Rezensionen

Ankes Bewertung 03 Sterne.png

Als 2. Sohn des Duke of Rothwell wurde Ernest Brooks in seinem Leben entsprechend nachlässig behandelt. Seine Eltern versorgten ihn, beachteten ihn aber nicht weiter. Derweil übernahmen der Stallmeister und die Dienerschaft seine Ausbildung. Ernest entwickelte sich zu einem natur- und tierlieben Burschen, der jedoch, nach dem Tod des Vaters, von seinem Bruder nach London gerufen wurde und dort nichts zu tun hatte, als das Leben eines Charmeurs zu leben und sich in der Damenwelt einen Ruf zu machen.

Erst die Ehefrau seines Bruders machte diesem klar, dass Ernest eine Aufgabe braucht, nämlich die herzoglichen Ställe zu leiten. Eine Herzensaufgabe für Ernest.

Gleichzeitig vergibt der kunstinteressierte Duke der Witwe, Mrs. Hebe Locke, den Auftrag seine Pferde zu malen. Eine echte Chance für Hebe, die sie zusammen mit ihrer Tante zum Rothwell’schen Stammsitz führt, wo sie auf Ernest trifft. Diesen kennt sie bereits, noch genauer, sie kennt seinen Ruf. Damit ist für Hebe alles gesagt. Aber wie schwer kann es schon sein, in einem so großen Schloss, dem Kerl aus dem Weg zu gehen?

In den letzten Jahren ist die Autorin Emily Windsor und ihre Romane für mich zu einem Autobuy geworden. Um mir zwischen ihren Neuveröffentlichungen die Zeit zu vertreiben, bin ich dabei nun auch dabei ihre Backlist aufzuarbeiten. Und weil Vorfreude die schönste Freude ist, schiebe ich das Lesen ihrer neuen Bücher auch immer ein wenig vor mir her.

In diesem Fall war das möglicherweise unklug, hat meine Erwartungen vielleicht zu hochgeschraubt und mich damit in meiner Enttäuschung umso tiefer fallen lassen. Den leider bin ich mit Ernest und Hebe so gar nicht warm geworden. Tatsächlich fand ich ihre Geschichte sogar recht langweilig, sodass sich das Lesen stellenweise gefühlt ewig hingezogen hat. Etwas, was mir mit Emily Windsors Romanen noch nie passiert ist.

Dabei weiß ich gar nicht so recht, woran es lag? Am Erzählstil der Autorin definitiv nicht. Der war genauso hervorragend, wie ich ihn bisher kennen und lieben gelernt habe. Und auch wenn mich die Geschichte nicht wirklich interessiert hat, so hat sie doch in sich Sinn ergeben und wurde in jeder Hinsicht nachvollziehbar erzählt.

Aber nicht nur die Geschichte konnte mich nicht für sich einnehmen, auch die Haupt-Protagonisten nicht. Ernest war mir zu perfekt und Hebe zu gequält. Die Ecken und Kanten, die ich bei den Figuren von Emily Windsor bisher so geliebt habe, waren in den Hauptprotagonisten für mich auch nicht zu finden. Nur in der kleinen Nebengeschichte von Hebes Tante und dem Stallmeister von Ernest konnte ich sie spüren. Völlig korrekt im Sinne der Erzählung, aber für mich persönlich bedauerlich, dass dieser Teil so nebensächlich blieb.

Kurz gesagt: So sehr ich die Autorin auch für ihre Geschichten liebe, mit „The Rake of Hearts“ hat sie meinen Lesegeschmack nicht getroffen.