Rezensionen

Ankes Bewertung 05 Sterne.png

Es reicht! Miss Matilda Griffin beschließt ihr Schicksal ab sofort selber in die Hand zu nehmen und ihr überbehütetes Leben gegen eines voller Abenteuer einzutauschen. Besonders drängend wird der Entschluss durch die Behandlung, die sie durch ihren Vormund erfährt, der nicht nur ihr Erbe verprasst hat, sondern sie nun auch noch gewalttätig dazu zwingen versucht, einen Mann seiner Wahl zu heiraten.

Sie stellt sich bei Mr Seth Hawkins, einem Ex-Preiskämpfer und Betreiber eines beim Adel beliebten Boxklubs vor, der eine Gouvernante für seine Tochter sucht. Sie hat zwar keine Empfehlungen vorzuweisen, doch einer Dame in Not kann Seth Hawkins seine Hilfe nicht verwehren.

Tatsächlich ist dieser ein klein wenig verzweifelt aufgrund seiner vergangenen Erfahrung mit anderen Bewerberinnen auf diese Stelle. Matilda Griffin, scheint, trotz ihrer mangelnden Erfahrung und der Ärger, der zusammen mit ihr möglicherweise ins Haus stehen könnte, als die bisher vielversprechendste Wahl. Und obwohl die Dame so ihre Vorurteile gegen die Unterschicht im Allgemeinen und Ex-Kämpfer im Besonderen zu haben scheint, so ist sie doch eine äußerst reizende Bereicherung eines Haushaltes.

„A Governess should never... tempt a Prizefighter“, ist der 1. Teil der „Governess Chronicles“ der Autorin Emily Windsor. Sie hat mir damit einen Liebesroman in den Weg gestreut, dem ich alleine wegen seines Titels nicht aus dem Weg gehen konnte. Und ich habe es nicht bereut meinem Interesse nach einer Gouvernante und einem Preisboxer nachgegeben zu haben.

Tatsächlich habe ich mich beim Lesen sehr gut unterhalten. Ich gebe zu, dass das englische Englisch, die Autorin ist in England geboren, mit so einigen für mich unbekannten Vokabeln aufgewartet hat und nicht ganz so einfach zu lesen war. Zumindest was die historischen Straßenkämpfer Boxbegriffe betrifft, hat die Autorin in einem äußert unterhaltsamen Glossar am Ende des Buches Abhilfe geschaffen. Doch da auch die Hauptprotagonistin nicht familiär mit der Wortwahl der Boxenden Unterschicht war, habe ich mich nicht alleine gefühlt, wenn es um die Bedeutung von „Whisker bed“, „Breadbox“ „Whiffler“ oder „Nibbler“ ging.

Besonders gut gefallen hat mir, dass die Autorin, ausnahmslos alle Konflikte so regelt, dass keine Missverständnisse aufkommen (die im Verlauf der Geschichte dazu führen könnten, dass die Dame in Not gerät und vom Helden gerettet werden muss *nerv*). So war es erfrischend zu lesen, dass die Autorin Matilda, als Blaustrumpf, und Seth, in Sachen Lebensweisheit, jeweils die Stärken ihrer Figuren betont, sie jedoch als agierendes Paar immer gleichstellt; soll heißen, dass Matilda sich persönlich und handgreiflich von ihrem Peiniger befreien darf (was meiner Erfahrung nach in einem Liebesroman nicht so oft vorkommt, in der Regel hat der Held das letzte Wort bei der Rettung der Heldin), dabei trotzdem auf die Hilfe von Seth und seinen Kumpel Kian angewiesen ist, die sich derweil dem Rest der Angreifer widmen. So haben am Ende alle Figuren ihre Aufgabe und können die Situation nur gemeinsam bewältigen.
Eine turbulente Szene übrigens, die mir beim Lesen äußerst Spaß gemacht hat.

Was bleibt noch zu erwähnen? Nun, da wären noch die sympathischen Figuren, ein Plot der einem geneigten Liebesroman-Leser Abwechslung verspricht und ein amüsanter Erzählstil und Situationskomik, was mich mehr als einmal zum Lachen gebracht hat.

Kurzgefasst: für mich ein vielversprechender Auftakt zu einer neuen Serie und ein Liebesroman, wie er unterhaltsamer nicht sein könnte.