Rezensionen

Nicoles Bewertung 05 Sterne.png

Genevieve hätte sich keinen unpassenderen Verlobten aussuchen können, als Sir Hugh Marstowe. Der gutaussehende Ritter ist ein kalter und berechnender Mann. Kaum dass ihre Eltern nicht mehr an ihrer Seite weilen, denn Genevieve wird nach der geplanten Hochzeit mit Sir Hugh auf Rionallis, der Festung auf irischer Seite und ihre Mitgift in die Ehe, leben, versucht ihr brutaler Verlobter sie mit Schlägen gefügig zu machen.

Aus Verzweiflung flieht Genevieve kopflos- wird jedoch bald wieder von Sir Hughs Schergen eingeholt und zurückgebracht. Zuvor hatte sie Hilfe bei einem Iren erbeten, der ihren Fluchtweg gekreuzt hatte, doch ihr Flehen blieb ohne Erfolg.

Um so erstaunter ist Genevieve als genau dieser Ire kurze Zeit später versucht, Rionallis einzunehmen und ihr zur Hilfe zu eilen. Durch Hughs Tücke, schlägt Bevan MacEgans Rettungsversuch fehl und er wird gefangen genommen. Doch Genevieve gelingt es, ihn und seinen Bruder zu befreien und anschließend zu fliehen.

Bevan bringt Genevieve zur Burg seines Bruders Patrick. Dort lernen sich auch Bevan und Genevieve besser kennen und beide mögen sich auf Anhieb. Als Patrick seinem Bruder jedoch vorschlägt, Bevan möge Genevieve zu seiner Braut machen und Rionallis so wieder in Besitz nehmen, ( Bevan war einst Besitzer der Burg und kehrte ihr nach einem Schicksalsschlag den Rücken), lehnt Bevan entschieden ab. Denn er hat nach dem Tod seiner Frau und seines Kindes geschworen, nie wieder zu heiraten und einer Frau einen Platz in seinem Herzen zu schenken.

Doch Patrick und später auch der König lassen nicht locker. Sollte Bevan sich weigern, müsste Genevieve die Frau von Sir Hugh Marstowe werden und dieses Schicksal möchte Bevan der jungen Frau um jeden Preis ersparen. Doch auch Genevieve hat seit ihren erlittenen Misshandlungen durch Sir Hugh, Angst vor Männern und blickt einer Eheschließung mit äußerst gemischten Gefühlen entgegen, zumal ihr von Anfang an klar ist, dass Bevan sie nur aus einem Grund ehelichen will- um Rionallis zurückzubekommen...

Angenehm überrascht war ich von dem aktuellen Historical von Michelle Willingham; einer Autorin von der ich bisher weder etwas gehört noch gelesen habe.

Die Geschichte zweier Menschen, die vom Schicksal gebeutelt wurden und langsam lernen wieder Vertrauen und Zuneigung zu einem anderen Menschen zu entwickeln und ihre insgeheimen Ängste zu überwinden, ging mir sehr unter die Haut, denn die Autorin hat diesen Vorgang wunderbar einfühlsam beschrieben. Zudem sind die beiden Hauptfiguren in diesem Roman sehr starke Charaktere.

Bevan MacEgan, der Held des Romans ist zwar ein „tortured Hero“, (seine Tochter starb an einem Fieber und seine Frau während eines Normannenüberfalls) und benimmt sich ab und an der Heldin gegenüber zunächst ruppig, sieht seine Fehler jedoch schnell ein und ist „Manns“ genug, sich auch dafür zu entschuldigen. Er ist ein starker Anführer und hat einen ausgeprägten Familiensinn.

Die Heldin des Buches, Genevieve, wird zunächst als eher zurückhaltender Mensch beschrieben. Nachdem sie jedoch mit Bevan fliehen konnte, fasst sie jedoch langsam Vertrauen zu ihm, zu seiner Familie und zu seinen irischen Untergebenen.

Im Gegensatz zu anderen Romances, in denen die Heldinnen nach körperlichen Misshandlungen, kaum dass sie auf den Helden treffen, gleich wieder alle Pein vergessen haben (was ich nebenbei bemerkt immer ziemlich unglaubwürdig finde), geschieht die sexuelle Annäherung zum Helden hier sehr langsam und behutsam. Man fühlt und leidet als Leser mit beiden mit und die Geschichte zieht einen regelrecht in den Bann.

Interessant fand ich auch Bevans Brüder und ich kann es kaum noch abwarten, den nächsten Roman über die MacEgans lesen zu können.

Kurz gefasst: Ein mitreißender historischer Liebesroman mit zwei sensiblen und starken Protagonisten.