachten; reißt gar auch gewisse Einschränkungen, welchen unsere Heldin unterliegt, an und sorgt zumindest für historisches Flair. Auch die Story ist abwechslungsreich, unterhaltsam und wird zum Ende hin sogar recht spannend. Wenn man auf diese gewisse Situation, in der sich der Romanheld befindet, sicherlich nicht zum ersten Mal stoßen wird.

Doch für eine bessere Bewertung fehlte mir einfach mehr Tiefgang, weil ich es in Michelle Willinghams anderen Büchern schon anders erleben durfte.
Dazu kommt, dass das Heldenpaar sich in einer eigentlich auswegslosen Situation befindet und sich dessen auch sehr wohl bewusst ist. Sowohl Hannah als auch Michael wiederholen ständig die Gründe dafür, dass sie nicht zusammen sein dürfen und irgendwann zerrte dieses leidige Hin und Her dann doch etwas an meinen Nerven, zumal sie natürlich trotzdem nicht voneinander lassen können.

Während Hannah die typische englische unberührte Rose verkörpert, wird Michael als kleiner Draufgänger beschrieben, doch eigentlich empfand ich Michael zu jedem Zeitpunkt als gefassten, sehr ehrenvollen Romancharakter, der dann im Endeffekt von Hannah überrumpelt wird. Die Liebesszenen sind dagegen gewohnt prickelnd geschrieben und daran gibt es auch nichts zu meckern von meiner Seite aus.
Wäre der Umgang zwischen Hannah und Michael ein wenig liebevoller gewesen und hätten mich die gemeinsamen Dialoge des Heldenpaars ein wenig mehr berühren können, hätte ich der Geschichte sicherlich eine höhere Punktzahl gegeben.

Kurz gefasst: Unterhaltsamer, abwechslungsreicher Regency, der aber leider etwas zu routiniert und hinsichtlich des Heldenpaares zu stereotyp geschrieben wirkt. Mir fehlten hier einfach die großen Gefühle und mehr Tiefgang.