Rezensionen

Ankes Bewertung 05 Sterne.png

Elise Radeborn wird auf der Hochzeit ihrer Cousine Arabella Samford entführt und über den Kanal nach Deutschland verschifft. Obwohl der Kapitän Nicholas von Reijn Elise zugeneigt ist, so verhilft er ihr doch nicht zur Flucht, sondern liefert sie ihrem geheimen Entführer aus.

Auf einer baufälligen, tief eingeschneiten Burg erwartet sie ihren Entführer, um ihm ordentlich die Leviten zu lesen. Maxim Seymour, Marquis von Bradbury, kommt in der frohen Erwartung seiner Geliebte Arabella vor einer schrecklichen Ehe gerettet zu haben dort an und entdeckt statt ihrer die streitsüchtige Cousine Elise. Er ist schlicht weg entsetzt, über den Fehler den seine Leute gemacht haben. Doch nun sind alle auf diese Zweckgemeinschaft angewiesen, in der jeder helfen muss den Winter in der alten Burg zu überstehen.

Zudem macht sich Elise auch noch Sorgen um ihren Vater. Der ist vor einer Weile Spurlos verschwunden und Elise vermutet dahinter die Machenschaften ihrer Tante Cassandra Radeborn, die auf Geld, Besitz und Titel von Elises Vater, für ihren Sohn aus ist. Auch Elsie hatte bereits unter ihrer Tante zu leiden.

Derweil ziehen Nicholas, der eifrig um Elise Hand wirbt und Maxim Erkundigungen ein. Dabei stellt sich heraus, dass ihr Vater, nicht mehr in England ist, sondern in Hamburg von Hansekapitänen gefangen gehalten wird. Aber auch Maxim hat so seine Probleme, kann er doch nicht eher zurück nach England, als bis er die Ränke um seine Anklage als Verräter aufgedeckt hat.

„Tränen aus Gold“ ist einer meiner Lieblingsromane der Autorin Kathleen E. Woodiwiss. Je öfter ich ihn lese umso besser gefällt er mir. Der Roman ist zwar kein 600-Seiten-Wälzer, aber doch so detailreich erzählt, dass man auch, mit etwas Leseabstand versteht sich, immer noch neue Facetten entdecken kann.

Zudem zählt er meiner Meinung nach zu den Romanen der Autorin, die eher leicht und locker erzählt wurden und weniger dunkle Einflüsse setzten. Und so kann ich mir das Lachen verkneifen, wenn Maxim herausfindet, dass er nun die kratzbürstige Elise am Hals hat und nicht die liebliche Arabella. Und wie er sich einstehen muss, dass ihm das Werben von Nicholas um Elise dann noch weniger gefällt.

Dabei ist Elise tatsächlich ziemlich streitsüchtig und für ihre jungen Jahre eigentlich zu verbittert, finde ich. Und doch muss ich zugeben, dass sie damit die einzig richtige Wahl für Maxim ist, der, ganz der typische Woodwiss-Held, ein Ticken zu überheblich ist.

Sehr gut gefällt mir auch das Setting des Romans. Zwar entsteht beim Lesen vor meinem inneren Auge nicht Hamburg, der Roman könnte überall spiele finde ich, doch ist allein das Wissen darum eine unterhaltsame Abwechslung in einem historischen Liebesroman einer US-Amerikanerin.

„So worthy my love“ wurde im Original 1989 veröffentlicht, ich habe eine in die Jahre gekommene Ausgabe von 1990. Und auch wenn sich die Protagonisten dem Stil der Zeit entsprechend verhalten (Gewaltandrohung, zb.), so lohnt es auch heute noch, den eher altmodischen Erzählstil der Autorin zu entdecken, finde ich.

Kurz gefasst: ein eher ungewöhnliches Setting und eine Heldin, die nicht so einfach klein beigibt, machen Spaß, diesen, doch schon etwas in die Jahre gekommen Roman immer wieder neu zu entdecken.